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Vereine & Verbände 

Wenn man sich für eine bestimmte Rasse interessiert, wird man unweigerlich im Rahmen von Ausstellungen mit Vereinen in Kontakt kommen. Was sind das für Vereine, wer legitimiert sie und wie ist die Organisation in internationalen Relationen aufgebaut?

 Ähnlich wie bei manchen Sportarten, man denke an Profiboxen, gibt es eine sezessionistische Tendenz. Einerseits werden Hundetypen welche irgendwelchen Standards nicht entsprechen von den etablierten Zuchtvereinen nicht anerkannt und vom Zuchtgeschehen ausgeschlossen. Dadurch werden die Besitzer solcher Hunde geradezu gezwungen sich anderweitig zu organisieren. Als Beispiel mag der weiße, Schäferhund dienen, ursprünglich Amerikanisch-Kanadisch genannt, inzwischen von wirklich jedem Verband unter was weiß ich welchem Namen. Andererseits kommt es vor, daß eine Gruppe von Leuten versucht die Eigenschaften von zwei Rassen in einer neuen Rasse zu vereinen. Manche dieser Versuche waren durchaus von Erfolg gekrönt, wie man zum Beispiel anhand des Bullmastiff oder des Eurasiers gut feststellen kann. Nach einiger Zeit wird die neue Rasse anerkannt und der neue Verein hat sich etabliert. Man hat diese Entwicklung schon öfter beobachtet, viele solche Fälle sind in den letzten Jahren vorgekommen. Und manche Rassen sind schon sehr alt, sind aber nie im Rahmen einer besonders organisierten Zucht gefördert worden und / oder erst in letzter Zeit wiederentdeckt worden, wie etwa der Österreichische Glatthaarpinscher. Und dann kann es geschehen, daß die Hunderasse in einem so unglaublich abgelegenen Winkel der Erde erzüchtet wurde, daß sie erst in der Neuzeit eine gewisse Bekanntheit erlangen konnte. Völlig richtig, jetzt kommt der Zentralasiatische Ovtcharka ins Gespräch.

Historische Berichte im europäischen Raum von asiatischen Hirtenhunden gehen auf Marco Polo zurück. Er beschreibt geradezu gigantische Hunde welche in den Vorgebirgen des Himalaja anzutreffen waren. Diesen Schilderungen zufolge dürfte er dem Tibetmastiff oder Do-Kyi begegnet sein. Alle diese Größenangaben aus geschichtlichen Reiseberichten scheinen mir jedoch etwas übertrieben zu sein, Gebrauchshunderassen karger Landschaften sind in der Regel nur gut mittelgroß, ponygroße Hunde wie Marco Polo sie beschrieben hatte, wären den harten Lebensbedingungen wohl nicht gewachsen gewesen.

Die Nomaden und Viehirten Zentralasiens haben kein intellektuelles Interesse an Tieren, diese sind bloß ein Mittel um zu überleben. Dadurch gibt es leider absolut keine praktisch brauchbaren schriftlichen Überlieferungen über die Zucht der Zentralasiatischen Hirtenhunde. Die Zucht als solches war und ist natürlich auch nicht organisiert, Verpaarungen wurden sicherlich ebenso wie die lokal üblichen Tierkämpfe bei Märkten und diversen Festen vereinbart. Wegen dieser für uns so unbefriedigenden Ausgangssituation läßt sich die Existenz von Hirtenhunden nur ungenügend belegen.

In dieser Situation kommen die ehemaligen Großmächte als Träger einer modernen Zivilisation ins Spiel. Die Volksrepublik China, welche zumindest kulturell einen erheblichen Teil Zentralasiens dominiert, hat aus der historischen Situation heraus keinen besonderen Zugang zur Hundezucht. Im Süd- und Ostasiatischen Raum sind Hunde mehr schmackhafter Fleischlieferant als geliebtes Familienmitglied. Das ist in Rußland, damals noch Sowjetrußland schon von alters her ganz anders, hier besteht eine gewisse, etablierte Tradition der Hundezucht. Die Verwendung von Wind- und Jagdhunden ist schon seit frühester Zeit überliefert, zum Beispiel der große Windhund zur Wolfsjagd, der Barsoi ist auch in Europa gut bekannt.

Dementsprechend sind in Rußland genügend viele Vereine etabliert, welche innerhalb der FCI organisiert sind. So muß es nicht verwunderlich sein, daß sich Organisationen gefunden haben welche, die Zentralasiatischen Hunde als Rassen erkannten und zu züchten begannen. Aber leider geschah das wie so viele wirklich gutgemeinte Unternehmungen im Bereich der Sowjetrepubliken recht wenig einfühlsam. Auf regionale Eigenheiten ist nur wenig eingegangen worden. Auch der Standard wurde mit einer gewissen Großzügigkeit abgefaßt. Unnötige Dinge wie das Kupieren der Ohren und der Rute sind beschrieben, wichtigere Details werden jedoch völlig vernachlässigt.

Glücklicherweise wird das Zuchtgeschehen durch die regionalen Vereine nachhaltig beeinflußt. Der in Österreich für den ZO zuständige AHHC hat im Verlauf der Zeit die mit der Zucht gewonnen Erfahrungen in eine spezifisch formulierte Zuchtordnung einfließen lassen. Diese Bestimmungen, welche über die allgemeinen, für alle Rassen gültigen hinausreichen, welche der ÖKV verfaßt hat. Die AHHC-Richtlinien sind speziell für unsere Hirtenhunderassen konzipiert. In ihnen wird die langsame Entwicklung und das typische Wesen der Hirtenhunde ganz besonders berücksichtigt.

Auch die Abnahme des Zwingers, die Begutachtung des Wurfes und in weiterer Folge die Ausstellung der Papiere wird durch den regional zuständigen Zuchtverein durchgeführt. Dadurch wird gewährleistet, daß wirklich sachverständige und unvoreingenommene Personen das Zuchtgeschehen in die erwünschte Richtung steuern. Jemand der aktiv im Geschehen um den Hund teilnehmen will ist die Mitgliedschaft in einem Verein absolut sinnvoll, ja geradezu notwendig. Wie sieht das aber für jemanden aus der seinen Hund zwar gerne hat, sich aber darüber hinaus nicht engagieren will? Da ist die Situation ganz ähnlich. Jeder Hundebesitzer hat hin und wieder Probleme, deren Lösung unter Umständen ohne fachkundige Hilfe einen wirklich großen Aufwand erfordert. In diesen Fällen ist es wirklich angenehm, wenn einem sachkundige Hilfe zuteil wird, denn viele Situationen sind zwar für den einzelnen neu, wurden jedoch im Rahmen des Vereines schon vielfach beobachtet und auch schon einer Lösung zugeführt. So kann man ohne großen Aufwand von den Erfahrungen anderer Hundebesitzer profitieren. Und die Kostenfrage sollte kein Hindernis darstellen. Im Kapitel kosten wird darauf ausführlich eingegangen.

Unsere Zentralasiatischen Ovtcharki sind, so wie die meisten anderen Hirtenhunderassen nach wie vor in ganz geringer Stückzahl in Österreich zu finden. Aus diesem Grund vertritt ein einziger Verein die meisten dieser Hirtenhundrassen, mit Ausnahme der ungarischen und schweizerischen Rassen, welche jeweils in eigenen Vereinen organisiert sind. Der Allgemeine Hirten- und Hütehunde Verein, kurz AHHC, vertritt eine ganze Reihe von Rassen. Das sind Anatolische Hirtenhunde, Bergamasker, Bouvier de Flandres, Kaukasische Ovtcharki, Kraski Ovcar, Maremmano Abruzzese, Pyrenäen-Berghunde, Polski Owczarek Nizinny, Polski Owczarek Podhalanski, Sarplaninac, Slovensky Cuvac, Südrussische Ovtcharki und zuletzt auch die Zentralasiatischen Ovtcharki. Dabei können prinzipiell zwei Typen von Hunden unterschieden werden. Bergamasker, Kraski Ovcar und Polski Owczarek Nizinny sind vom Typ her Hütehunde. Kaukasische Ovtcharki, Maremmano Abruzzese, PyrenäenBerghunde, Polski Owczarek Podhalanski, Sarplaninac, Slovensky Cuvac, Südrussische Ovtcharki und Zentralasiatischer Ovtcharka sind typische Herdenschutzhunde. (Der Bouvier de Flandres fällt ein wenig aus dem Rahmen, weil er nämlich eher ein Viehtreiberhund ist als ein Hütehund, aber er mag als Hirtenhund durchgehen.) Das sind in Summe somit gezählte dreizehn Rassen, wobei bei einigen davon auch noch Varitäten auftreten. Die Anatolier lassen sich in Coban Köpegi, Akbash und Karabash unterteilen, bei den Zentralasiaten läuft noch immer eine sezessionistische Tendenz bezüglich des Alabaj und in der Tatra streiten Polen und Slowaken um den Podhalaner und den Cuvac.

Jetzt stellt sich für jeden Hundebesitzer die abschließende Frage, auch wenn die Vereinsmitgliedschaft wirklich billig ist, was tun der Verein, der ÖKV oder die FCI für mich und meinen Hund? Hier muß nun einmal zu der Organisation als solche etwas bemerkt werden. Als Hundebesitzer ist man in dem jeweiligen Spezialverein Mitglied. Der ÖKV ist die nationale Dachorganisation und die FCI die Internationale Dachorganisation aller dieser Vereine. Die Aufgaben dieser drei Institutionen sind nun völlig verschieden voneinander. Der Verein ist der direkte Ansprechpartner in allen Fragen welche einen als Hundebesitzer berühren. Welpenvergabe und Ausstellungstermine, Zuchttauglichkeitsprüfung und Zwingereinrichtung, Wahl des Zuchtrüden und Clubschauen sowie die Herausgabe einer Clubzeitung und vielerlei Beratungsarbeit liegt in den Händen des jeweiligen Vereines, also genauer gesagt eigentlich in den Händen des Zuchtwartes, des Ausstellungsreferenten, des Schriftführers und des Obmannes. ( Aus traditionellen Gründen haben alle diese Funktionen eine maskuline Bezeichnung, tatsächlich finden sich häufiger Damen bereit, diese nur wenig bedankten Aufgaben ehrenamtlich zu übernehmen ). Der ÖKV wieder übernimmt die darüberhinaus gehenden Aufgaben, er verwaltet die Zuchtbücher, vergibt die Zuchtbuchnummern, organisiert und verwaltet die Übersetzungen der Standards. Des weiteren richtet er die Internationalen Ausstellungen aus und koordiniert innerhalb des Landes die Veranstaltungstermine. Über alle diese Tätigkeiten und Ereignisse informiert eine monatlich erscheinende Zeitung, in Österreich die UH – Unsere Hunde. Die FCI sorgt für die internationale Verbindung, sie vergibt und verwaltet die Zwingernamen, sammelt die Originalrassestandards und koordiniert international das Zucht- und Ausstellungsgeschehen. Des weiteren liegt es auch im Aufgabenbereich der FCI neue oder wiederentdeckte Rassen als solche anzuerkennen.

Wie man sieht, sind die Aufgaben vielfältig und im Rahmen einer historisch gewachsenen Organisation gut verteilt. Mit seiner Vereinsmitgliedschaft kann nun jedes einzelne Mitglied dazu beitragen, diese Struktur zu erhalten und wo notwendig auszubauen oder gar zu verbessern. So gesehen ist es für jeden Hundebesitzer, gleichgültig ob er züchten, ausstellen oder nur Freude an seinem Hund hat sinnvoll, nicht nur seinen Mitgliedsbeitrag zu bezahlen, sondern auch die vom Verein angebotenen Veranstaltungen zu besuchen. Zumindest kann man dort gleichgesinnten Leuten kennen lernen, Hunde anschauen und Erfahrungen austauschen. Und wenn man sonst auch nicht auf Ausstellungen gehen will, die Clubschau ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, man hat hier die Möglichkeit, in einem geradezu intimen Umfeld ganz speziell seine Hunderasse in ihrer gesamten Vielfalt zu erleben.  Ich zum Beispiel versuche die Zahl der von mir besuchten Ausstellungen in einem vernünftigen Rahmen zu halten, die Clubschau des AHHC ist für mich und meine Hunde aber immer ein Pflichttermin. ( Nicht ganz uneigennützig, manchmal werden wir auch Clubsieger ! )

Als Resümee kann gesagt werden, daß die gesamte Organisation die Unterstützung durch ihre Mitglieder braucht, aber die Hundehalter als Mitglieder eines Vereines die Leistungen der Organisation bereitwillig in Anspruch nehmen und auch dringender brauchen.