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Unsere Manourias 

Glöeichzeitig mit den Cherryheads sind auch fünf Manourias bei uns eingezogen. Jetzt wird sich wohl jeder fragen, was z.. T..... sind Manourias? Klar - Schildkröten, aber welche? Die deutsche Namensgebung ist, wie so oft, recht eigenartig. Man spricht von der Braunen oder Schwarzen Hinterindischen oder Burmesischen Landschildkröte. Die aktuellen politischen Ereignisse in Myanmar ( früher Birma oder Burma genannt ) haben uns auf traurige Weise mit der Geographie vertraut gemacht. Die Schildkröte hat davon aber sicher nichts Gutes zu erwarten. Durch das Abholzen der Monsunwälder, das Einfangen zum Zwecke des Verzehres und der Bereitung traditioneller chinesischer Medizin in ihrem Bestand seit längerer Zeit stark gefährdet werden die zu befürchtenden zukünftigen Kriegswirren ihre Population noch mehr reduzieren. Und wie eigentlich immer, unternehmen die Mächtigen nichts. So wie die UNO bloß lasch-laue Lippenbekenntnisse gegen die eskalierende Gewalt ablegt hat es die IUCN noch immer verabsäumt diese Schildkrötenart auf den Anhang 1 des WAA zu reklamieren.

Junge, noch kleine Tiere dieser Gattung sehen schon ganz eigentümlich aus, die Ausformung der einzelnen Schilder ist recht eigenwillig, der Gesichtsausdruck wird von den großen Augen und dem auffälligen Schnabel bestimmt. Mit zunehmendem Alter wird der Panzer immer glatter, die Ausprägung der typischen Kopfform wird immer deutlicher. Erwachsene Tiere können Längen von bis zu einem dreiviertel Meter erreichen, unsere große, alte MORLA ist jetzt rund 60 Zentimeter lang, etwa so groß wie es unsere Sporenböcke sind, aber deutlich leichter und flacher gebaut. Ihre Lebensgewohnheiten ähneln in vielen Belangenen jenen der Köhlerschildkröten, also viel Wasser zum Baden und hin und wieder ein wenig tierisches Eiweiß auf dem Speiseplan. Hier genießt sie es, geraspelte Karotten ohne Anstrengung zu vertilgen. Diese sind zwar für die kleineren Panther bestimmt gewesen, aber das hält sie nicht davon ab, sich daran gütlich zu tun. Notwendig hätte sie es nicht, denn für ihren Schnabel sind selbst die größten und härtesten Karotten bloß eine leichte Übung. Diese gewaltigen Kiefer sind bestens geeignet, selbst die zäheste und faserigste Kost zu zerkleinern, der hakenfürmige Oberkiefer ist messerscharf und bohrt sich mühelos durch wohl jedes Material. Aber man kann die alte Dame ganz unbesorgt mit der blossen Hand füttern, ganz bedächtigt fasst sie nach dem angebotenen Futter und beißt schön langsam Bissen um Bissen davon ab. Diese Art der Fütterung gefällt ihr so gut, dass sie dabei manchmal ganz auf das Schlucken vergisst und nur mehr abbeissen will! Das liegt aber bloß an ihrer Bequemlichkeit und unserer Nachgiebigkeit. Wir befanden dieses Tier für zu leichtgewichtig und verwöhnten sie mit Leckerbissen - Bananen und Champions, Mäuse und Mandarinen stopften wir ihr regelrecht in den Rachen. Und dieser Service fand Gefallen und ... siehe oben!

Und durch Vermittlung der ÖGH sind noch weitere drei große Manouria emys phayrei - Damen bei uns eingezogen. Jetzt gilt es abzuwarten, ob unter den drei Jungtieren wirklich Böcke sind. Noch sind die drei zu klein um eine seriös, eine definitive Geschlechtsbestimmung vorzunehmen, aber wir rechnen doch mit mindesterns einem, wahrscheinlich zwei Böcken - die Nachzucht ist, zumindest in der näheren Zukunft - somit gesichert.

ps.: Diese Manourias existieren in zwei Unterarten. Die Nominatform Manouria emys emys, die “Braune” kommt weiter südlich, die große “Schwarze” Manouria emys phayrei nördlich und nur auf dem Festland vor. Die Graphik wurde der Turtle and Tortoise Newsletter, 2000, 5:2-6 © 2000 by Chelonian Research Foundation entnommen und zeigt eine Übersicht der Verbreitungsgebiete. Wie man diesem Bild entmehmen kann, gibt es eine kleine Übergangszone, in welcher sich die beiden Unterarten vermischen. Da wir einen sehr aktiven Bock der Nominatform zu unseren phayrei Weibchen “mitbekommen” haben, galt es eine passende Lösung zu finden um diese mögliche aber unerwünschte Unterartenvermischung zu vermeiden. Glücklicherweise haben wir Freunde, welche ähnlich verrrückt sind wie wir, und bei denen ist der Bock einmal bestens untergebracht. Jetzt fehlen uns aber Weibchen der Nominatform um auch diese Unterart reinerbig weiterzuzüchten. Denn noch ist Grad der Gefährdung der Nominatform wahrscheinlich nicht so bedrohlich wie der bei der Festlandform, aber gesichert ist auch ihr Bestand nicht. Und wenn wir schon das Glück haben über so ein Tier zu verfügen werden wir auch alles daran setzen, eine arterhaltende Zucht zu ermöglichen.