|
Richtig, das sind nun wirklich keine Hunde. Aber schon seit vielen Jahren, richtiger Jahrzehnten, besitzen und pflegen wir Schildkröten. und auch auf unserer HP haben wir diesen Umstand immer schon erwähnt. Aber in der letzten Zeit haben sich einerseits die Anfragen bezüglich unserer Schildis gehäuft und andererseits ist unser eigener und ursprünglich nur auf Sulcatas beschränkter Schildkrötenbestand geradezu “explodiert”. Geplant war bloß, ein Paar oder Doppelpaar der Sporen zu halten. Sulcatas deswegen, weil die beiden anderen Riesenschildkrötenarten ( gigantea und nigra ) praktisch unerschwinglich sind und Haustiere einfach eine gewisse Größe haben müssen um Zugang zu ihnen zu finden. Wie soll man Kontakt mit einem Tier aufnehmen, welches man nicht anfassen kann und kaum sehen kann? Also schafften wir uns Sporen an, und bekamen anfangs mehr Böcke als Weibchen, um das Verhältnis zu “reparieren” kamen weitere Tiere dazu. Durch unsere Suche nach Tieren und Information entstanden viele Kontakte, wir erreichten eine gewisse Bekanntheit. Der Zugang der Griechen hat sich dann einfach so ergeben, und von da an haben wir beschlossen, einfach jede Schildkröte bei uns aufzunehmen, welche keinen geeigneten Platz hat. Natürlich werden wir auch versuchen, eventuelle Fragen zu beantworten und bei Problemen zu helfen. Und wenn wir keine Antwort wissen, kennen wir jedoch ganz sicher Leute, welche mehr oder andere Erfahrungen haben als wir und dann werden eben diese helfen.
Der zeit tummeln sich in unserem neuen Schildkrötenhaus vier richtig große und zwei etwas kleinere Sporenschildkröten, vier große Weibchen der Schwarzen Burmesischen Landschildkröte und auch noch sechs Pantherschildkröten und auf dem “Tisch” fünf gelbköpfige so wie drei rotköpfige Köhlerschildkröten gemeinsam mit drei kleinen Burmesen, sowie eine ganze Menge verschiedener Schildkrötenbabys. Für die Erdschildis haben wir ein eigenes Abteil mit einem großen Badebecken eingerichtet, welches sie sich im Winter mit dem Concinna-Bock teilen müssen - das klappt ganz tadellos. Stehen im Schildihaus in Summe ( Bodenfläche und Tisch, doch gut 50 Quadratmeter Nutzfläche bei einem gesamten Raumvolumen von rund 85 Kubikmetern zu Verfügung ( - nur mit Neuzugängen tun wir uns jetzt schwer ) . Beleuchtet wird das Ganze mit 1450 Watt aus 25 Leuchtstoffbalken a’ 150 cm und 620 Watt welche UV-Strahler liefern und ventiliert wird das Ganze von unseren frei fliegenden Piepsern viel besser als mit den ursprünglichen Ventilatoren. Unsere Stromrechnung ist, wie sich jeder unschwer ausmalen kann, dementsprechend. Aber wir müssen nicht zusätzlich heizen - denn das Haus ist so isoliert, dass keine weitere Heizung von Nöten ist - dabei halten wir die Temperatur zwischen 21°C in der Nacht und bis zu 34°C tagsüber! Und für den Fall des Falles, des Stromausfalles nämlich, steht bei uns ein 4kW-Notstromaggregat bereit. Damit können wir selbst bei einem längeren Stromausfall nicht nur den normalen Betrieb des Schildihauses unbegrenzt lange aufrechterhalten, sondern auch den Betrieb aller der wichtigen Elektrogeräte im Wohnhaus wie etwa Kühlschrank, Licht und Therme sicher stellen. Als Bodengrund dienen drei Tonnen Sand, einige Zentner Steine und Ziegel so wie rund ach thundert Liter Rindenmulch. Das zählen wir hier nur deshalb so detailliert auf, um gleich am Anfang klar zu stellen, dass Schildkröten zu halten bei weitem nicht so einfach ist, wie manche Leute glauben. Und viel schwieriger und aufwendiger als manche ahnungslose oder vielleicht sogar verantwortungslose Tierhändler ihre unerfahrenen Kunden glauben lassen. So haben wir versucht, ein wirklich vorbildliches und auch für die nächsten Jahrzehnte taugliches Domizil für unsere Tiere zu errichten. Und es scheint uns doch ganz gut gelungen zu sein - oder? Um dem ganzen mehr Farbe zu geben - und weil wir solche kleinen Flattermänner wollen, gi bt es diese, wie rechts zu sehen ist, auch bei uns. Und wir denken dass das so in Ordnung ist, denn diese Agaporniden stammen aus praktisch dem selben Klima und Habitat wie die Pantherschildkröten und so schmücken die kleinen Papageien nicht nur durch ihre prächtigen Farben, sondern fühlen sich im Winter ( im Sommer sind die Vögel in ihrer Voliere im Garten ) hier eben so zu hause wie die Schildis. Nach langer Zeit und vielen Versuchen ist es uns also gelungen, die Bedürfnisse der Schildis ordentlich zu befriedigen. Aber der Weg bis dahin war ein verschlungener, oftmals dorniger. Und wie anfangs erwähnt, die Informationsbeschaffung ist gar nicht so einfach, Manches wird als Tatsache dargestellt was in Wahrheit völliger Blödsinn ist.
Und so gibt es einige immer wieder gehörte Aussagen, welche uns so verärgert haben, dass diesen hier und sofort begegnet werden soll:
Man kann keine ( besonders gilt das natürlich für tropische Arten ) Schildkröte ohne Zusatzbeleuchtung halten. Schildkröten benötigen noch mehr als alle anderen Reptilien unbedingt eine ordentliche Dosis UV-Licht, und zwar das ganze Spektrum des Lichtes, nicht nur sichtbares Wellenlängen sondern auch UVA und UVB. Spezialleuchtstofflampen oder Quecksilberdampfstrahler sind da die einzige Möglichkeit diesen Bedarf annähernd ausreichend zu befriedigen. Sieben Minuten volles Sonnenlicht pro Tag reichen, diese Dosis kann durch eine 10 bis 14 stündige Beleuchtung mit Speziallampen ersetzt werden!
Man kann keine Schildkröten einfach aus der Dose füttern. Gerade die Ernährung der vegetarischen Landschildkröten ist eine ständige Gratwanderung zwischen den Zielvorgaben und den Möglichkeiten. Calcium und Phosphor müssen in einem ausgeglichenen Verhältnis ( Ca : P = 2 : 1 ) enthalten sein. Daneben brauchen Schildis genügend Eiweiß (die Panzerplatten bestehen aus Horn - einer Eiweißsubstanz ), aber ja nicht zu viel davon und ordentlich Faserstoffe für eine geregelte Verdauung. In der jüngsten Vergangenheit tauchten recht handfeste Vermutungen auf, dass Gemüse, welches durch Befüllen der Verpackung mit einem Schutzgas behandelt, bzw. konserviert wurde zu gesundheitlichen Beeinträchtigungern der Tiere führen können. Bei einigen Echsen scheint mir dieser Verdacht gesichert, für Schildkröten fehlen noch brauchbare Erfahrungswerte, Vorsicht scheint mir jedoch geboten.
Bei Sporen macht nicht das falsche Futter die Höcker auf dem Panzer. Auch in der Literatur findet sich diese Geschichte immer wieder. Selbst sonst gute Quellen behaupten, zu viel Eiweiß macht den Panzer höckerig, was falsch ist. Durch einen Eiweißüberschuß werden die Nieren belastet, aber wenn die einzelnen Rückenschilder pyramidenförmigen wachsen, war die Luft zu trocken! Auch Sporenbabys brauchen eine Luftfeuchtigkeit von über 70% , 80 % wären noch besser, um einen schön glatten Panzer auszubilden. Bei Panthern und Köhlern scheint das wohl doch so zu sein - hier fehlen noch grundlegende Forschungsarbeiten. Kalk- und UV-Mangel scheinen gemeinsam mit zu kalorienreicher Ernährung bei Panthern zu einer geradezu grotesken Höckerbildung zu führen. Da wir gerade wieder mit solch höckerigen Schildis konfrontiert sind, eine davon mit massiven Gelenksproblemen, werden wir in Laufe der kommenden Jahre sicher etwas dazulernen und umgehend davon berichten!
Auch der leider oft zu findende “Sattelrücken ist auf Haltungsmängel zurück zu führen. Rachitis in der Jugend zeigt sich im Alter - auch wenn ausgeheilt - oft als Senkrücken. Das behindert die Tiere meist nicht, aber es sieht sehr häßlich aus.
Man kann keine Schildkröte in einem Hasenstall/Aquarium/Schuhkarton halten. Es gibt gesetzlich festgelegte Mindestanforderungen für die Unterbringung von Schildkröten. Die Betonung liegt dabei auf “Mindest”, eine sinnvolle Faustregel verlangt für ein einzelnes Tier ein Terrarium welches 8 Panzerlängen lang und vier Panzerlängen breit ist, ein zweites Tier bekommt noch einmal die Hälfte davon dazu. Das ergibt schon für zwei Griechische Landschildkröten, deren Panzer bloß 25 Zentimeter misst, ein Terrarium mit einer Grundfläche von etwa 3 Quadratmetern! Bei der üblichen Bautiefe von Terrarien bedeutet das eine Frontlänge von rund 5 Metern! ps.: Sporen werden rund einen Meter lang, Panther oder Manourias immerhin noch 70 cm, Köhler einen knappen halben Meter!
Man kann keine Schildkröte einfach anschaffen und besitzen. Denn alle Schildkröten unterliegen der Meldepflicht und der Verpflichtung des Herkunftsnachweises. Dafür ist der Amtstierarzt der jeweiligen BH / des Magistrates die zuständige Behörde. Denn alle Schildkrötenrassen sind im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet. Ausgenommen sind nur die Rassen Geochelone nigra, Geochelone radiata, Geochelone yniphora, Gopherus flavomarginatus, Psammobates geometricus, Pyxis arachnoides, Pyxis planicauda, Testudo kleinmanni und Testudo werneri - die sind nämlich im Anhang I aufgeführt! Das bedeutet für alle diese Arten zusätzlich eine Meldepflicht nach dem Artenschutzabkommen beim Bundesministerium für Land-& Forstwirtschaft und das bedeutet praktisch ein Verbot des Handels zwischen Privatpersonen. Dieses Washingtoner Artenschutzübereinkommen wurde von den meisten Staaten der Welt akzeptiert, die EU hat dieses Abkommen sogar in den Gesetzesstatus erhoben, die EU-Verordnung 338/1997 weist praktisch den selben Inhalt wie das WA auf, nur sind die Schildis hier nicht im Anhang II gelistet sondern im Anhang B - Alles klar? Darüber hinaus dürfen in Europa auch Tiere der mediterranen Rassen nur mit einem CITES-Dokument gehandelt werden. Verstöße gegen diese Gesetze werden zum Teil mit hohen Geldstrafen geahndet, schlimmer für den nachlässigen Halter ist aber, dass bei solchen Strafverfahren regelmäßig alle Tiere konfisziert werden.
Innerhalb der EU können die WA II / 338 B Tiere ohne große Probleme speditiert werden, eine Herkunftsbescheinigung genügt, weiterer Dokumente sind nicht notwendig, es sei denn, der Wert der Tiere übersteigt die Freibeträge für den im Schengener Abkommen geregelten Grenzverkehr - was aber unwahrscheinlich ist. Schwierig wird es dann, wenn die Tiere in die EU ‘rein oder aus dieser ‘raus sollen. Der Papierkrieg ist mörderisch, ein seriöser Fachmann erklärte uns einmal ( nur halb im Spaß ! ), dass die notwendigen Papiere schwerer wogen als die von ihm exportierten Denticulatas
Man kann keine Schildkröte ohne ausreichendes Fachwissen und medizinische Betreuung halten. Prinzipiell stammen Schildkröten, speziell Landschildkröten aus wärmeren Gegenden als bei uns, aber die Habitate, die Ernährungsbedürfnisse und die Gewohnheiten sind unglaublich vielfältig. Schildkrötenarten mit völlig ähnlichem Aussehen können aus so unterschiedlichen Gebieten stammen, dass eine Vergesellschaftung einfach nicht möglich ist. Und die Literatur hilft auch nicht immer weiter, der Rat erfahrener Schildihalter ist da viel zuverlässiger. Natürlich werden Reptilien nicht wie Hunde geimpft, aber regelmäßige Kontrollen durch einen Veterinär sind schon notwendig. Und man braucht dazu nicht irgendeinen Viehdoktor, sondern einen spezialisierten Tierarzt welcher ausreichende Erfahrung mit Reptilien, vorzüglich und ganz speziell mit Schildis hat. Man darf nicht vergessen, wie viele verschiedene Fachärzte sich mit der Gesundheit, oder den Leiden der Menschen beschäftigen, ein Tierarzt soll das Alles und für viele verschiedene Gattungen können und verstehen - wohl ein wenig viel verlangt. Reptilien sind von den warmblütigen Heimtieren sehr verschieden, was für ein Säugetier bedeutungslos ist, kann ein Reptil töten - und umgekehrt. Besondere Gefahr bestehen durch die gut gemeinte Überdosierung von Vitaminpräparaten.
Und gerne stellen wir unsere Erfahrungen, welche wir während des Baues unseres Schildkrötenhauses gewonnen haben, zur Verfügung. Ein kleiner Vorgeschmack ist auf der Seite “Schildkrötenhaus” zu finden. Wer selber so etwas bauen will, kriegt jede notwendige Information über Hochbau und Isolierung, Innengestaltung und Beleuchtung von uns. Und was wir nicht theoretisch erklären können, zeigen wir gerne in der Praxis.
|