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Schildizoo 

Wir haben jetzt so oft gehört, daß es bei uns wie in einem Zoo zugeht, dass wir das jetzt langsam beginnen ernst zu nehmen. Da wir ja schon einen ganz beachtlichen Tierbestand besitzen, uns ein recht ordentliches Fachwissen angeeignet haben und ich selber höchstwahrscheinlich schon in den nächsten paar Jahren in den Ruhestand geschickt werde kann das demnächst innAngriff genommen werden. Und da zuerst ein Plan gemacht werden muß, haben wir einmal so etwas wie ein Exposse angefertigt. Natürlich noch ein Entwurf, aber ein erster Ansatz.

 

Exposee / Memorandum

 

Ausgangssituation „Tropische Landschildkröten“

Seit mehr als 100 Millionen Jahren sind Schildkröten in ihrer Form weitgehend unverändert. Im Gegensatz zu vielen anderen Reptilien erwecken Schildkröten bei den Menschen eher Interesse als Abscheu oder Vorsicht. Und genau das wird ihnen zum Verhängnis. Die christliche Seefahrt benutzte die Schildkröten der Inseln als lebenden Proviant, die Menagerien sind seit Jahrhunderten im Besitz von Schautieren. Der Tiergarten Schönbrunn zeigt seit 1816 mediterrane Schildkröten und seit 1835 Galapagosschildkröten. Seither ist dieser Trend, Schildkröten als Haustier zu halten ungebrochen, in der 2. Hälfte des 20 Jahrhunderts erlebte er einen Höhepunkt, es wurden Schildkröten in jeder Tierhandlung feilgeboten, kaum Nachzuchten, meist Wildfänge aus der ganzen Welt. Teils bereits zum Zeitpunkt des Importes schon krank und unterkühlt wurde diese Tiere oft unsachgemäß gehalten und falsch ernährt und konnten nur mit einer geringen Lebenserwartung aufwarten.  Schildkröten leiden und sterben lautlos. Und die meisten dieser Tiere taten genau dieses schon im ersten Jahr ihrer Gefangenschaft, und das zu Tausenden.

 

Ausgangssituation „Papageien und Großsittiche“

Papageien ( und Sittiche ) sind von allen Vögeln diejenigen, welche bei den Menschen die größte Beliebtheit genießen. Seit Jahrtausenden werden diese Tiere der Natur entnommen und seit Jahrhunderten ihre Habitate zerstört. Zu Beginn des 20 Jahrhunderts wurden mit billigen Transportmitteln Tausende, wahrscheinlich Millionen Vögel nach Europa und Nordamerika importiert. Ernährungsmängel und Haltungsfehler ließen aber die bunten Flieger sterben wie die sprichwörtlichen Fliegen. Und so schön diese Tiere anzusehen sind, so problematisch kann ihre Haltung werden. Der Lärm den sie veranstalten können und der Schmutz den sie unweigerlich verbreiten vergällte vielen Haltern die Freude an ihrem exotischen Haustier. So werden immer noch Vögel einfach „freigelassen“ oder landen in Tierheimen, welche oft selber überfordert sind. Wenn die Papageien nicht schon vorher an den Folgen der Haltungsfehler versterben.

 

Kritische Situation in den Habitaten

Gleichzeitig leiden die Bestände eigentlich aller Wildtiere unter einer großflächigen und schon seit Jahrzehnten betriebenen Zerstörung der Habitate. Die Schlägerung der Tropenwälder, die Versteppung der Wiesenflächen und die Verwüstung der Steppengebiete tragen genauso wie die der Bau von Straßen und die explosive Bevölkerungszunahme zum Verschwinden einer Art nach der anderen bei. Großräumige Klimaänderungen, Ozonloch und Umweltverschmutzung verschärfen die Situation noch zusätzlich.

 

Heute ist es endgültig so weit, dass viele Schildkrötenarten in ihren ursprünglichen Habitaten weitgehend ausgerottet sind während im Besitz von zoologischen Gärten und privaten Tierliebhabern noch eine ganz erhebliche Anzahl davon leben. Einzelne Organisationen versuchen nun immer wieder Nachzuchten wieder auszuwildern. Was weitgehend erfolglos bleiben muss, da den in die freie Wildbahn entlassenen Tieren die passenden weil zerstörten Lebensräume fehlen. Letztendlich sind diese wohlgemeinten und ernsthaften Bemühungen immer nur einzelne Tropfen einen bereits glühend heißen Stein.

 

Der Südamerikanische Halbkontinent ist die Heimat der beiden bekannten großen Gruppen von Papageienarten, den Aras und den Amazonen. Hier wurden diese Tiere von den Ureinwohnern stets nur gering bejagt und der Bestand mit großer Sorgfalt beobachtet. In Amazonien ist die Haltung halbzahmer Aras seit Menschengedenken Brauch. Erst die moderne Holzindustrie bedroht die Tierbestände, und da ganz besonders die Vogelwelt durch die Schlägerung der gefragten Tropenhölzer. Einige Araunterarten ( wie etwa der bekannte Spixara ) und verschiedene Sittiche sind in den letzten Jahrzehnten nicht mehr in freier Wildbahn registriert worden.

 

Ungenügende Schutzmaßnahmen

Viele Schildkrötenarten werden immer noch auf dem 2. Anhang des Washingtoner Artenschutzabkommens geführt, sind aber bereits am Rande der Ausrottung. Zum Beispiel werden die südostasiatischen Cuora-Arten, darunter die bekannte Gelbrandschildkröte im Laufe der nächsten zehn oder zwanzig Jahre in freier Wildbahn nicht mehr anzutreffen sein. Selbst die Sporenschildkröte, die größte Schildkrötenrasse des Festlandes, mit einem riesigen Verbreitungsgebiet in Nordafrika ist in ihrem Fortbestand in ihrer Heimat gefährdet. Aber diese und noch viele anderer Arten unterliegen immer noch keinem weiterreichenden Schutz.

Die wirtschaftlichen Umstände in den Herkunftsländern dieser Tiere sind kurzfristig nicht zu ändern, auf keinen Fall für den Erhalt der Tiere schnell genug. Dazu bedürfte es einer wirtschaftlichen Entwicklung und einer Bildungsoffensive welche zeitlich nicht unterzubringen ist. Trauriger Weise ist es auch nicht wahrscheinlich, dass diese Maßnahmen überhaupt finanzierbar sind.

Bei den Papageien sieht die Situation ganz ähnlich schlecht aus. Von den vielen Vögeln welche von privaten Liebhabern gehalten werden fristen viele, vielleicht sogar die meisten ein völlig widernatürliches Leben. Die gesetzliche Meldepflicht wird schlicht und einfach von den Tierbesitzern ignoriert, oft wird der Amtstierarzt nur durch Zufall oder erst durch eine Anzeige informiert. Und viel öfter noch erfährt die Behörde nie etwas – und kann so natürlich auch nichts bewirken. Einzelhaltung und Prägung auf den Menschen, viel zu kleine Käfige und falsches Raumklima verkrüppeln im Laufe der Jahre und Jahrzehnte unsere prächtigsten Gefiederträger.

Grundsätzlich ist der Tierhalter selber an all diesen Missständen schuld. Aber er hat bei diesem verwerflichen Tun willige Helfer. Skrupellose Tierfänger, geldgierige Tierhändler und sorglose Züchter machen dieses Umgehen der Gesetze erst möglich. Wir werden daran wohl nicht viel ändern können, aber das Bewusstsein der Tierhalter von morgen können wir beeinflussen. Unser Ziel muss es sein, nicht nur dem erwachsenen Menschen sachdienliche Information zu bieten sondern gerade den Kindern von heute einen Zugang zu der Tierwelt eröffnen. Wenn die Kleinen schon begreifen, dass diese unsere Tierwelt ein kostbares Gut sind, welches einmal vernichtet unwiederbringlich verloren ist. Darüber hinaus gelingt es vielleicht auch, nicht nur Wissen und Verständnis zu vermitteln sondern bei manchen unserer Besucher auch das ernste Interesse, möglicherweise sogar die Ambition ihres Lebens zu wecken?

 

Der Schritt in die Öffentlichkeit

Um diese Ziele verwirklichen zu können, müssen wir unsere Botschaft an ein möglichst breites Publikum herantragen. Plakatives Informationsmaterial, werbewirksame Auftreten und auch für Kinder leicht zu merkende Features müssen etabliert werden, etwa so:
Es gilt die Attraktivität für die Besucher zu erhöhen, deshalb sollen neben den Schildkröten auch andere Tiergattungen, welche aus denselben Ursprungsgebieten stammen ausgestellt werden. Wie weit sich das mit Großtieren oder gar Primaten verwirklichen lässt ist nicht sicher. Gut geeignet sind in diesem Zusammenhang die Papageien, welche ja auch unter genau den gleichen Problemen leiden wie es die Schildkröten tun. Baulich ist eine gemeinsame Unterbringung leicht möglich, die Ansprüche an die Unterbringung und die Betreuung von Vögeln und Reptilien unterscheiden sich ( erstaunlicherweise ) nur im Detail. Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Lichtbedarf und Futterzusammenstellung sind ganz ähnlich, teilweise sogar völlig identisch. Wechselseitige Ansteckungen mit Krankheiten sind, trotz der physiologischen Ähnlichkeit, auch nicht zu befürchten. Diese gute Verträglichkeit ist dadurch zu erklären ist, dass die Tierarten in den selben Habitaten vorkommen. So decken sich zum Beispiel in Afrika das Verbreitungsgebiet der Pantherschildkröte mit dem Vorkommen der Agaporniden oder in Südamerika der Lebensraum der Köhler- und Waldschildkröten mit Lebensraum der meisten Aras. Wodurch es sich geradezu aufdrängt, diese Tiere in einem Naheverhältnis zu präsentieren – auf einer Seite des zentralen Besucherganges die Schildkröten, auf der anderen Seite die passenden Papageien.

 

Aufgabenstellung

Dieser Zoo soll nicht nur dazu beitragen diese Tierarten zu erhalten, sondern sie auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Tiere in einer möglichst artgerechten Umgebung bei ihrem arttypischen Verhalten beobachten zu können soll das Ziel sein. Dazu möglichst kompakte und auch für Laien verständliche Information bieten und darüber hinaus ein Zentrum des Erfahrungsaustausches werden. Treffen von Fachleuten sollen genauso wie Vorträge vor Schulklassen oder Kindergartengruppen zur ständigen Einrichtung werden. Eine Zusammenarbeit mit Bildungsinstituten wie etwa der Volkshochschule ist ebenfalls geplant.

 

Unser Kapital

Wir bringen ein umfassendes, in Jahrzehnten erworbenes Fachwissen mit, weit reichende Kontakte und einen tadellosen Tierbestand. Diese Eigenschaften wurden uns auch per Bescheid der BH/Amtstierarzt attestiert. Wir wissen genau wie eine solche Anlage zu bauen und zu gestalten ist, kennen die dazu befähigten Professionisten. Und wir haben auch schon selber ( zwar viel kleiner – 50 statt 500 Quadratmeter - aber sonst vorbildlich ) ein Schildkrötenhaus erbaut.

Der Betrieb der gesamten Anlage und die Betreuung des Tierbestandes sollte dann wieder durch den Verkauf von Nachzuchten und die Erlöse aus Eintritt und Vortragshonorare abgedeckt werden. Bei dieser Art der Betriebsführung ist prinzipiell kein namhafter finanzieller Gewinn zu erwarten, soll auch nicht das erklärte Ziel sein.

 

 

Unser Defizit

Was uns fehlt sind aber die nicht unerheblichen finanziellen Mittel um erstens eine geeignete Liegenschaft ( eben, nach Süden offen und mindestens 10 000 Quadratmeter groß ) zu erwerben und zweitens die notwendigen Hochbauten zu errichten.

 

Die Möglichkeiten

Wir streben an, dass Institutionen wie das BuMI für Land & Forstw ( Artenschutz ), BuMi für Wissen & Familie ( Bildungsfunktion ), Gemeinde ( Umwegrentabilität ), Vereine und Verbände ( Anlaufstelle und Kontaktpunkt ) und private Sponsoren ( Werbewirkung ) einen finanziellen Beitrag zur Errichtung leisten.

 

Eine Rechtsform  ( Stiftung ? ) muss gefunden werden, welche einerseits das Lukrieren der notwendigen Mittel ermöglicht und den Donatoren beschränkte Mitsprache bietet.
Auch um die Zukunft unserer eigenen Tiere zu sichern, ist das notwendig, haben wir doch Sporenschildkröten, welche erst einige wenige Jahre alt sind und die Lebenserwartung dieser Tiere liegt bei bis zu 140 Jahren. Da ist abzusehen, dass die Tiere uns um Beträchtliches überleben werden.

 

Der Plan

In mehreren Schritten scheint es in relativ kurzer Zeit durchführbar, einen Zoo zu errichten, welcher nicht nur den von uns angestrebten Zielen genügt, sondern auch einerseits publikumswirksam ist und andererseits einen Standard in der Tierhaltung setzt, der keinen internationalen Vergleich zu scheuen braucht.

1, Eine Kommune muss sich bereit erklären, eine geeignete Liegenschaft zu Verfügung zu stellen. Die Anforderungen an dieses Grundstück sind a, Mindestgröße 10 000 Quadratmeter b, Nicht im Wohngebiet ( Lärm der Vögel ) c, Brauchbare Anbindung an das öffentliche Straßennetz ( Parkmöglichkeit ) d, Nicht direkt an einer stark befahrenen Straße ( Luftverschmutzung und Lärm )

2, Ein Bauplan, basierend auf der folgenden Skizze ist zu erstellen, am Besten sofort von dem anschließend den Hochbau ausführenden Baumeister. Das ist sehr wichtig, da die Installation der Infrastruktur ( Heizung, Beleuchtung, Badebecken …. ) Hand in Hand mit dem Fortschritt des Hochbaues zu erfolgen hat. Die Besonderheit dieser Art des Baues ist, dass dieses Gebäude modular erweiterbar ist. Auf dieser Skizze ist rechts der Eingang mit den Stiegen, dem Zugang zum Wirtschaftsbereich etc. zu sehen. Links ist das Objekt so abgeschlossen, dass eine Verlängerung nach Bedarf möglich ist.

 

 

3, Über eine Sponsoringaktion müssen die notwendigen Geldmittel aufgebracht werden. Eine Bausteinaktion etwa scheint geeignet zu sein, da nicht von Anfang an das gesamte Kapital notwendig ist und der „Verkauf“ dieser Bausteine auch noch nach dem Beginn der Arbeiten erfolgen kann. Vielleicht ist sogar der Fortschritt des Projektes ein zusätzlicher Ansporn für potentielle Geldgeber, ein vorzeigbares Unternehmen ist als Werbeträger natürlich reizvoller als ein mittelmäßiger Laden. Und wir haben vor, etwas zu errichten, das in der ganzen Fachwelt für Aufsehen sorgen wird.

4, Wir beginnen gleichzeitig mit dem Baubeginn den Tierbestand aufzustocken. Dabei erwarten wir Unterstützung einerseits der Herpetelogischen Vereinigung Österreich bei der Expansion des Schildkrötenbestandes und andererseits von der ARGE Papageienschutz bei der Beschaffung der Papageien. Beide Organisationen erfreuen sich einer tadellosen Reputation und beide kämpfen mit dem Problem, Tiere auf geeigneten Plätzen unterzubringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir ständig Nachzuchten unserer eigenen Schildkröten abgeben können ( derzeit bis zu 100 Tiere pro Jahr, Tendenz stark steigend ) und dadurch die Möglichkeit besteht, fremde Tiere einzutauschen. Viele Züchter sind nämlich nicht bereit ihre Tiere zu verkaufen, sind aber durchaus an einem Tausch interessiert.

 

Soweit einmal unsere Vorstellungen, für Anregungen und Tipps, Erfahrungswerte und Hilfe sind wir jederzeit empfänglich und dankbar. Wer immer dazu etwas beizutragen hat, natürlich auch Kritik, ist herzlich willkommen!