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Da Sporenschildkröten die Landschildkröten sind, mit denen wir die meiste Erfahrung sammeln konnten, wagte ich mich mit diesem Vorttrag in den großen Vortragssaal des NHM. Und nach kurzen Anlaufschwierigkeiten - ich konnte meine Notizen im abgedunkelten Sall nicht lesen - kam dabei Folgendes zustande:
Sporenschildkröten sind ganz leicht zu halten
Inhalt
Vorstellung
Thema
Geschichte und Bestand
Eigenschaften
Ernährung
Die Krankheiten
Die Unterbringung
Die Zucht
Die Verantwortung des Züchters
Der Aufbau einer Gruppe
Resümee
Vorstellung – wer wir sind
Zu erst einmal, für alle welche mich nicht kennen, möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Harald Sommerer, ich beschäftige mich jetzt seit rund 40 Jahren mit Schildkröten. Begonnen hat das ganz harmlos mit einer gefundenen Vierzehenschildi, danach kam eine Köhler ins Haus und seither hat der Bestand stetig zugenommen. Derzeit wohnen bei uns 5 Sporen, 4 MEP, 7 Köhler, 3 elongata sowie etliche Jungtiere von Panther- , MEE, elongata und forsteni.
Wobei ich gleich festhalten muss, dass es mir nur gemeinsam und mit der Unterstützung meiner Frau möglich ist, diesen Tierbestand ordentlich zu halten und zu pflegen. Da wir neben den Schildis auch noch 5 Hunde und rund 40 Papageien halten, ist der Aufwand für die Tiere doch recht erheblich. Da geht es gar nicht so um die finanziellen Mittel, welche es braucht, sondern ganz einfach um die Zeit, die Einteilung des eigenen Tagesablaufes. Und nur gemeinsam schaffen wir es, eine für uns passende Art und Qualität der Haltung zu verwirklichen. Denn wir halten unsere Tiere um daran Freude zu haben und an kümmerlichen oder gar kranken Tieren kann ich nichts Erfreuliches finden, aber wir wollen zu, Thema zurückfinden -
Thema - Sporenschildkröten
Da möchte ich kurz den doch recht provokanten Titel erläutern. Diesen Ausspruch habe ich glatt gestohlen. Ich wurde stiller Zeuge eines Verkaufsgespräches zwischen einem etwas unbedarften Käufer und einem grenzgenialen Verkäufer. Auf die durchaus sinnvollen Einwendungen des Interessenten: “Die werden doch recht groß, die fressen doch recht viel, die brauchen doch recht viel Platz die sind doch recht schwierig zu halten?“ antwortete dieser voller Überzeugungskraft „Ahhh – Spornschüdkrotn san ganz leicht zum hoidn!!!“
Nun sind diese Sporenschildkröten jetzt schon seit vielen Jahren, man sollte richtiger von Jahrzehnten sprechen, unsere Schildkröten. Und wir haben mit denen auch immer viel Freude gehabt und die meiste Erfahrung gesammelt, das meiste Wissen erworben. Dabei haben wir natürlich auch reichlich Lehrgeld bezahlt, Rückschläge und auch Todesfälle hinnehmen müssen. Und genau von diesen Erlebnissen möchte ich hier und jetzt berichten
Natürlich muss ich hier gleich zu Beginn ganz klar und deutlich festhalten, dass alles was wir mit unseren Schildis erlebt haben, unsere ganz persönlichen Erkenntnisse sind. Was sich bei uns bestens bewährt hat, kann wo anders zu einer vernichtenden Niederlage führen - genau so wie die von uns als untauglich verworfenen Lösungswege bei anderen Haltern durchaus befriedigende Ergebnisse liefern können. Mir persönlich sind diejenigen Leute, welche immer und überall im ausschließlichen Besitz der reinen Wahrheit sind einfach unheimlich – und wir haben die Centrochelys sulcata nicht erfunden – ehrlich!
Geschichte und Bestand
Aber andere haben sie gefunden, nämlich ein Hr. L. Miller anno domini 1779 , wobei der die sicher auch nicht als erster gefunden hat, aber als erster beschrieben hat. Zwar mit einigen Fehlern – so wurde etwa die terra typica mit India occidentalis angegeben, nur gibt es in Westindien sicher keine Sporen und obendrein ist das Typusexemplar zwischenzeitlich auch verloren gegangen. Dafür wird dieser Mr. Miller auch gar arg bestraft, sein Vorname lautet immer und überall Lpunkt, wie er wirklich geheißen hat, ist ebenso in Vergessenheit geraten wie der Holotypus.
Wo stehen wir heute, mehr als 200 Jahre später, mit unserem Wissen über diese Schildkröten? Das Verbreitungsgebiet ist uns hinlänglich bekannt, auf diesem Bild dunkelbraun dargestellt. Jedoch ist dieses Gebiet besonders heute einem zunehmenden Druck durch die menschliche Population ebenso wie durch eine fortschreitende Verwüstung ausgesetzt ist. Man darf nicht vergessen, dass etwa der Sahel zu einem der ärmsten Landstriche der Welt zählt, und der Verzehr von Schildkrötenfleisch ist oftmals für die hungernde Bevölkerung eine schiere Lebensnotwendigkeit. Das schlägt sich – neben der meist illegalen Entnahme für den Tierhandel -in einem dramatischen Rückgang der Schildkrötenpopulation nieder. Die IUCN hat schon vor Jahren eine Nullquote für den gewerblichen Export festgeschrieben, aber ich denke in Afrika wird das wohl niemanden bekümmern, die grün hinterlegten Länder nehmen für sich in Anspruch, Sporenschildkröten zu beheimaten, bei einigen ist aber offensichtlich, dass diese Behauptung wohl nur von wirtschaftlichen Überlegungen bestimmt wird und im Jemen sind die Sporen sicher von Menschen eingeführt worden. Wie auch immer, die einzigen Kontrollen passieren letztendlich an den Außengrenzen der EU. Derzeit dürften nach vorsichtigen Schätzungen 18 000 bis 20 000 Tiere in freier Wildbahn leben. Diese Zahl scheint auf den ersten Blick ja gar nicht so gering, bedenkt man aber die Größe des Verbreitungsgebietes und dass nach den Erkenntnissen von G. Villliers vor rund 50 Jahren noch rund 100 000 Sporen in Afrika gelebt haben, vermitteln diese Zahlen doch den Charakter einer recht ernsthaften Bedrohung. Dem steht eine recht erhebliche, ständig steigende Anzahl von in Gefangenschaft gehaltener und auch oftmals gezüchteter Sporenschildkröten entgegen, sicher mehrere Tausend Stück. Was das für den Erhalt der Rasse wert ist, bleibt ein wenig fraglich. Denn da haben wir schon wieder ein völlig neues Problem, welche Unterart der sulcata haben wir denn da? Denn die Sporen zeigen oft ein recht unterschiedliches Äußeres, ganz abgesehen von den durch Haltungsfehlern bedingten Deformationen. Und tatsächlich veröffentlichten im Jahre 2005 B. Livoreil & A. C. van der Kuyl ein Dokument, unter dem Titel „Genetic analysis of mitochondrial DNA variation in eastern and western African spurred tortoises, Geochelone sulcata.“ in welchem die Art auf ihre genetische Variabilität untersucht wird. Stark vereinfacht kommt diese Studie zu dem Schluss, dass es entlang des Verbreitungsgebietes von Ost nach West mindestens drei Haplotypen gibt, welche sich äußerlich aber nur unerheblich unterscheiden. Ob das für die Bestimmung als Unterarten reicht ist meinem Wissen nach immer noch fraglich, aber durchaus möglich.
Jetzt wage ich zu behaupten, dass bedingt durch den eher unkontrollierten Export der Tiere aus den Ursprungsländern und die willkürlichen Verpaarungen bei uns in Europa keine reinerbige Nachzucht zu finden sein wird. Somit sind die in Gefangenschaft erzüchteten Tiere vom Standpunkt des korrekt betriebenen Artenschutzes von – leider - zu mindesten nur zweifelhaftem Wert. Und wenn man bedenkt, dass der Antrag Frankreichs vom 10 Jänner 2000, die Sporenschildkröte während der CITES Convention of the Parties 11 auf den Appendix 1 hochzulisten keine Zustimmung fand, wird verständlich, dass eine durchgehende genetische Untersuchung unserer Schildis aber auch niemals durchgeführt werden kann, einfach weil der Antrieb und letztendlich das Geld für eine derartige Untersuchung fehlt.
Eigenschaften der zahmen Sporenschildis
Also wollen wir einfach versuchen, unsere eigenen Tiere möglichst gut zu verstehen und so passend wie möglich zu halten. Und unsere Nachzuchten können als Versicherung für die Wildpopulation gesehen werden. Denn wenn es uns gelingt – unabhängig von der spezifischen Genetik -, die Nachfrage nach Sporenschildis auf dem Weg der Nachzucht zu befriedigen, wird die Entnahme aus der Natur zumindest gebremst. Und so können wir letztendlich ja doch etwas Taugliches zum Artenschutz beitragen.
Betrachten wir unsere Sporen einmal gründlich. Sporen sind nach den beiden Riesenarten von den Inseln der Galapagosgruppe und der Seychellen die drittgrößte, rezente Landschildkrötenart. Über die mögliche Maximalgröße wird viel berichtet, tatsächlich habe ich selber schon einen Sporenbock gesehen welcher bei fast einem Meter Panzerlänge rund 100 kg wog. Das dürfte so ziemlich die Obergrenze sein, glaubhafte Quellen berichten von Gewichten von doch recht deutlich über 100 kg, jedoch sind diese riesigen Tiere vielleicht keine ausgesprochenen Ausnahmen, aber sicher recht selten. Ein Sporenbock welcher bei 75 Zentimeter Stockmaß um die 50 Kilogramm wiegt, ist in meinen Augen schon recht ansehnlich. Und wenn wir die Gewichts- und Maßtabellen von unseren eigenen Schildis als Grundlage heranziehen, können wir einige doch recht beeindruckende Zahlen auch gut belegen.
Sporenschildkröten wachsen unglaublich schnell. Ein männliches Sporenbabys hat ein Geburtsgewicht von etwa 25 g und wiegt bereits im Alter von 2 Monaten circa 50 g, das Doppelte! Geben wir dem Kleinen dann noch zwei Jahre Zeit zum Wachsen, wird er rund 2000 g wiegen, das entspricht - als Vorstellungshilfe - schon einer ganz ordentlichen Griechischen Landschildi. Warten wir dann noch einmal 5 Jahre, kann unser kleiner Sporenbock im jugendlichen Alter von sieben Jahren 27 kg wiegen – das entspricht einem Stockmaß von etwa einem halbem Meter. Immer vorausgesetzt, die Umgebung passt, das Futter schmeckt und er wird nicht krank oder von einem dominanten Bock gemobt. Bei dieser Wachstumsrate werden zwei weitere Eigenheiten der Sporen verständlich. Erstens ist die benötigte Futtermenge enorm und zweitens ist bei der Wahl des Futters größte Vorsicht geboten. Und das führt schon zu unserem nächsten Thema.
Ernährung, das richtige Futter
Sporen sind ganz typische Graser, eine eher kurze, artenreiche Wiese ist ihr Lieblingstisch. So lassen unsere Sporen das klassische Schildkrötenfutter Salat jederzeit für ein paar Quadratmeter Wiese links liegen. Was die mit dem Gras noch alles mit fressen entzieht sich natürlich unserer direkten Beobachtung. Berücksichtigen wir aber, was sich alles an Krabbelgetier auf unserer Blumenwiese tummelt, muss der Anteil an organischer Beilage ganz erheblich sein. Dadurch dürfte der aufgenommene Anteil an Eiweiß gerade während der Zeit des Wachstums – zu mindestens für einen ausgeprägten Pflanzenfresser – recht erheblich sein. Ein etwa dreijähriges, männliches Jungtier, welches wir aus einer Wohnungs-Terrarienhaltung bekamen begann bei uns wie irrsinnig zu wachsen – und die Wachstumsfuge zwischen den Rippen – und den Randschildern wurde immer breiter, immer rosiger, immer wunder. Zu unserer Verzweiflung wuchs das Tier rasend schnell weiter, fraß alles was es erwischte, Heu und Stroh gleichermaßen … und die Fuge wurde immer hässlicher. Und die Literatur bot uns genau keine Erklärung während uns die Situation schlaflose Nächte bescherte. Aus der Erkenntnis heraus, dass Horn eine Eiweißsubstanz ist, versuchten wir dem Kleinen Trockenfutter für Hunde anzubieten – welches er mehr als gierig fraß und vier Tage später war die Fuge fein säuberlich geschlossen, narbig zwar, aber ordentlich dicht.
Da gilt es beim Futter noch einen gräulichen Irrtum zu berichtigen, immer wieder findet man in der einschlägigen Literatur die Behauptung aufgestellt, dass zu reichhaltiges, zu feuchtes oder zu eiweißhaltiges Futter eine Panzerdeformationen bewirkt, die hässliche und verletzungsanfällige Pyramidenbildung. In aller Deutlichkeit gesagt, das ist ganz eindeutig ein völliger Blödsinn den ganz offenkundig ein Autor ungeprüft vom anderen abschreibt. Wir wissen es inzwischen besser, denn im Jahre 2002 hat Christian Wiesner eine Dissertation zum Thema „Der Einfluss von Umgebungsfeuchtigkeit und Eiweißgehalt der Nahrung auf die Panzerhöckerbildung von Spornschildkröten (Geochelone sulcata)“ auf der VUW eingereicht. Die für uns wichtigen Erkenntnisse sind schnell zusammengefasst: Trockene Haltung führte zu stärkerer Höckerbildung als feuchte Haltung, der Proteingehalt des Futters hatte einen geringen und statistisch nicht abgesicherten Einfluss auf den Grad dieser pathologischen pyramidenförmigen Panzerhöckerbildung.
Das bedeutet jetzt natürlich nicht, dass es wurscht ist, womit ich meine Sporen füttere, aber falsche oder zumindest unpassende Fütterung führt zu anderen Problemen. Ganz sicher wird ein Eiweißüberschuss zu Problemen mit den Harnstoffwerten und in weiterer Folge zu Gicht und Arthrosen führe, eben so sicher wird zu „fettes“ Futter Probleme mit dem Verdauungstrakt bringen, und fehlen Ballaststoffe ist Durchfall zu erwarten. Aber grundsätzlich sind die Sporen da nicht besonders empfindlich. Im Spätsommer fressen unsere oft recht erhebliche Mengen Fallobst von der Wiese, wobei da eher die braunen, anscheinend fauligen Früchte als die makellose A-Ware angenommen werden, oft sogar bevorzugt werden. Dieses Verhalten dürfte nach unserer Ansicht, ähnlich wie der fallweise Verzehr von Hundekot der Stabilisierung des Darmmilieus dienen. Von freilebenden Sporen ist ja bekannt, das Elefanten- und Hyänenkot aufgenommen wird, letzterer vermutlich auch wegen des Kalkgehaltes. Der Kalkversorgung von in Gefangenschaft gehaltenen Schildis sind auch schon ganze Bücher gewidmet worden, oft zu einem Problem hochstilisiert. Das Kalziumproblem stellt sich unseren Schildkröten jedoch gar nicht, da ständig Sepiaschalen und feiner Muschelsand für sie frei verfügbar sind. Wobei dieses Angebot oft tagelang unbeachtet bleibt, dann aber wieder recht erhebliche Mengen davon auf einmal gefressen werden. Besonders wenn die Sepia aus der Hand angeboten wird, knuspern die Sporen diese mit sichtlichem Genuss, die Tiere drängen sich geradezu um dieses Futter – aber nie zwingen wir unseren Schildis „gesundes“ Futter auf, wir versuchen einfach „ungesundes“ zu vermeiden. Wir verlassen uns da einfach auf den gesunden Instinkt unserer Tiere und verzichten darauf, Zusatzstoffe im Futter zu „verstecken“. Ganz genau so halten wir es auch mit dem Trinkwasser, auch das ist immer verfügbar. Große Sporen saufen tatsächlich oft tagelang nichts, vor allem dann, wenn die Wiese schön saftig ist. Fallweise werden aber oft große Wassermengen konsumiert, gebadet und auch geschwommen. Im Gegensatz zu der oft kolportierten Meinung, Sporen dürfen mit Wasser ja nicht in Berührung kommen, sind unsere immer wieder beim Saufen aus dem Teich zu sehen, zumindest manchmal ganz im Teich und sie können auch ganz gut schwimmen. Nicht so elegant wie die Köhler und nicht so ausdauernd wie die manourias, aber immerhin. Und regelmäßig sind sie unter dem Rasensprenger zu finden. Das ist in so ferne beachtenswert, da dieses Wasser wirklich kalt ist und sich die Tiere davon in keiner Weise abschrecken lassen. Vielmehr lassen sie sich ausgiebig beregnen und nutzen diese Gelegenheit, den feuchten Boden mit den Vorderbeinen aufzukratzen und sich den dadurch gewonnenen Schlamm schwungvoll auf den Rückenpanzer zu schaufeln. Wozu dieses Verhalten gut sein soll ist uns bislang nicht klar, vielleicht machen die das auch bloß, damit wir dann ein wenig Arbeit mit saubermachen haben …… Zurück zum Futter, das ist bei unseren Sporen während des Sommers kein Thema, ihnen stehen cirka 500 Quadratmeter Wiese zur Verfügung, wobei ich absichtlich Wiese und nicht Rasen sage. Was da wächst ist nur zum geringsten Teil Gras, denn Löwenzahn und Wegerich, Quecken und Girsch und alles mögliche andere gedeiht da. Zu mindestens so lange bis es gefressen wird. Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, wann immer wir etwas nachsähen nehmen wir ------ Vogelfutter. Da wächst dann auch Kürbis und Kukuruz, Hanf und Lein. Unseren Vögel geht das ja nicht ab und den Schildkröten schmeckt es. Im Winter sieht es da schon anders aus. Da helfen wir uns mit einem Trick. Wir betrügen unsere Schildkröten mit den Jahreszeiten, spielen ihnen im Winter eine Trockenphase vor und entsprechend sieht auch das Futter aus. Die Basis ist Heu, im wahrsten Sinn des Wortes, denn in die Futterraufe kommt zuerst eine ordentliche Portion Heu. Feinste Qualität vom Biobauern, wir holen uns das selber direkt vom Produzenten aus den Bergen des Wechselgebietes. Und auf diese Unterlage wird frisches Obst und Gemüse verteilt. Ich fahre einmal in der Woche auf den Großgrünmarkt und kaufe dort was mir passend erscheint und auch vom Preis tragbar ist. Gurken, diverse Salatarten, Petersilie und auch Äpfel. Das ist vielleicht nicht so ganz das ideale Futter, aber in Verbindung mit dem Heu haben wir noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Dieser etwas faden Winterdiät steht das Futter der Übergangszeit entgegen. Denn ist es für die Schildis zu kalt um nach draußen zu gehen, kommt die Wiese zu ihnen, ich mähe mit der Sense eine ordentlich Fuhre Brenn-Nessel oder Brombeerstauden ab, das kommt bei allen, nicht nur den Sporen immer gut an. Um gleich den Fragen zuvor zu kommen, unsere Schildkröten fressen im Laufe einer Woche zwischen 40 und 80 Kilogramm, je nach dem Trockengrad des Futters. Da ist es einfach unmöglich, mit Blättchen aus dem Blumentöpfchen die Diät aufzubessern. Natürlich gibt es immer wieder Leckerbissen, auf die Gefahr hin von Marion Minch – die ich wirklich sehr hoch schätze, liebe Grüße an sie - gesteinigt zu werden. Die Köhler kriegen fallweise Champions und tote Mäuse oder Sardellen, ebenso die Gelbköpfe. Die Manourias wollen die Mäuse und die Fische gar nicht, die Champions umso lieber und ich habe die großen Manouriaweibchen schon dabei ertappt, wie sie sich an den Zwergwachteln vergreifen. Und die Sporen lieben ihre gelegentliche Banane, fressen diese aus der Hand. Und es macht uns einfach Spaß, die großen Schildkröten zu füttern, welche sich regelrecht anstellen um abbeißen zu dürfen. Und so zahme, zutrauliche Schildkröten haben noch eine besondere Funktion bei uns. Wir versuchen ständig das Verständnis für diese Tiere zu fördern, den Zugang zu dieser Tierart zu erleichtern. Und besonders Kinder finden es wunderbar, eine echte, riesige Schildkröte angreifen und füttern zu dürfen, ein idealer Einstieg um Schwellenängsten zu überwinden. Und bei diesen Kontakten ist es uns sehr wichtig, keine Krankheiten zu verschleppen. Die Gefahr einer Zoonose besteht leider immer, aber auch umgekehrt kann einiges passieren, und schon sind wir bei dem nächsten und wirklich leidigen Thema:
Die Krankheiten
welche Schildkröten haben können, sind nahezu ungezählt. Glücklicherweise sind ordentlich gehaltene Sporen nicht besonders anfällig, aber das Leben einer Schildkröte in menschlicher Obhut besteht aus einer ständigen Abfolge von Risiken. Von den Problemen während der Brut möchte ich erst im Kapitel Nachzucht plaudern – aber bereits mit dem Schlupf beginnt es riskant zu werden. Die erste Hürde ist im Aufbrechen der Eierschale zu sehen, von 100 unserer Schlüpflinge verletzt sich, beziehungsweise den meist doch recht großen Dottersack eines so sehr an den harten und scharfen Rändern der zerbrochenen Schale, dass es einfach verblutet. Da hilft nur, das bebrütete Gelege regelmäßig - wir machen das meist zweimal am Tag – zu kontrollieren, um bei den ersten Anzeichen solcher Probleme helfend einzugreifen. Die folgenden Tage sind von zwei Risiken geprägt. Erstens ist eine Infektion im Bereich des noch nicht abgeheilten Nabels möglich und zweitens müssen die Minisporen anfangen zu fressen. Infektionen hatten wir noch nie, wird das Babygehege auch nur halbwegs sauber gehalten, werden nicht Jungtiere unterschiedlicher Herkunft vergesellschaftet, scheint mir dieses Risiko also eher gering zu sein. Das mit dem Fressen sieht da schon etwas anders aus, jedes Jahr beginnen ein oder zwei Jungtiere nicht damit, egal welche Leckerbissen wir ihnen vorsetzen, die beißen einfach nicht davon ab. Wir versuchen es dann mit warmen Bädern, damit sie wenigstens Saufen können, aber in der Regel ist es uns nicht gelungen, diesen Tieren zu helfen. In einem Zeitraum von zwei bis drei Tagen sind die Reserven des Dottersackes dann endgültig verbraucht, die Tierchen werden immer müder und schlafen dann endgültig ein. Jetzt bitte ich aber nicht zu erschrecken, einerseits sprechen wir da von einem Anteil um die drei Prozent aller Jungtiere und andererseits scheint die Natur die dummen und ungeschickten Tiere da schon während der ersten Lebensstunden auszumerzen – im Sinne einer lebensfähigen Population glaube ich, dass wir ganz sicher immer noch mehr Tiere aufziehen, als nach den strengen Maßstäben der freien Wildbahn lebenstauglich sind. Wenn die Tiere die ersten zwei Lebensmonate überstanden haben, sind wahrscheinlich die schlimmsten Zeiten überstanden, mit zunehmendem Gewicht steigt auch die Widerstandskraft. Leider sind auch bei großen Tieren Infektionen manchmal einfach nicht zu vermeiden. Da möchte ich zwei Arten unterscheiden, auf der einen Seite den Befall mit Parasiten, der bei Tieren welche sich im Freien aufhalten nicht zu vermeiden ist und die Infektion mit Bakterien und Viren. Parasitenbefall ist in unserem Bestand kein Problem, finden wir Zecken auf der Haut oder Würmer im Kot, behandeln wir das oder lassen es behandeln. Das ist eine ganz einfache Sache und sollte niemals zu einem Problem werden, bei ein wenig Sorgfalt kann ich mir nicht vorstellen, dass man das nicht in den Griff bekommt. Die bakteriellen und viralen Infektionen machen mir da schon einen viel unangenehmeren Eindruck. Was eine Herpesinfektion in einem Schildkrötenbestand anrichten kann, brauche ich in diesem Auditorium wohl nicht zu erwähnen. Aber dank strikter Quarantäne sind wir bislang davon verschont geblieben, aber ein anderes Krankheitsbild macht uns besonderes Kopfzerbrechen. In dieser Form tritt das nur bei den Sporen auf, bei den anderen von uns gehaltenen Arten kennen wir dieses Problem nicht. Wir nennen diese Erkrankung den Übergangsschnupfen. Zwei von uns zugekaufte, erwachsene Weibchen zeigten im Herbst, wenn in das Winterquartier übersiedelt wurde stärker und auch im Frühjahr wenn es das erste Mal ins Freie ging einen teilweise doch erheblichen Schleimfluß der oberen Atemwege. Das machte uns allen, Tierärztin inbegriffen doch ziemliche Sorgen, und wir haben das mit mehrmaliger, ordentlicher Antibiotikagabe sofort abgestellt. Mit dem ernüchternden Ergebnis – richtig – zum nächsten Saisonstart der gleiche Schmarren, Rotzen und Röcheln. Wir haben das einige Male gespielt, sind immer ganz vorsichtig gewesen – kein Zug, kein Temperatursturz - aber alle Jahre wieder. Wir haben dann eine ausführliche Diskussion mit unserer Tierärztin geführt, das notwendige Antibiotikum für den Fall der Fälle hergerichtet, aber nicht verabreicht. Wäre dieser Schnupfen bedrohlich geworden, hätten wir den Tieren das Mittel sofort eingeben können, aber das war nicht notwendig, nach ein paar Tagen klangen die Symptome merklich ab, nach rund zwei Wochen war alles in Ordnung. Diese beiden Tiere haben aus eigener Kraft diese Infektion überwunden, Dabei haben wir die Tiere natürlich sorgfältig beobachtet, aber im Lauf der folgenden Jahre sind diese Symptome von mal zu mal weniger stark aufgetreten, und jetzt, nach sechs Jahren ist das eine der beiden Weibchen völlig symptomfrei, das andere zeigt im Herbst immer noch eine etwas feuchte Nase, aber völlig ohne Beschwerden. Die natürlichen Widerstandskräfte der Tiere reichen in diesem Fall offenkundig aus, eine Immunisierung zu erreichen, was wir durch die Antibiotika zuerst eigentlich verhindert hatten, weil wir dem Körper gar keine ausreichende Gelegenheit gegeben haben, Abwehrkräfte aufzubauen. Das soll jetzt aber auf keinen Fall bedeuten, dass es nicht notwendig wäre die Tiere einer ständigen ärztlichen Kontrolle zu unterziehen, nur auf die Widerstandskraft der Tiere zu vertrauen erscheint mir schlichtweg leichtsinnig. Da unsere Tiere aber bestens wachsen und gedeihen, brav fressen und nicht krank sind, wachsen sie auch ordentlich, was uns direkt zum nächsten Kapitel führt,
Die Unterbringung
So großer Tiere stellt natürlich besondere Anforderungen sowohl an die Räumlichkeiten wie auch die Geduld und Leistungsfähigkeit des Halters. Machen wir nur einmal die bekannte Faustregelberechnung für die Größe einer ordentlichen Unterbringung, wird klar warum. Nehmen wir als Grundlage eine Fläche von acht Panzern lang und vier Panzer breit erhalten wir bei einer Panzerlänge von einem Meter ( was ja, wie wir wissen, gut möglich ist ) schon eine Grundfläche von 32 Quadratmetern. Halten wir zu unserem großen Bock noch zwei ( wenigstens die sind etwas kleiner ) Weibchen dazu, liegen wir bei fünfzig oder sechzig Quadratmetern für eine dauerhafte Unterbringung. Und unsere Schildis müssen wegen des für die Schildkrötenhaltung völlig unnötigen Winters rund ein halbes Jahr im Winterquartier verbringen, da kann man wohl von dauerhaft sprechen.
Betrachtet man diese Zahlen und vergleicht das mit den Quadratmetern welche man sich selber gönnt wird sofort klar, Sporen haben in einer Wohnung nichts verloren. Und neben den gewaltigen Abmessungen für die Unterbringung ist deren Beleuchtung der nächste Knackpunkt. Noch gibt es kein Leuchtmittel, welches so gut wie der Sonnenschein ist. Wir haben zuerst lange nachgedacht, herumgerechnet und dann ein wenig experimentiert und jetzt sieht das so aus. Auf cirka 50 Quadratmeter Grundfläche kommen 25 Leuchtstoffbalken a 1,5 Meter mit je 56 Watt Nennleistung. Die sind an zwei Phasen geschaltet, einerseits damit eine höhere Ausfallsicherheit besteht und andererseits damit das ekelige 50 Hertz-flimmern nicht auftritt. Dazu kommen noch Quecksilberdampfstrahler in Pendelleuchten, noch einmal 700 Watt. Insgesamt ergibt das eine Leistung von etwas mehr als zweieinhalb Kilowatt. Das alles betreiben wir über Zeitschaltuhren, die ersten Leuchten starten um 6:00 und um 21:00 geht das letzte Lichtlein wieder aus, in diesen rund 15 Stunden verbrauchen wir jeden Tag 30 Kilowattstunden, dafür brauchen wir das Schildihaus aber nicht zu heizen. Die Abwärme in Verbindung mit einer ordentlichen Wärmeisolation genügt völlig, um selbst an den kältesten Wintertagen die Raumtemperatur auf gut 30 Grad Celsius zu treiben. Deshalb müssen wir in der Übergangszeit ganz vorsichtig lüften, damit es den Schildis nicht zu warm wird. Ein weiteres Problem der Heizung/Beleuchtung hat sich auf natürlichem Weg geregelt. Da die Wärmequellen alle eher oben montiert sind, die Schildis aber eher unten zu finden sind, ist das Temperaturgefälle, immerhin rund 5 Grad, ein echtes Ärgernis. Zwar haben wir das Haus so niedrig wie möglich gebaut, ich kann gerade noch darin gehen ohne mir den Kopf zu stoßen, aber eine Luftumwälzung ist unbedingt notwendig. Jetzt haben wir unsere Vogerln im Schildihaus zur Überwinterung untergebracht, und die machen so viel Wind, dass das Temperaturgefälle meist unterhalb der Messgenauigkeit unserer Thermometer liegt. Ein weiterer Faktor um das Raumklima zu stabilisieren ist der Bodengrund. Wir haben feinen, gewaschenen Sand als Substrat gewählt, der staubt nicht, speichert Feuchtigkeit und Wärme und ist auch billig zu haben. Immerhin sprechen wir von rund 3000 Kilogramm, die wir jedes Jahr aus Gründen der Hygiene tauschen, da ist der Preis schon ein Kriterium. Mit diesem Schildihaus sind die Sporen eigentlich recht zufrieden, wirklich glücklich sind sie aber, wenn es auf die Wiese geht. Da die so schlau sind, selber den Weg auf die Wiese und wieder zurück in das Quartier zu finden, ist das für uns natürlich das Bequemste. In der Früh wird die Türe aufgemacht, die Schildis marschieren gemächlich zum ersten Sonnenbad und treiben sich den ganzen Tag auf der Wiese herum. Mit Einbruch der Dämmerung brauchen wir dann nur zu kontrollieren ob alle brav schlafen gegangen sind - und wenn ja, die Türe wieder zuzumachen – fertig. Das Fressen liefert die Wiese, saufen und baden können sie in dem Teich und es bleibt an Betreuung nur mehr, den Sporenmist von der Wiese einzusammeln. Zwar haben die rund 500 Quadratmeter zur Verfügung, aber, diese Menge Kot kann ein so beschränkter Raum einfach nicht abbauen, fressen sie neben dem Gras doch auch noch diverse Leckerlis wie Brennnessel und Gurken – dieser Kreislauf ist einfach nicht geschlossen. Und wenn sie nicht sonnenbaden oder fressen oder nichts tun, dann sorgen sie dafür, dass wir im kommenden Winter kleine Sporenbabys ausbrüten können. Sie widmen sich dem Thema
Die Zucht
Da kann man auch die tollsten Dinge in der Literatur finden. Tatsächlich fand ich in einem Buch den ernst gemeinten Rat, die Tiere auf einem Spaltenboden zu halten, damit die Eier nicht zertrampelt werden. Nach meiner Erfahrung können auf diesem Boden ganz sicher keine Eier zertrampelt werden, weil auf solchem Untergrund die Tiere eher an Legenot versterben als ein Gelege „durch den Rost fallen zu lassen“! Zurück zur Realität, die Paarung erfolgt bei gesunden Tieren welche sich wohl fühlen natürlich ganz von selber. Und oft und lang anhaltend und lautstark, Einige unserer Nachbarn glauben immer noch, die Ochsenfrösche im Teich würden so laut quaken – und wir belassen sie in Ihrem Irrtum. Nur ist es tatsächlich unmöglich, neben einem sich paarenden Sporenbock ein vernünftiges Buch zu lesen, das ständige Gequake kann einen zur Verzweiflung treiben – aber ich muss ja nicht im Garten lesen. Die Weibchen lassen diese Aufmerksamkeit meist recht unbeeindruckt über sich ergehen, aber das Ergebnis dieser Aktivitäten besteht in drei, manchmal vier Gelegen, welche meist im Winterquartier, gewissenhaft vergraben werden. Dabei lassen sie sich auch nicht durch mich stören, denn obwohl die Eier im Vergleich zur Größe der Muttertiere eher klein sind, scheint es für die Weibchen sehr anstrengend zu sein, die Eier auszutreiben. Die Eier werden von uns in einem umgebauten 250 Liter Aquarium bebrütet. In der halben Höhe ist ein Gitterrost, darunter knapp 100 Liter Wasser auf 28 Grad geheizt und darauf ein Keramikheizkörper mit Thermostat, welcher auf knapp 30 Grad eingestellt ist. Als Substrat haben wir schon die verschiedensten Materialien erprobt, derzeit brüten wir in Kunststofftassen mit Seramis. Mit den ersten, gekauften Brütern hatten wir, abgesehen davon, dass die Dinger für 60 oder 70 Eier einfach zu klein waren, Probleme mit der zu geringen Luftfeuchtigkeit, die Eihülle verklebte mit dem Rückenpanzer und das führte zu hässlichen Deformationen. Der Rückenpanzer wies unmittelbar nach dem Schlüpfen Dellen auf, ähnlich einem eingedrückten Tischtennisball. Um das zu vermeiden mussten wir sofort nach dem Aufbrechen der Schale das zähe, schleimig wirkende restliche Eiweiß mühselig abwaschen. Zwar bildete sich im Laufe einiger Tagen diese Eindellung immer tadellos zurück, aber die Tiere schienen auch ein bis zwei Tage zu früh ihre Eihülle aufzubrechen und der Dottersack war unverhältnismäßig groß. Jetzt haben wir im Brüter rund 80 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit und keine Probleme mit dem Schlupf. In Summe fallen bei uns etwa 3 Prozent der Sporen-Eier aus, meistens finden wir beim Öffnen des verdorbenen Eies heraus, dass gar kein Keim angelegt ist, es lässt sich keinerlei Entwicklung feststellen. Zusammen mit den Ausfällen während der ersten paar Wochen liegt unsere Verlustrate bei etwa sechs Prozent. Jeder einzelne Verlust ist natürlich traurig, aber ich bin überzeugt, dass wir bedingt durch diese Ausfällen letztendlich jene Tiere aufziehen, welche tatsächlich lebensfähig sind. Als Besitzer und Züchter hat man ja doch eine nicht unerhebliche Verantwortung, welche ich gleich im nächsten Punkt behandeln möchte.
Die Verantwortung des Züchters
Denn wenn man diese Tierchen einmal erbrütet und ein wenig großgezogen hat, stellt sich unweigerlich die Frage, wohin mit dem ganzen Segen. Denn behalten kann man die ja auf keinen Fall, sechzig oder siebzig Babyschildkröten pro Jahr lassen den Tierbestand exponentiell anwachsen, um nicht zu sagen explodieren. So überlegten wir zu Anfangs, die Eier überhaupt nicht zu bebrüten, gar keine Schildibabys aufzuziehen. Da hat uns aber mein langjähriger Freund Gerhard geraten, es einfach einmal darauf ankommen zu lassen. Und gleich im ersten Jahr haben wir rund dreißig Babys erbrütet, und es waren zu wenige. Zwar sprachen viele Leute vor um „eine wirklich große Schildkröte“ zu kaufen die dann aber erschraken wie ungeheurlich riesig die sind – als sie unseren Köhlerbock sahen. Natürlich haben die keine Sporen bekommen, genau so wenig wie die Kleinwohnungsbesitzer und auch die Freaks gingen unbekrötet von dannen. Aber immer wieder sprachen Leute mit Garten und Ambition vor, welche sich weder von den Dimensionen unserer Böcke erschreckten, noch die Meldepflicht scheuten und auch nicht über die Stromrechnung zu jammern versprachen. Und so ist es bis heute geblieben, jedes Jahr könnten wir mehr kleine Schildkröten verkaufen als wir erzüchten. Und wir haben es uns zur Pflicht gemacht, nicht nur die Tiere zu verkaufen sondern mit der Abgabebetätigung gleich ein Meldeformular mit auszudrucken. Und die Tiere bekommen neben ein wenig Starthilfe ( ein Säckchen Muschelsand, ein wenig Heu – was auch immer benötigt wird ) auch eine Kurzgebrauchsanleitung mit auf den Weg, ein paar Seiten mit unserer Meinung nach tauglicher und nützlicher Info über unsere geliebten Sporen. Und manchmal meldet sich jemand bei uns – er habe vor Zeiten Schildis von uns gekauft, er will für Freunde noch ein paar Babys, seinen Sporen geht es gut und er hat einfach Freude an seinen Tieren. Daran haben wieder wir unsere Freude. Aber wie schafft man es, die richtigen Sporen zu finden und letztendlich zu bekommen? Wollen wir ein wenig über das nachdenken, was als Kapitel folgendermaßen heißt:
Der Aufbau einer Gruppe
Um an seinen Sporen Freude haben zu können, bedarf es einer ausgewogenen Gruppe. Zum Zweck der Zucht sollte etwa ein Verhältnis 1,3 oder 1,4 angestrebt werden, will man aber nicht züchten sind zwei Weibchen absolut problemlos zu halten und zwei Böcke meist auch, besonders wenn die miteinander aufgewachsen sind. Und wie komme ich an diese Tiere? Da scheiden sich die Geister, die einen schwören darauf, nur Babys zu kaufen, die dann nach bestem Wissen und Gewissen zu prächtigen Tieren aufgezogen werden. Andere kaufen lieber adulte Tiere, weil da ein nur geringes Risiko besteht, man sieht einfach sofort was man sich einkauft. Ich denke, beide Argumente haben etwas für sich. Ich selber ziehe mir prinzipiell lieber Jungtiere heran, gerade Arten welche in der Jugend leicht Schaden nehmen können - wie etwa Panther – danken es einem ganz sicher. Andererseits weiß aber wirklich niemand, welches Geschlecht so ein Baby einmal haben wird, und eine Gruppe mit zu vielen Männchen ist schlichtweg eine Belastung. Erstens für die Weibchen, welche ständig im wahrsten Sinn des Wortes geschunden werden, zweitens für den Besitzer, denn die ständigen, oft wilden Auseinandersetzungen sind ja auch nicht erstrebenswert und letztendlich auch für die Männchen, welche nicht unerheblichen Stress haben und sich im ärgsten Fall auch verletzen können. Wenn man also Jungtiere kauft, muss man sich darauf gefasst machen, die überzähligen Männchen bei Eintritt der Geschlechtsreife abzugeben. Und das ist gar nicht so leicht, man hat die Tiere ja einige Jahre mit Liebe aufgezogen und jetzt soll man die zu einem Diskontpreis „verschleudern“??? Ja - man soll. Glücklicherweise finden sich immer wieder Familien, welche einfach ein oder zwei wirklich große Schildkröten suchen und kein Interesse an einer Zucht haben. Die sind für zwei junge Sporenböcke dankbar, denn ohne Weibchen vertragen sich gemeinsam aufgewachsene Sporen – wie schon eingangs erwähnt - meist sehr gut. Und es dauert leider sehr lange, bis das Geschlecht durch den Augenschein zu bestimmen ist. Denn Weibchen und Jungtiere zeigen dasselbe Erscheinungsbild, erst mit der geschlechtlichen Reife bilden sich die typischen Merkmale der Böcke aus. Hier ganz gut zu erkennen, oben ein Jungtier, dann ein adultes Weibchen und darunter ein Bock. Und das kann unter Umständen erst bei einer Körperlänge von 40 Zentimeter oder mehr geschehen. Deutlich kann man erkennen, das die Randschilder der Böcke stark aufgebogen sind und der Bauchpanzer neben der für eigentlich alle Schildkrötenböcke typischen Einwölbung sich auch im Bereich der Kehl- und Analschilder deutlich von dem der Weibchen unterscheidet, aber eben erst ab einer nicht unerheblichen Größe. Das bedeutet letztendlich, dass es bei Jungtieren fünf bis zehn Jahre Geduld braucht um etwas Passendes zusammenzustellen. Kaufe ich im Gegensatz dazu ausgewachsene, geschlechtsreife Tiere kann ich in ein paar Wochen eine Gruppe aufgebaut haben. Bleibt noch die Frage des Anschaffungspreises zu klären. Schöne und gesunde Sporenbabys im Alter von etwa zwei Monaten bekommt man in der Regel um rund € 100,- hingegen muss man für ein halbwegs ausgewachsenes und schönes Weibchen schon mit € 1 500,- rechnen. Männchen hingegen sind oftmals aus einem Überbestand heraus deutlich billiger zu bekommen, um rund € 500,- bekommt man schon einen ordentlichen Rasenschmuck. Und schon haben wir irgendwie das leidige Thema der Kosten berührt.
Resümee
Womit wollen wir anfangen? Am bestem mit der Frage des Geldes, was kosten Sporen, was kann man damit verdienen. Also Geld verschlingen die schon ordentlich viel, allein die Kosten für den Hochbau belaufen sich auf, egal, wir haben es schon bezahlt. Die Kosten für den Strom kann man sich leicht ausrechnen, ich habe es bislang vermieden, bekomme von unserem Energieversorger aber einen Gewerbetarif berechnet. Die Futterkosten sind im Sommer praktisch null, im Winter schnattern unsere Schildis dafür wöchentlich Grünzeug um rund € 100,- fein säuberlich weg - egal esse ich eben etwas weniger. Und die Tierärztin will auch manchmal bezahlt werden, sie rundet zwar immer heftig ab, ein Freundschaftspreis ist es immer, aber schenken kann sie uns die Medikamente leider auch nicht. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einmal allen Ernstes darauf hinweisen, wie wichtig es mir erscheint, einen wirklich vertrauenswürdigen und kompetenten Tierarzt zu kennen, welcher einem im Ernstfall auch helfen kann. In diesem Zusammenhang möchte ich der Magistra Neuhauser meinen Dank für die jetzt schon langjährige Unterstützung aussprechen. Und was verdienen wir an den Sporenschildkröten? Eine einfache Rechnung, siebzig Babys a € 100,- macht stolze € 7 000,-. Zumindest theoretisch, denn hat ein Kind nur € 50,-. Taschengeld gespart und will seine Schildkröte selber zahlen, sinkt der Verkaufspreis rapid. Oder einem langjährigen Freund ist eine Schildkröte weggestorben und er bekommt zwei Babys als Trostpflaster. Oder – egal, die Rechnung geht so wie so nicht auf, den möglichen Einkünften stehen Ausgaben in mindestens der doppelten Höhe gegenüber.
Am Geld liegt es also nicht.
Aber wer kann den Wert eines Augenblickes berechnen, wenn aus der gebrochenen Eierschale eine kleine Schildkrötennase auftaucht.
Was ist es wert, seinen Schildkröten auf der Wiese zuzusehen, lesen kann man ja nicht wegen des Gequakes.
Wie soll ich es verbuchen, wenn die Tiere sich um einen drängen um von einem besonderen m Leckerbissen abbeißen zu dürfen, einen dabei an der Hose zupfen und die Socken ruinieren.
Die Freude die wir von unseren Tieren geschenkt bekommen ist einfach die ganze Arbeit, den oft wilden Garten und die fallweisen Sorgen und alle Ausgaben wert. Und so ist der provokante Titel vielleicht gar nicht so überzogen. Wenn man sich ein wenig darauf einrichtet, seine Prioritäten entsprechend anlegt, bereit ist seinen Tieren die notwendige Zuwendung zu bieten, dann sind Sporen wirklich ganz leicht zu halten.
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