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Da in diesem Fall das Thema so unglaublich weit gesteckt war, geriet das Volumen für einen ungeteilten Vortrag wieder einmal viel zu umfangreich. Alleine schon um zu beweisen, dass ich lernfähig bin, habe ich beschlossen, den Vortrag in geteilter Form zu präsentieren - wie ich es von Anfang an hätte machen sollen! Mein Dank gilt dem geduldigen Forum, welches mir die rund zwei Stunden ohne zu Murren ihre Aufmerksamkeit schenkte :
Haltung und Nachzucht von tropischen Landschildkröten
1 Teil Tropische Landschildkröten der Welt - Bestand und Vorkommen
Vorstellung
Thema
Geschichte und Bestand
Die Verantwortung des Halters und Züchters
Überblick der Arten
Aberglauben und Ansprüche
Vorstellung – wer wir sind
Zu erst einmal, für alle welche mich nicht kennen, möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Harald Sommerer, ich beschäftige mich jetzt seit rund 40 Jahren mit Schildkröten. Begonnen hat das ganz harmlos mit einer gefundenen Vierzehenschildi, danach kam eine Köhler ins Haus und seither hat der Bestand stetig zugenommen. Derzeit wohnen bei uns 5 Sporen, 4 MEP, 7 Köhler, 6 elongata, 9 Panther- 5 MEE, 2Prachterdis, 6 forsteni und ein Cuorabock. Dazu brauchen wir natürlich Platz, der ist immer zuwenig.
Wobei ich gleich festhalten muss, dass es mir nur gemeinsam und mit der Unterstützung meiner Frau möglich ist, diesen Tierbestand ordentlich zu halten und zu pflegen. Da wir neben den Schildis auch noch 4 Hunde und rund 40 Papageien halten, ist der Aufwand für die Tiere doch recht erheblich. Da geht es gar nicht so um die finanziellen Mittel, welche es braucht, sondern ganz einfach um die Zeit, die Einteilung des eigenen Tagesablaufes. Und nur gemeinsam schaffen wir es, einen für uns passende Art und Qualität der Haltung zu verwirklichen. Denn wir halten unsere Tiere um daran Freude zu haben und an kümmerlichen oder gar kranken Tieren kann ich nichts Erfreuliches finden
Thema : tropische Schildkröten
Zählt man alle Unterarten mit kann man davon ausgehen, dass es über 500 verschiedene Schildkröten gibt. Und mit Ausnahme der Polargebiete besiedeln diese alle Kontinente. Sie kommen in den verschiedensten Landstrichen vor, in tropischen Wäldern und Sümpfen, in Wüsten und Halbwüsten, Seen, Tümpeln, Flüssen, in Brackwassergebieten und in Meeren, in gemäßigten, tropischen und subtropischen Klimazonen. Tatsächlich stoßen einige Schildkröten bis fast an den Polarkreis vor, begünstigt durch den warmen Golfstrom erreichen Lederschildkröten - die absolut größte rezente Schildkrötenart – auf ihren Jagdzügen die Färöerinseln!! Und da möchte, ja muss ich das Thema einschränken, ich werde heute Abend eigentlich ausschließlich von tropischen Landschildkröten sprechen. Und selbst bei dieser Einschränkung bleibt der Themenkreis schier unüberschaubar. Wollen wir die Tropen ein wenig willkürlich auf das Gebiet 30° nördlich und südlich des Äquators beschränken. Dann umfasst das den größten Teil Südamerikas, praktisch ganz Afrika mit der arabischen Halbinsel, den indischen Subkontinent und Südchina sowie Ozeanien und große Teile von Australien. Somit bleiben uns für heute Abend immer noch rund einhundert Landschildkrötenarten als Gesprächsstoff. Aber fangen wir am Anfang an
Geschichte und Bestand - das Verhältnis zum Menschen
Seit mehr als 100 Millionen Jahren sind Schildkröten in ihrer Form weitgehend unverändert, bereits im Tertiär sind die heute vorkommenden Schildkröten schon zu erkennen. Im Gegensatz zu vielen anderen Reptilien erwecken Schildkröten bei den Menschen eher Interesse und Zuneigung als Vorsicht oder gar Abscheu. Und genau das wird diesen Tieren zum Verhängnis. Die christliche Seefahrt benutzte die Riesenschildkröten der Inseln des Indischen Ozean und des südlichen Pazifik als lebenden Proviant, die Menagerien der europäischen Herrscherhäuser sind seit Jahrhunderten im Besitz von Schautieren. Der Tiergarten Schönbrunn zeigt seit 1816 mediterrane Schildkröten und seit 1835 Galapagosschildkröten. Seither ist dieser Trend, Schildkröten als Haustier zu halten ungebrochen, in der 2. Hälfte des 20 Jahrhunderts erlebte er einen Höhepunkt, es wurden Schildkröten in jeder Tierhandlung feilgeboten, kaum Nachzuchten, meist Wildfänge aus der ganzen Welt. Teils bereits zum Zeitpunkt des Importes schon krank und unterkühlt wurde diese Tiere oft unsachgemäß gehalten und falsch ernährt und konnten nur mit einer geringen Lebenserwartung aufwarten. Schildkröten leiden und sterben lautlos. Und die meisten dieser Tiere taten genau dieses schon im ersten Jahr ihrer Gefangenschaft, und das zu Tausenden. Und diese passiven, stumpfsinnig wirkenden Tiere sind auch die Ursache für das völlig falsche Bild, welches sich die Allgemeinheit von Schildkröten gemacht hat. Eine Schildkröte mit verschwollenen Augen und schwachen Beinchen ist nicht krank, sie ist wahrscheinlich schon tot, bewegt sich aber noch ein paar Monate lang. Ich sage, eine Schildkröte muss sich kräftig bewegen, Anteil an der Umgebung nehmen und gierig fressen, mit den anderen Tieren interagieren, dann ist sie gesund! Zurück zu der Bedrohungssituation, denn gleichzeitig mit dieser unkontrollierten Entnahme aus der Natur, setzte eine noch nie dagewesene Zerstörung der ursprünglichen Habitate ein. Die Schlägerung tropischer Edelhölzer, die extensive Ausweitung der Landwirtschaft sowie der damit verbundenen Bau von dazu passender Infrastruktur wie etwa von Kraftwerken und Straßen verschlechtert die Lebenssituation dieser Tiere noch zusätzlich. Und im Südostasiatischen Raum, welcher ursprünglich vielen Arten ein Lebensraum war, werden Schildkröten nicht nur zu Nahrungszwecken der Natur entnommen, sondern dienen der traditionellen Medizin als Rohstoff für alles und jedes. Und viele dieser Arten sind – wie bei vielen anderen Tieren leider auch schon – in der freien Wildbahn weitgehend oder sogar gänzlich verschwunden.
Die Verantwortung des Halters und Züchters
Um die vernichtenden Auswirkungen dieses Raubbaus zu unterbinden bleibt nicht mehr viel Zeit. Nur wenn es gelingt, die Umweltzerstörung zu stoppen, vielleicht sogar rückgängig zu machen werden alle diese Tiere in ihrer Heimat überleben können. Dazu bedarf es aber weitreichender sozialer und ökonomischer Änderungen, welche einfach unsere Fähigkeiten bei weitem übersteigen. Aber wir, die bewussten und sachkundigen Tierhalter können etwas anderes zum Artenschutz beitragen. Erstens können wir auf den bedenklichen Ankauf von Wildfängen verzichten, besteht weniger oder gar keine Nachfrage wird der Markt zusammenbrechen. Hingegen können wir den letzten wenigen Exemplaren einer bedrohten Gattung eine sichere Heimstatt bieten und durch gezielte Nachzuchten die Entnahme aus der Natur ersetzen. Ich bin mir völlig bewusst, welche Problematik, welchen Widerspruch in sich diese beiden Aussagen bergen. Einerseits ist es sicher abträglich Wildfänge zu erstehen, andererseits müssen aber Exemplare aus der Natur entnommen werden um den Bestand wenigstens mittelfristig zu retten. Damit gleiten wir aber in einen ethnischen und moralischen Themenkreis ab, den ich selber nicht wage auszuführen oder gar zu bewerten. Letztendlich ist der Artenschutz neben der Freude an der Tierhaltung doch ein ehrenwerter Ansporn. Wollen wir diese Tiere artgerecht halten, müssen wir über ihre Ansprüche möglichst genau Bescheid wissen um ihre Heimat so gut wie möglich nachbilden zu können. Und jetzt wird auch deutlich, wieso es nicht geht, alle tropischen Schildis über ein Leisten zu scheren. Die Ansprüche sind so unterschiedlich wie die Herkunftsregion.
Überblick über die bedeutendsten Arten nach deren Verbreitungsgebiet
Pazifische Inseln, Ecuador, Galapagos
Beginnen wir einfach mit den bekanntesten Schildkröten, denen der Galapagosinseln. Das ist so ganz praktisch, denn wir rollen so unserer Weltkarte von links nach rechts ab. Bis in historische Zeit gab es auf jeder Insel dieser Gruppe eine eigene Unterart, 14 an der Zahl. Wieso eine 15. Unterart beschrieben wurde wissen die Götter – egal, sie ist ausgestorben. In der Zwischenzeit gibt es nur mehr 11 Arten, eine davon ist nur mehr in einem einzigen Exemplar vertreten, die anderen letztendlich auch in einer – meiner Meinung nach - kaum lebensfähigen Populationstärke vorhanden, die Artenreinheit oft fraglich. Diese Tiere sind für uns praktisch unerreichbar, staatlich Stellen bemühen sich um deren Fortbestand, wollen wir ihnen allen Erfolg wünschen.
Nordamerika, USA & Mexiko Dort beginnt es für uns Terrarianer interessant zu werden. In Nordamerika gibt es eine große Landschildkröte, die Gopherschildkröte. Zu dieser Gattung werden vier Arten gerechnet, welche mit Ausnahme von Gopherus flavomarginatus alle auf dem Anhang 2 oder B gelistet und von den Haltungsansprüchen und Anschaffungspreisen leistbar sind. Die Texasgopherschildkröte wird bei uns in Europa sogar immer wieder angeboten, jedoch habe ich selber mit diesen Tieren überhaupt keine Erfahrung.
Eine Besonderheit weisen die Terrapene-Arten auf, welche in Nordamerika und Mexiko zu finden sind. Zwar bedeutet Terrapene ja eigentlich Landschildkröte, diese Tiere sind aber der Familie der Neuweltsumpfschildkröten zuzurechnen. Trotzdem möchte ich es erwähnen, weil es eine ganz interessante Geschichte ist. Diese Terrapenes können mittels eines Scharnieres quer auf dem Bauchpanzer die vordere und die hintere Panzeröffnung praktisch völlig verschließen. In Afrika haben die Kinixysarten völlig unabhängig etwas Ähnliches entwickelt, die können den hinteren Teil des Rückenpanzers einziehen und so zu mindestens die hintere Panzeröffnung dicht schließen. Und jetzt kommt das wirklich Beeindruckende, denn in Asien gibt es die Gruppe der Cuoras welche Altweltsumpfschildkröten sind. Und die haben ganz genau den gleichen Trick mit dem Bauchscharnier entwickelt wie die Terrpenes in Amerika – völlig unabhängig voneinander. Noch eine kleine Geschichte zu dem Thema Sumpfschildkröten. Die Gattung der Amerikanischen Erdschildkröten – Rhinoclemmys - weist derzeit 9 bekannte Arten auf, zu drei der Arten bestehen Unterarten. Und jetzt kommt die große Überraschung, die Amerikanischen Erdschildkröten sind Vertreter der Altwelt-Sumpfschildkrten, und das in Amerika, der „Neuen Welt“. Ein deutlicher Hinweis auf die frühen Ursprünge der Schildkröten als Arten. Auch diese Schildis können den Bauchpanzer, wenn aucxh nur sehr begrenzt einklappen, dafür sind sie aber unglaublich beweglich!!
Nördliches Südamerika
Hier fühle ich mich auf heimatlichem Terrain. Drei Landschildkrötenarten sind für den Großteil dieses Halbkontinentes bestimmend. Die kleinste der drei ist Chelonoidis chilensis, die Argentinische Landschildkröte und die hat auch das kleinste Verbreitungsgebiet.
Sie kommt in Argentinien, Paraguay und Bolivien vor – aber nicht in Chile. Wie wir auf der ersten Übersichtskarte ja sehen konnten, leben westlich der Anden eigentlich keine Schildkröten. Wieder einmal ein Fall wo die wissenschaftliche Nomenklatur in der Geographie daneben greift. Die größte Südamerikanerin ist die Waldschildkröte Chelonoidis denticulata, welche bei uns eher selten gehalten wird. Die erreicht immerhin bis zu 70 Zentimeter Panzerlänge, nur ganz wenige Exemplare der Köhlerschildi erreichen ähnliche Maße. Im Aussehen unterscheidet sie sich von der viel bekannteren Köhlerschildi - Chelonoidis carbonaria - nur wenig, die farbigen Schuppen auf den Beinen sind aber immer gelb, niemals rot wie bei der Köhler. Über diese Art werde ich dann auch noch ein wenig erzählen, was wir da für Erfahrungen gemacht haben. Es folgt der Sprung über den Atlantik
Afrika
Noch ein Stückchen größer geht es auf dem afrikanischen Festland zu. Die Sporenschildkröten – Centrochelys sulcata – erreichen doch Panzerlängen von gut einem Meter, das bedeutet dann ein Körpergewicht von rund 100 kg oder mehr. Diese Art wird von uns seit Jahrzehnten gepflegt und wird noch ausführlich behandelt werden. Nur wenig kleiner wird die Pantherschildkröte. Die südliche Nominatform Stygmochelys pardalis pardalis erreicht in der Regel zwar nicht mehr als 40 Zentimeter hingegen die nördliche Unterart Stygmochelys pardalis babcocki in einigen Gegenden ( Äthiopien ) Panzerlängen von mehr als 70 Zentimeter erreichen kann. Auch diese Tiere halten und züchten wir recht erfolgreich, da kann ich noch ein paar Neuigkeiten über die Aufzucht berichten. Neben diesen recht großen Schildkröten ist das afrikanische Festland die Heimat zwar kleinerer, aber wirklich sensationeller Arten. Etwa die Gattung der Gelenkschildkröten mit sechs recht gut zu unterscheidenden Arten Stutz-Gelenkschildkrte - Kinixys homeana - , die Glattrand-Gelenkschildkrte Kinixys belliana, die Stachelrand-Gelenkschildkrte Kinixys erosa, die Lobatse-Gelenkschildkrte Kinixys lobatsiana, die Natal-Gelenkschildkrte Kinixys natalensis und die Spekes-Gelenkschildkrte Kinixys spekii. Und von denen gibt es wieder eine ganze Reihe von Unterarten, etwa die Glattrand… wird in drei Unterarten aufgeteilt. Allen gemeinsam ist ein Gelenk im hinteren Bereich des Rückenpanzers, welches bei Jungtieren kaum entwickelt ist, mit zunehmendem Alter aber immer ausgeprägter wird. Hier an einem Jungtier und einem adulten Weibchen von Kinixys belliana nogueyi gut zu sehen. Alle Unterarten werden meist nicht länger als 20, in seltenen Ausnahmen bis zu 25 Zentimeter. Mit dieser Größe können alle diese Arten auch in einem Zimmerterrarium noch ganz gut gehalten werden – leider werden bei uns in Österreich diese Tiere kaum nachgezüchtet. Noch seltener sind Tiere aus dem Gebiet der Republik Südafrika bei uns zu sehen. So sind etwa die kleinwüchsigen Tiere aus der Gattung Psammobates bei uns praktisch nicht im Handel, und wenn fürchte ixh stammen die Tiere aus dubiosen Quellen. Das Verbreitungsgebiet der Unterarten ist in der Regel sehr klein, entsprechend gering auch die Populationsgröße. Aber obwohl diese sehr schönen Tiere ganz sicher für eine Terrarienhaltung gut geeignet wären, gelangen kaum welche in den seriösen Handel. Und wenn, sind die Preise recht erheblich – mir sind Angebote von P. oculiferus, legal importierte Wildfänge aus Afrika zu Preisen von rund € 2 500,- pro Stück in Erinnerung. Ganz genau das Selbe lässt sich auch von den Flachschildkröten sagen, die Gattung Homopus mit immerhin 5 Arten wird bei uns in Europa eigentlich überhaupt nicht gehandelt. Deutlich besser ist da die Lage bei der Spaltenschildkröte - Malacochersus tornieri. Diese ungemein faszinierende monotypische Schildkrötenart aus Ostafrika wird in Europa regelmäßig nachgezüchtet und zeigt ganz schildkrötenuntypische Eigenschaften. Der Panzer ist nicht nur sehr flach sondern auch extrem flexibel – jede andere Schildkröte mit einer solchen Panzerstruktur hätte gräuliche Rachitis. Und klettern können diese Schildkröten wie die äh…. ja Affen, besser gesagt Eidechsen. Da sie Kopjes, das sind Felsenstrukturen aus Urgestein, bewohnen ist das ja auch zu erwarten, und der nachgiebige Panzer hilft ihnen sich in den Spalten und Schründen zu verbergen, da diese Tiere meist nur 15 Zentimeter, maximal 20 Zentimeter lang werden ist dieser Schutz auch recht notwendig. Und noch eine interessante, bei uns aber kaum zu sehende Schildkröte ist die afrikanische Schnabelbrustschildkröte Chersina angulata, nicht mit der madagassischen Yniphora zu verwechseln. Zwar ist die Afrikanerin noch nicht einer besonderen Gefährdungsstufe zugeordnet, wird aber kaum importiert und Nachzuchten sind mir persönlich auch nicht bekannt – irgendwie schade. Und mit dem Hinweis auf madagassischen Schildis verlassen wir langsam den Afrikanischen Kontinent Richtung Osten. Da liegt die Arabische Halbinsel fast direkt auf unserem Weg, aber dort werden wir feststellen, dass es in dieser Gegend eigentlich keine Schildkröten gibt. Zwar kommen im Jemen Sporenschildkröten vor, aber die wurden mit größter Sicherheit von Menschen dorthin verbracht.
Hingegen sind die Inseln im Indischen Ozean die Heimat einer Vielzahl wirklich interessanter Schildkröten. Madagaskar zählt ja eindeutig dem afrikanischen Kontinent zu, und dort gibt es ja wirklich nette Schildis. Am bekanntesten, ja fast legendär - die Strahlenschildkröte Astrochelys radiata, Viel weniger bekannt und noch seltener ist ihre nächste Verwandtschaft, die madagassische Schnabelbrustschildkröte Astrochelys yniphora – nicht mit der gleichnamigen afrikanischen - Chersina angulata - zu verwechseln. Die Panzerform ist der der Strahlenschildkröte ganz ähnlich, nur die Kehlschilder der Böcke sind viel stärker ausgeprägt und die Panzerfarbe ist von einheitlichem braun. Und es gibt wahrscheinlich gerade einmal noch 400 davon! Nicht ganz so selten, aber auch streng geschützt ist die ganze Gattung Pyxis. Am bekanntesten ist die Madagassischen Spinnenschildkröte Pyxiys arachnoides in vier Unterarten, kleine ansprechende Tiere, aber nicht ganz einfach zu züchten. Die anderen Pyxisarten, wie etwa planicauda sind einfach nicht zu bekommen, wer solche Tiere besitzt ist glücklich zu schätzen, in der Natur sind diese Arten praktisch nicht mehr zu finden.
Und bleiben wir noch kurz auf der Inselwelt des indischen Ozeanes, ein wenig nördlich von Madaskar liegt die Inselgruppe der Seychellen. Dort ist die Heimat der wirklich größten Schildis, die Seychellenriesenschildkröte Aldabrachelys gigantea. Lange Zeit ging man von mehreren Unterarten aus ( dussumieri und arnoldie ) Durch genetische Untersuchungen von Austin und Palkovacs wurde das aber im Jahre 2003 endgültig widerlegt. In der gegenwärtigen Auflistung für CITES sind diese Unterart nicht mehr enthalten. Im Gegensatz zu den Schildkröten der Galapagosinseln ist diese Art nicht bedroht. Wir gehen von einer Population in der Größenordnung von 100 000 Tieren auf dem Aldabra-atoll aus und mehreren 1000 Tieren in Zoos. Abgesehen von der gigantischen Größe spricht also nichts dagegen, diese Tiere zu handeln und zu halten. Regelmäßig werden Jungtiere und Babys zu einem Preis von, sagen wir frech € 200,- pro Zentimeter Schildkröte, angeboten. Da ist aber immer ein wenig Vorsicht geboten, denn diese Tiere stammen durchwegs aus Farmen in irgendwelchen südlichen Ländern, die Eingewöhnung bei uns in Europa kann unter Umständen problematisch sein und endet manchmal mit der schlimmsten aller Möglichkeiten. Da wir schon einmal im Indischen Ozean sind, können wir gleich den Sprung nach Indien wagen.
Indischer Subkontinent
Wieder eine ganz eigenartige Situation. Von dort kommt die allgemein bekannten und beliebte Sternschildkröten Geochelone elegans welche in Indien, Pakistan und SriLanka beheimatet ist. Wegen des doch recht ausgedehnten Verbreitungsgebietes und der entsprechend unterschiedlichen Umweltansprüche wird noch immer über die Beschreibung von Unterarten nachgedacht, meines Wissens ist aber noch keine Festlegung getroffen worden. Die viel weiter verbreitete und von der IUCN immerhin als endangered eingestufte Indotestudo elongata ist kaum bekannt – egal, wir züchten diese wirklich interessante Schildkröte. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom nördlichen Indien weit nach Osten, bis Südchina. Ihr ganz ähnlich sind die Celebeslandschildkröte Indotestudo forstenii – die kommt wirklich auf Sulawesi, früher Celebes vor - und die Travancorelandschildkröte I.travancorica. Wie die sich von den beiden anderen unterscheidenläßt ist mir persönlich egal, ich habe so eine noch nie zu Gesicht bekommen und werde es wahrscheinlich auch in Zukunft nicht. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf die Westghats, einen einzigen Gebirgszug in Indien. Aber die beiden anderen Arten halten und züchten wir ja selber. Als Babys sehen die noch ganz unterschiedlich aus, mit zunehmendem Alter werden die Tiere einander immer ähnlicher. Aber der World Chelonian Trust bzw. Chris Tabaka haben etwas entdeckt, was helfen kann. Die erste und zweite Querfuge des Bauchpanzers liegen bei Exemplaren der Gelbköpfe viel weiter auseinander als bei denen aus Celebes. Direkt angrenzend an das Verbreitungsgebiet der elongatas, ja sogar mit einer recht großen Überlappung in Myanmar leben die größten Landschildkröten Asiens, die Gattung Manouria. Die Hinterindische Landschildkröte Manouria impressa ist mit maximal 27 Zentimetern ja noch recht klein, Manouria emys emys kann schon einmal einen guten halben Meter messen. Im Gegensatz zu der im Süden lebenden Nominatform kann die im Norden lebende Unterart M.e. phayrei ein Stockmaß von 75 Zentimetern erreichen. Mein eigenes größtes, leider schon verstorbenes Weibchen maß rund 65 cm, das ist schon in der Klasse der Spornschildis!
Auf die verschiedenen Arten der Cuora verzichte ich einzugehen, es würde erstens den Rahmen sprengen und zweitens sind das ja keine richtigen Landschildis sondern Sumpfis. Somit wollen wir unsere Weltrundreise beenden und die Tiere noch genauer betrachten.
Aberglauben und Ansprüche
Aber trotz dieser aller Unterschiede besteht doch auch eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten, welche ich schon vorab beleuchten möchte. Das erste was allen diesen Tieren gemeinsam ist, ist eine ganze Reihe von absoluten Fehlinformationen. Irgendwann hat irgendjemand irgendeinen Blödsinn niedergeschrieben – und der wurde dann so oft abgeschrieben bis er als Wahrheit galt. Und dieser Unfug ist aus den Köpfen selbst wohlmeinender Menschen kaum zu entsorgen! Versuchen wir es jetzt einmal gemeinsam:
1, Licht Schildis sind wie alle poikilothermen Lebewesen auf die Zufuhr von Energie von außen angewiesen um ihre Lebensfunktionen aufrecht erhalten zu können. Diese Energie holen sich die Tiere praktisch ausschließlich über die direkte Sonnenstrahlung. Wärme ist gut, aber prinzipiell als Begleiterscheinung zu sehen - es gibt in der Natur einfach keine Fußbodenheizung, keinen Rotlichtlampen. Alle Schildkröten sind darauf angewiesen neben dem sichtbaren Licht eine ordentliche Dosis UV Strahlung zu bekommen, und die tropischen Schildis benötigen diese Dosis ganz besonders. Neben einer ausreichenden Lichtstärke ist auch eine genügend lange Beleuchtungsdauer notwendig, damit die Tiere vital und beweglich bleiben, 15 bis 18 Stunden täglich können das schon einmal sein. Dazu kommt das Problem, dass unsere Leuchtmittel nur wenige Prozent der aufgenommen Leistung in Licht umsetzen, der Großteil geht einfach in Form von Wärme …… verloren. So kommt es letztendlich zu der grotesk klingenden Situation, dass wir unsere Schildis lüften und kühlen müssen, ansonsten es einfach selbst ihnen zu warm würde!
2, Temperaturbereich Jahreszeiten in unserem Sinn kennen diese Tiere nicht. Je nach Region gibt es ein oder zwei Regenzeiten, die Temperaturschwankungen über das Jahr sind prinzipiell geringer als der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Am Beispiel von Mauretanien – dorthin habe ich ganz gute Beziehungen - kann ich das leicht aufzeigen. Im Juli beträgt die Tageshöchsttemperatur im Schatten 30°C bis 34°C – in Extremfällen, bzw. in der Sonne auch noch weit darüber - und fällt während der Nachtstunden auf etwa 24°C ab. Der Jänner ist dort wie auch bei uns der kälteste Monat, die Nachttemperatur fällt dann bis auf 12°C oder weniger ab während im Laufe des Tages die Temperatur immer noch 20°C bis 24°C erreicht. Wir sehen also, dass die Unterschiede zwischen Tag und Nacht mindestens 12°C betragen können, jedoch Sommer und Winter einen Unterschied von bloß 10°C bedingen. Schildkröten aus Gebieten wo ein weniger kontinentales Klima herrscht, sind an noch geringere Temperaturänderungen angepasst. Diese täglichen Temperaturschwankungen sind durchaus notwendig, damit sich die Tiere wohlfühlen. Oft scheitern Aufzucht- und Zuchtversuche weniger an der Simulation der Jahreszeiten als an einer mangelhaften Simulation der Tag/Nacht Temperaturschwankungen.
3, Futter Sonne zu tanken ist aber nicht alles, ein paar Kalorien und Aufbaustoffe und Mineralien und Vitamine und Spurenelemente und ….. brauchen auch Schildkröten – sie müssen fressen und trinken. Einige Arten – wie etwa die Sporen - sind da nicht so anspruchsvoll, manche andere Arten sind aber ziemlich spezialisiert. Und nicht immer steht uns das passende Futter zur Verfügung. Besonders die Wintermonate können uns da schon vor ordentliche Herausforderungen stellen. Denn egal wie sich die Schildis ernähren, ein ausgewogenes Ca-P Verhältnis ist unabdingbar, genügend Ballaststoffe ein Muss. Wir stehen da ganz allgemein vor dem Problem, die Menge der benötigten Mineralstoffe in der passenden Zusammensetzung nur recht vage bestimmen zu können. Deshalb sind alle Futterbeigaben mit Vorsicht zu bemessen, denn niemand kann uns wirklich verraten, was die Tiere mit dem Fressen aufnehmen. Und auf Verdacht dem Futter etwas zuzusetzen, ist doch recht riskant, Calcium in Form von Muschelsand oder Sepia ist sicher unbedenklich, Vitamine hingegen können leicht mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Und über das Futter sind schon ganze Bücher geschrieben worden, über kein Thema ist so viel Unbewiesenes und schlichtweg Falsches verbreitet worden. Es herrscht da der Aberglaube, Schildkröten dürfen nicht üppig fressen um langsam und dadurch schön zu wachsen. Meiner Meinung ein absoluter Schmarren! Landschildis sind in ihrer Ernährung überwiegend auf Pflanzen spezialisiert, aber nicht besonders gut. Viel schlechter als etwa ein Wiederkäuer und noch lange nicht so gut wie es bei pflanzenfressenden Säugetieren der Fall ist. Auf Grund der physiologischen Beschaffenheit würde ich die Leistungen des Verdauungstraktes vorsichtig irgendwo zwischen Panda und Elefant einreihen. Das bedeutet dass die Tiere erhebliche Mengen fressen müssen um ihren bedarf zu stillen. Füttere ich die Tiere nun mit Stroh = Zellulose = kein Nährwert kann das zwar den Magen füllen, aber nur eine Mangelernährung bewirken. Und wir alle wissen, dass der Stoffwechsel von Reptilien grundsätzlich über die Umgebungstemperatur bestimmt wird, somit ist das Wachstum der Jungtiere kaum über das Futter zu regulieren. Und entstehen die „hässlichen“ Tiere nicht in Wirklichkeit durch mangelhafte Haltungsbedingungen, mangelhaftes Futter? Viele Deformationen sind eindeutig solchen Fehlern zuzuordnen. Die höckerigen Panther, die rachitischen Köhler sind sicher nicht durch zu üppiges Futter sondern durch mangelnde Zufuhr von Aufbaustoffen so geworden wie sie sind. Und einige Arten brauchen tierisches Eiweiß. Wir wissen aus eigener Erfahrung und gesicherten Quellen, dass Köhler, Gelbkopf, Celebes sehr sowie Manourias und auch Sporn etwas weniger auf den Verzehr von Fleisch angewiesen sind.
4, Umweltgestaltung / Raumklima Die Temperaturen und Beleuchtungsqualität sind uns ja bekannt, aber wie sieht es mit den anderen Parametern aus? Schlecht – die Luftzirkulation innerhalb eines Terrariums oder eines Schildkrötenhauses können wir mit großen, langsam laufenden Ventilatoren so halbwegs im Gang halten, wir selber benutzen dafür kleine Vogerln – die brauchen keinen Strom. Aber ganz schlecht sieht es mit der Luftfeuchtigkeit aus. Nicht, weil es nicht machbar ist, sondern weil uns die Märchen die Sicht auf die Wahrheit verstellen. In jedem zweiten Buch kann man lesen, das Panther und Sporn gar nicht trocken genug gehalten werden können. Wasser wirke ja fast wie Gift, Durchfall und qualvoller Tod drohen. Ganz toll, nicht wahr? Dabei wissen wir aber, dass bei Durchfall die Gefahr des Austrocknens besteht, die ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit lebensnotwendig ist – nur unsere Schildkröten lassen wir dursten, wenn sie aus welchem Grund auch immer – meist eine Infektion durch verunreinigtes Futter – an Durchfall leiden. Und günstiger weise gibt es zu dem Thema Luftfeuchtigkeit sogar wissenschaftlich fundierte Aussagen. Denn im Jahre 2002 hat Christian Wiesner eine Dissertation zum Thema „Der Einfluss von Umgebungsfeuchtigkeit und Eiweißgehalt der Nahrung auf die Panzerhöckerbildung von Spornschildkröten (Geochelone sulcata)“ auf der VUW eingereicht. Die für uns wichtigen Erkenntnisse sind schnell zusammengefasst: Trockene Haltung führte zu stärkerer Höckerbildung als feuchte Haltung, der Proteingehalt des Futters hatte einen geringen und statistisch nicht abgesicherten Einfluss auf den Grad dieser pathologischen pyramidenförmigen Panzerhöckerbildung. Denn es ist ein völliger Irrglaube, in Afrika ist alles dürr. Äthiopien soll uns als Beispiel dienen, denn in diesem Land berühren sich die Verbreitungsgebiete von Sporn und Panthern. Im Süden des Landes erreichen die jährlichen Niederschlagsmengen Werte von rund 1800 mm, zum Vergleich dazu kann Wien immerhin mit 900 mm aufwarten, gerade einmal die Hälfte. Also ist es unser Problem, die Tiere feucht genug zu halten, zu trocken ist es ohnehin!
5, Beschäftigung Nur wenn es uns gelingt, den Tieren eine abwechslungsreiche Unterbringung zu bieten, mit all den Herausforderungen wie es die natürliche Umgebung tut, werden sie sich wirklich wohl fühlen. Darüber hinaus müssen wir selber den Kontakt mit den Tieren pflegen, denn nur wenn die Tiere uns vertrauen, können wir mit ihnen problemlos umgehen. Und gerade die langlebigen und großen Schildkröten haben ein ganz gutes Personengedächtnis, so nehmen unsere Sporen von Fremden selbst Leckerbissen nur sehr zögerlich an, belagern uns selber aber vehement wenn sie auch nur den Verdacht haben, es könnte etwas für sie abfallen. Und wie soll ich den Zustand eines Tieres beurteilen, wenn es sich bei jeder Annäherung pfauchend in den Panzer zurückzieht und stundenlang nicht mehr blicken lässt? Hat schon einmal jemand versucht, seine Finger aus dem Panzer eines 50 kg Sporenbockes zu ziehen, wenn dieser die mit aller Kraft zwischen Panzer und Schienbein einklemmt? Wie will man im Ernstfall ein Medikament verabreichen, wenn der Kopf hinter den Vorderbeinen verschwindet und nicht wieder kommt? Oder viel banaler, wie reinige ich ein Tier, welches sich konsequent im eigenen Panzer versteckt? Oder welches - so wie die großen Manourias – versucht den Störenfried zu beißen?
2 Teil Tropische Landschildkröten - Erfahrungsberichte aus dem eigenen Bestand
Die Köhlerschildkröte
Die Sporenschildkröte
Die Pantherschildkröte
Die braune oder schwarze asiatische Landschildkröte
Die Gelbkopfschildkröte
Ich will versuchen von diesen Arten die Ansprüche und Besonderheiten näher zu beschreiben. Da habe ich natürlich die von uns gepflegten und gezüchteten Arten ausgewählt, was soll ich von Tieren berichten, welche ich nicht kenne?
Die Köhlerschildkröte
Chelonoidis carbonaria ist nicht nur die bekannteste der Südamerikaner sondern wird bei uns recht häufig gehalten.
Eigener Bestand Mit denen haben wir bislang recht umfangreiche Erfahrungen sammeln können, halten wir selber zwei Gruppen. Eine Gruppe Gelbköpfe 1,3 und eine kleinere Gruppe Rotköpfe 1,2.
Charakter Wir halten die Köhler für die Raubtiere unter den Landschildkröten. Die Tiere sind hochaktiv, suchen durchaus den Kontakt zu den ihnen bekannten Menschen und betteln vehemt um Leckerbissen. Die eingewöhnten Tiere lassen sich von uns ohne jede Scheu anfassen und sind einerseits wegen der doch recht intensiven Färbung und andererseits der flotten Bewegung halber ansehnliche Tiere
Eigenheiten und Vorkommen Wie wir wissen, sind diese Farbunterschiede regionale Eigentümlichkeiten, stellen keine Unterart dar. Bislang hat sich nämlich noch niemand der Mühe unterzogen, eine umfassende genetische Karte anzulegen. Denn es gibt außer der Farbe noch weitere Unterschiede, etwa differiert die Panzerform oft recht erheblich. Nicht so bekannt jedoch ist, dass manche Populationen ganz erstaunliche Körpermaße erreichen können. Im Gran Chaco sind Tiere von 60 cm Stockmaß festgestellt worden, solche Tiere wiegen über 30 Kilogramm. Bei uns in Europa werden aber in der Regel Tiere die ursprünglich aus Surinam oder Guyana stammen gehalten, welche kaum länger als 50 cm werden.
Und von diesen üblichen Tieren wollen wir die Haltung kurz beleuchten. Surinam und Paraguay liegen ein wenig nördlich des Äquators, maximal 10°. Und beide Staaten liegen direkt am Atlantik. Da können wir über das Klima schon einiges ableiten.
Klima Geringe Temperaturschwankungen über das Jahr, ebenso geringe Unterschiede zwischen Tag- und Nachttemperatur. Die niedrigsten Temperaturen welchen wilde Köhlerschildis ausgesetzt sind werden um die 20 °C betragen, die maximalen sicher deutlich über 30 °C. Die Luftfeuchtigkeit in diesen Ländern ist hoch, und ich meine hoch. Da steht in der Zehnerstelle vorne eine 9, über die Einerstelle bin ich bereit zu diskutieren. Wie man auf diesen Bildern sehen kann, sind die nicht nur sehr gut zu Fuß sondern können auch ganz hervorragend schwimmen.
Platzbedarf Und so muss auch die Unterbringung gestaltet werden, Badewasser ist unabdingbar, das Gehege sollte länger als breit sein, so dass die Tiere wirklich ordentlich marschieren können. Der Bodengrund muss tief, feucht und weich sein, Hindernisse sind notwendig um die Tiere zu beschäftigen.
Futter Auch die carbonarias sind prinzipiell Vegetarier, aber ein wenig anders. Heu wird nur als Schlafplatz akzeptiert, Grünes, frisches Futter recht gerne gefressen. Brennessel wird genau so gerne angenommen wie blätterige Disteln, Salat und Gurke sind ein Notbehelf für die Wintermonate. Viele Köhler fressen in der freien Wildbahn große Mengen Früchte, auch Pilze werden gerne angenommen. Deshalb bekommen unsere immer wieder Äpfel und Champions und hin und wieder auch Bananen, welche sie besonders gerne annehmen. Und anders als die meisten anderen Landschildis brauchen Köhler erhebliche Mengen tierischen Eiweißes, wenn sich die Tiere schön entwickeln und die Zucht in Gefangenschaft klappen soll. So bekommen unsere alle ein oder zwei Wochen entweder gefrostete Sardellen oder tote Futtermäuse. Unser großer Köhlerbock kann eine ausgewachsene Maus ohne die geringste Mühe verschlingen, für kleinere Tiere sollte man Springer oder vielleicht sogar Babys als Futter wählen. Eine andere sehr gute aber leider auch sehr teure Eiweißquelle sind Tauwürmer aus dem Fischereibedarfshandel. Eine Futtermittelfirma im Norden Wiens hat uns spezielles „Schildkrötenfleisch“ bereitet, Rinderherz und mageres Fleisch zu gleichen Teilen mit 10 Gewichtsprozent Futterkalk schön klein faschiert und in 500 g Säckchen verpackt und gefrostet – diese praktische und preiswerte Alternative hat sich bestens bewährt.
Die Sporenschildkröte
Centrochelys sulcata ist eigentlich mein besonderer Liebling,
Eigener Bestand Wir pflegen von denen einen 1,4 Gruppe. Deren Zusammenstellung brauchte eine ganze Weile, weil die Tiere erst nach 5 oder 6 Jahren groß genug sind um das Geschlecht mit ordentlicher Sicherheit bestimmen zu können
Charakter Unsere Sporen passen absolut nicht in das übliche Schildkrötenklischee. Zwar wird stundenlang in der Sonne geruht, aber dann gehr es ordentlich zur Sache. Alles und jedes wird erkundet, Unmengen Gras so ganz nebenbei gefressen. Findet sich kein passender Ruheplatz, wird in kürzester Zeit ein netter Tunnel gegraben. Oder die Hunde bedrängt, oder die Menschen besucht. Immer neugierig und fröhlich unterwegs. Gereizt oder bedroht werden aber große Sporen unleidlich, ziehen den Kopf ein und geben richtig Vollgas. Und gnade Gott allen Lebewesen welche ihnen dann im Weg stehen!
Eigenheiten und Vorkommen Diese Schildkrötenart ist nach den Inselformen die drittgrößte rezente Landschildkröte. Böcke können nachweislich ein Stockmaß von einem ganzen Meter erreichen, das Gewicht einer solchen Schildkröte beträgt dann rund einen Zentner. Unser eigener „Kleiner“ misst gerade einmal 75 Zentimeter und wirkt schon damit auf die meisten Besucher zu mindestens erstaunlich. Sporenschildkröten sind Nordafrikaner, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang des nördlichen Wendekreises von Mauretanien bis auf die arabische Halbinsel, den Jemen. Tatsächlich dürfte aber Somalia die östliche Grenze des natürlichen Vorkommens darstellen, in den Jemen dürfte diese Art von den Menschen verbracht worden sein. Adulte Sporenschildkröten vertragen Hitze ganz ausgezeichnet und können monatelang ohne Wasser auskommen – sie können – aber gefallen muss ihnen das nicht. Unsere Sporen trinken regelmäßig, haben auch immer Trinkwasser zur Verfügung.
Klima Überhaupt kommen diese großen Schildkröten mit unserem Klima recht gut zurecht, eine Mindesttemperatur von 12 ° C ist ihnen noch zuzumuten. Und große, gesunde Tiere dürfen bei uns auch bei noch niedrigeren Temperaturen ein kurzes Sonnenbad nehmen. Zu bedenken ist, dass diese Tiere eine ordentliche Unterbringung für die Wintermonate benötigen. Der für die Schildihaltung völlig unnötige Winter dauert bei uns ja fast 6 Monate, da muss das Quartier schon für eine dauerhafte Unterbringung taugen. Unsere Sporen haben ein eigenes Schildihaus von rund 50 Quadratmetern – da sind natürlich auch noch einpaar kleinere Untermieter mit untergebracht – zur Verfügung. In der Übergangszeit können die Tiere durch eine eigene Türe nach belieben in das Freiland wechseln und kommen des Abends auch brav zum Schlafen wieder nach Hause. Die Beleuchtung ist bei diesen Tieren recht aufwendig, neben genügender Lichtausbeute wollen die auch warme Sonnenplätze vorfinden. Unter den Quecksilberdampfstrahlern erreichen wir Temperaturen von an die 40 °C !! Und im Sommer sind die Sporen die eifrigsten Sonnenbader, stundenlang können die mit weit ausgestreckten Beinchen Licht tanken. Und obwohl große Sporen mit Trockenheit gut zurecht kommen, brauchen kleine Sporen neben Badewasser eine recht hohe Luftfeuchtigkeit. Da geht es um das Problem der Pyramidenbildung, eine störende Deformation, welche die Schilder des Rückenpanzer kegelförmig aufragen lässt. Den Grund kennen wir jetzt genau, wie zuvor erwähnt, beziehen wir diese Erkenntnis von Christian Wiesner , bzw. aus dessen Dissertation zum Thema „Der Einfluss von Umgebungsfeuchtigkeit und Eiweißgehalt der Nahrung auf die Panzerhöckerbildung von Spornschildkröten.
Platzbedarf Ist bei Tieren dieser mögliche Endgröße natürlich entsprechend, das Gesetz verlangt für das erste Tier 8 und für jedes weitere Tier 2 Quadratmeter. Diese Abmessungen sind natürlich ein völliger Schmarren, eine Sporengruppe benötigt eine Fläche von rund 50 Quadratmeter als Winterquartier und diese sollten auch ein wenig strukturiert sein. Als Bodengrund haben wir nach mehreren Versuchen gewaschenen Schleifsand gewählt. Der speichert Wärme und Feuchtigkeit recht gut, lässt sich leicht reinigen und ist in der Beschaffung nicht teuer. Denn der Preis ist ein Argument, benötigen wir doch rund drei Tonnen davon um eine vernünftige Bodentiefe zu erreichen. Im Sommer ist es viel einfacher Sporen zu halten, unsere stiefeln über 500 Quadratmeter Wiese und baden im Teich oder brausen unter den Gartenberegnern und fressen, und zwar von der Wiese. Denn dieses
Futter Die Wiese bietet ihr absolutes Lieblingsfutter. Gras, und zwar kurzes, Brennessel und Distel ist das Sporenfutter. Im Winter behelfen wir uns mit Heu, das recht gerne genommen wird. Dazu allerlei Grünzeug, Gurken, Petersilie und diverser Salat sowie fallweise Äpfel und Karotten. Dazu ist Kalzium in Form von Muschelsand oder Sepia immer verfügbar. Die Tiere können diese Zuspeise oft lange Zeit ignorieren, nehmen dann aber wieder große Mengen davon auf. Wir verlassen uns da einfach auf den gesunden Instinkt der Tiere. Sinnlos ist es meiner Meinung nach, den Tieren Stroh als Futter anzubieten, denn die Zellulose aus der diese Halme vorwiegend bestehen sind für Schildkröten einfach unverdaulich. Und unsere Weibchen beginnen meist nach Weihnachten damit, die ersten Gelege abzusetzen, was die da an Energie benötigen gut vorstellbar, 20 bis 30 Eier welche jeweils rund 50 Gramm wiegen wollen produziert werden!
Der folgende Text ist noch in Bearbeitung :
Die Pantherschildkröte
Die Unterart Stigmochelys pardalis babcocki wird von uns gehalten, von der Nominatform können wir nix berichten.
Eigener Bestand Wir halten derzeit neun Panther, von 5 Zentimeter bis knapp ein halber Meter
Charakter Immer wieder kann man lesen,m das Panther ruhige und zurückgezogene Schildkröten sind - unsere nicht. Natürlich sind die nicht so agressiv wie Köhler oder Sporen, aber auch immer am Fressen oder Wandern. Gerade die Jungtiere sind gefräßig wie die Heuschrecken. Ärgerlich ist bloß, dass eine beleidigte pardalis den Panzer absolut dicht macht und dann wirklich für längere Zeit unsichtbar bleibt. Und nur Scharnier-, Dosen- oder Gelenkschildkröten können das so gut wie Panther.
Eigenheiten und Vorkommen Das Verbreitungsgebiet dieser Art erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über mehrere tausend Kilometer, je nach Herkunft stellen diese Tiere also durchaus unterschiedliche Ansprüche an die Haltung. Besonders die Aufzucht ist mit großer Sorgfalt zu betreiben, denn diese Tiere neigen sehr leicht zu argen Deformationen der Wirbelschilder. Dies ist optisch störend, aber letztendlich deshalb fatal, weil diese äußeren Missbildungen letztendlich nur ein Abbild der inneren, organischen Störungen sind. Durst und Hunger, fehlendes Sonnenlicht und zu geringe Luftfeuchtigkeit lassen diese Trauergestalten heranwachsen. Wir ziehen unsere Pantherbabys ganz ähnlich wie die Sporn auf, nur bekommen die Panther einmal die Woche noch ein wenig Vitamin D3 verpasst. Entweder in Form von Tropfen aus der Apotheke oder als Dorschleber, die wird gerne angenommen.
Klima Wegen der Größe des Verbreitungsgebietes ist da eine Aussage nur recht vage möglich. Bei uns erzüchtete Tiere sind in Lage unser Klima ganz gut zu ertragen. Niedrige Temperaturen, relativ natürlich bis unter 10 Grad Celsius werden meistens gut ertragen. In Äthiopien, Kenia und Tanzania erstreckt sich das Vorkommen in den Bergen auf Höhen von über 2000 Metern, da sinken die Temperaturen des Nachts schon mal bis auf den Gefrierpunkt! Anderseits bewohnen sie auch Küstenstreifen direkt am Äquator, feuchter und heißer geht es wohl kaum. Die Kalahari selber meiden die Panther, ein deutlicher Hinweis darauf, dass völlige Trockenheit für diese Art nicht bekömmlich ist.
Die braune oder schwarze asiatische Landschildkröte
Wir haben beide Arten, adulte Tiere von Manouria emys phayrei und derzeit Jungtiere von Manouria emys emys
Eigener Bestand Vier Stück der großen, nördlichen phayrei und fünf der kleineren, im Südenlebenden Nominatform.
Charakter Die geben uns immer wieder Rätsel auf. Was heute noch stimmt, kann morgen schon ganz anders sein. Die dicke Beauty badet stundenlang im Teich, dann beachtet sie ihntagelang nicht. Wochenlang wird die leckere Futtermaus verschmäht, dann erwischen wir sie dabei, wie sie gerde eine Zwergwachtel abfängt und mit einem Bissen verspeist! Von uns lassen sich alle manourias willig anfassen, dafür werden fremde Personen ohne viel federlesens kräftig gebissen.
Eigenheiten und Vorkommen Das Verbreitungsgebiet beginnt im Norden in Myanmar wo die größere Unterart phayrei lebt. In Thailand überschneiden, ja vermischen sich die beiden Unterarten und von da weg kommt emys emys bis Malaysien vor. In ihrer Lebensführung nehmen diese Landschildkröten eine Sonderstellung ein, sie bewohnen Feuchtwälder, lieben das Wasser und fressen wie wild Pilze. Ihr gesamtes Leben läuft entspannt ab, alles wird eher gemächlich angegangen. Bis es reicht, dann schlagen die blitzschnell zu - wie eine Wasserschildkröte. Zehnmal wird vorsichtig vom Futter probiert, dann mit einem einzigen Biß ein holziger Maisstengel säuberlich gekappt. Stundenlang räumt die alte ihren Bruthaufen hin und her, nichts kann sie stören, bis man einen Grenze unterschritten hat, dann verfolgt sie einen blitzschnell, mit weit aufgerissenem Schnabel pfauchend.
Die Gelbkopfschildkröte
Eigener Bestand Wir halten davon nur eine kleine Gruppe, nämlich 1,2. Das hat sich bislange recht gut bewährt, der Bock ist zwar sehr aktiv, aber er schindet die Weibchen nicht so wie es einen große und schwere Schildkröte täte. Eventuell wäre ein drittes Weibchen ganz gut passend, auch vertragen sich die Weibchen untereinander sehr gut.
Charakter Das sind eher kleine und unauffällige Tiere. Dabei aber hochaktiv und anpassungsfähig. So gut zu Fuß wie Köhler und so neugierig wie Sporen. Gibt es Leckerbissen, sind die Gelbköpfe nicht weit. Wenn jemand eine aufgeweckte Schildkröte sucht, welche sich gut mit unserem Klima verträgt, die brav und unproblematisch frißt und handzahm wird, dem sei die elongata ans herz gelegt.
Eigenheiten und Vorkommen Von Indien bis Südchina erstreckt sich das riesige Verbreitungsgebiet dieser Art. Und daran kann man erkennen wie anpassungsfähig diese Tiere sind. Woran sie sich aber nicht anpassen können, ist die massive Zerstörung ihres Lebensraumes und die konsequente Bejahgung durch die Einheimischen.
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