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Über die Rasse 

Der Zentralasiatische Ovtcharka – ein Kurzportrait der Rasse

Der Zentralasiatische Ovtcharka ist eine in West- und Mitteleuropa noch weitgehend unbekannte Rasse. In seiner ursprünglichen Heimat wird diese Art von Hund aber schon seit undenklichen Zeiten gezüchtet. Nur Tiere von bester Gesundheit, mit größter Verteidigungsfähigkeit und bestem Sozialverhalten wurden erhalten und weitergezüchtet. Das Aussehen war dabei völlig egal, sogar die Farbe hatte keine Bedeutung. Denn ZO sind typischerweise bei ihrer Arbeit auf sich selber gestellt. Kein Hirte eilte den kämpfenden Hunden zu Hilfe, also musste man sie auch nicht im Dunkel der Nacht von Wölfen unterscheiden können. Die meist nomadisch lebenden Viehzüchter zogen und ziehen heute teilweise wieder, durch ein Gebiet welches fast so groß ist wie ganz Europa ist. Heute liegen in diesem Gebiet fünf Staaten, Kasachstan, Usbekistan, Kirgistan Turkmenistan und Tadschikistan, früher alles Republiken der UdSSR, heute selbständig. Einerseits unterdrückte die damalige Sowjetregierung die gewohnten Reisebewegungen dieser freiheitsliebenden Nomaden, andererseits jedoch entstanden erst durch diese zentralistische Regierung die Voraussetzungen für eine Rassehundezucht. Erst unter der Patronanz der damaligen Union der Sowjetrepubliken wurde aus den ortsansässigen Herdenschutzhunden eine Rasse, welche in weiterer Folge dann im Jahre 1989 von der FCI unter der Rassenummer 335 in der Gruppe 2, Sektion 2.2 anerkannt wurde.

Aber auch die Russen haben wenig Wert auf modische Extravaganz gelegt, sondern immer nur auf eine entsprechende Funktionalität selektiert. Leider jedoch völlig ohne Rücksicht auf lokale Schläge oder Rassetypen, so wurden ganz einfach alle Herdenschutzhunde aus einem Gebiet fast so groß wie ganz Europa zu einer einzigen Rasse zusammengefasst. Das erklärt, warum es so große Unterschiede im Aussehen dieser Rasse gibt. Ihnen allen gemeinsam ist aber der für alle Herdenschutzhunde typische Charakter, der neben einer ausgesprochenen Ruhe und Verträglichkeit innerhalb seines Sozialverbandes auch einen ausgeprägten Verteidigungstrieb aufweist. Und so ist der ZO bis heute ein naturbelassener und ursprünglicher Hund geblieben. Neben seinem ruhigen Wesen und seiner körperlichen Gesundheit weist dieser Hund ein völlig intaktes Sozialverhalten auf. Durch diese Eigenschaften, gepaart mit seiner ausgeprägten Bereitschaft, ihm Anvertrautes zu beschützen, kann gerade diese Rasse auch in der heutigen Gesellschaft einen Platz finden.

Für Menschen, welche einen treuen Freund, einen unbestechlichen Wächter und unerschrockenen Begleiter für sich und ihre Familie suchen, kann ein ZO der ideale Hund sein. Ruhig und beständig wird ein guter ”Asiat” immer und unbeirrbar für die Seinen da sein. Völlig ungeeignet ist diese Rasse jedoch für alle jene, welche statt eines Freundes ein Sportgerät suchen, oder solche Leute die blinden Kadavergehorsam erwarten oder noch schlimmer, für solche Menschen welche in einem Hund ein Prestigeobjekt oder gar eine Waffe sehen. Und für die Haltung im Zwinger oder gar an der Kette ist dieser Hund (wie jeder andere auch) natürlich völlig ungeeignet.

Die Weltsicht eines ZO ist in grundlegenden Dingen anders, als das bei Rassen aus gemäßigten Regionen üblich ist. “Seine” Familie ist für ihn alles, fremde Menschen oder Tiere sind eben nur “ Fremde ”. So liebevoll und freundlich, so verträglich und geradezu aufopferungsvoll er die “Seinen” behandelt, so misstrauisch ist er “Fremden” gegenüber. Und man darf sich nicht von seinem ruhigen Wesen und seinem massigen Äußeren täusche lassen, Hunde dieser Rasse haben sich über viele hundert, tausende von Jahre erfolgreich nicht nur gegen Bären und Wölfe, Schneeleoparden und Luchse durchgesetzt, sondern auch gegen menschliche Viehdiebe.

Und genau so wie sein Charakter und sein Wesen den ZO zu einem zuverlässigen Freund und Begleiter machen, bietet sein robuster Körper dafür die geeignete Basis. Kaum eine andere Hunderasse vereint so viel Effektivität und Funktionalität in einem so hohen Masse in sich. Da der Rassestandard neben einigen anderen Vorschriften über das Exterieur nur untere Größengrenzen festlegt, hat sich im Lauf der Zeit eine gute Mittelgröße als sinnvoll und erwünscht ergeben. Hündinnen weisen in der Regel eine Schulterhöhe zwischen 65 und 72 cm auf und wiegen zwischen 45 und 60 Kg, Rüden sind deutlich größer, nämlich zwischen 70 und 82 cm bei einem Gewicht von 55 bis 75 kg ( und mehr ). Das Fell ist je nach Schlag stockhaarig bis langstockhaarig, aber auf jeden Fall so dicht und robust, dass jede Witterung ohne Beschwerden ertragen werden kann. Und als wirklich erfreuliche Besonderheit ist zu noch vermerken, dass es eigentlich keinerlei Vorschrift bezüglich einer einheitlichen Farbe gibt! Jede Farbe ist prinzipiell zulässig, nur Albinos sind unzulässig, und der Hund muss mindestens zweifarbig sein, außer er ist cremeweiß. Dadurch entsteht ein sehr uneinheitlicher Rasseeindruck, besonders auf großen Ausstellungen kann man den Eindruck gewinnen, dass es keine zwei gleichen ZO gibt. Gefördert wird dieser Eindruck auch noch dadurch, dass in den Ursprungsländern sowohl die Ohren wie auch die Rute kurz kupiert werden, in den europäischen Ländern werden die Ohren oft nicht mehr kupiert und in Österreich bleiben die Hunde völlig vom Kupieren verschont. Dadurch wird auch die Ähnlichkeit mit den bekannteren, immer unkupierten Herdenschutzhunderassen deutlicher.

Die Statur ist grob quadratisch, etwas länger als hoch, mit gerader Rückenlinie und leicht aufgezogenem Bauch. Die Gliedmassen müssen starke Knochen aufweisen und in ihren Proportionen und Winkelungen eine leichte und schöne Beweglichkeit ermöglichen. Da Rüden im gesamten schwerer sind, ist auch der Knochenbau entsprechen stärker, schon das Aussehen lässt den Unterschied zwischen Rüde und Hündin deutlich erkennen. Selbst Laien können bei zwei nebeneinander stehenden ZO das Geschlecht auf den ersten Blick erkennen.

Durch diesen Körperbau ist der ZO zwar stark und schnell, ausdauernd und zäh, aber er stellt keine besonderen Ansprüche an den Auslauf. Er wird bei jedem Wetter bei jedem Spaziergang mit Freude dabei sein, aber entfällt dieser einmal, wird ihn das auch nicht stören. Und genauso anspruchslos ist seine Pflege, das Fell ist geradezu selbstreinigend und mit geringstem Aufwand in guter Kondition zu halten, die Krallen der festen Pfoten nutzen sich in der Regel gerade richtig ab und krank wird ein ZO auch nur selten.

Und das alles mit einem Futteranspruch, der eigentlich einem halb so großen Hund zuzutrauen wäre. Natürlich benötigen heranwachsende Hunde genügend Aufbaustoffe und Mineralien, aber die Entwicklung und die Wachstumsphase dauert sehr lange, dadurch sind Mangelerscheinungen nicht wahrscheinlich. In seiner Heimat wird der ZO nur kärglich mit Getreideschrot und Abfällen gefüttert, bei uns  übliches und gebräuchliches Hundefutter ist in der Regel zu reich an Eiweiß und Kalorien. Bei solchen Ernährungsgewohnheiten darf es nicht wundern, dass ein ZO erst im Alter von 3 oder 4 Jahren sein endgültiges Körpergewicht erreicht.

Und noch eine kleine Bemerkung zu der Größe. Der ZO ist schon ein ordentlich großer Hund, wer etwas anders behauptet irrt. Jedoch sind die Geschichten vom 100 kg ZO ein glatter Schmarren. Entweder eine nette Erfindung oder eine fette Missgestalt - die Wahl stelle ich dem geneigten Leser frei. Ein ZO-Rüde welcher mit etwa 80 Zentimeter Schulterhöhe meiner Meinung nach bereits die obere Grenze der Funktionalität erreicht hat wird maximal 80 Kilogramm wiegen. Wer größere Hunde will, soll doch einmal bei den Besitzern der Irish Wolfhounds und Mastiffs, Deutschen Doggen und Bernhardinern nachfragen, wie es um die Gesundheit und Agilität dieser Hunde bestellt ist. Wenn er mit den ( hoffentlich ehrlichen ) Antworten wiederkehrt, werden wir über die richtige Größe weiterplaudern.

Wer aber genügend Geduld und Nerven für diese Rasse aufbringt, kann sich auf ein langes gemeinsames Leben, denn ZO werden durchaus 12 bis 15 Jahre alt, freuen. Und das was man in die Beziehung zu einem ZO investiert, bekommt man tausendfach zurück. Kaum ein anderer Begleiter wird so bedingungslos treu sein, so unbestechlich und einfühlsam wie ein richtig gehaltener ZO aus einer guten Zuchtlinie.

Und die Wahl der geeigneten Elterntiere ist für das gedeihliche Zusammenleben fast ebenso wichtig wie eine gute Sozialisierung und eine liebevolle und konsequente Erziehung. Nur wenn ein harmonisches und ruhiges Umfeld vorhanden ist, kann sich diese Hunderasse zu dem idealen Begleiter entwickeln. Für Menschen, welche in einem Hund einen Sklaven oder ein Sportgerät sehen, ist der ZO sicher der falsche Hund. Und Menschen die eine Waffe suchen, seien gewarnt. Der ZO kann eine vernichtende und tödliche Waffe sein, aber irgendwann einmal wird der Schuss nach hinten los gehen, und wehe dem, der dann das Ziel seiner Aktivität ist. Wer jedoch bereit ist, seinen ZO als Partner und Freund zu betrachten, ihn dabei gleichzeitig freundlich aber bestimmt anleitet und kontrolliert, wird niemals enttäuscht werden. .