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NAZIM kommt 

Nach dem ATTI nicht mehr war, die Trauer durch die Zeit gemildert war, fehlte noch immer der Rüde bei uns. Es sollte ein ZO sein, das war einmal klar. Ein mächtiger Rüde, von angenehmen Wesen und einer tollen Genetik. Und von weit her, damit die wenigen in Österreich verfügbaren Blutlinien aufgefrischt würden. Die Zwinger in der Tschechei und Slowakei erzüchten zwar immer wieder ganz hervorragende Hunde, aber mit der Genetik ist das so ein Problem. Die wirklich tollen Hunde haben irgendwo in ihrer Ahnentafel entweder LOSS Batyr Chan oder SIRAN Chabur zu finden. diese beiden Rüden haben über ein gutes Jahrzehnt das Zuchtgeschehen geprägt, ähnlich wie es momentan ILGIZ tut. Und die beiden Großväter von AUDREY heißen - richtig - der eine LOSS und der andere SIRAN, da gibt es kein Ausweichen auf die andere Blutlinie. Bei den Babys von AUDREY und BARTANG ist die genetische Situation noch schlimmer. Die Vorfahren von BARTANG sind in ihren Herkunftsländern unglaublich bekannt, seine Mutter TAISHE Alu Crimea ist eine Legende, deren Vater RAHMET omnipräsent und BARTANG’s Vater ist der Champion Turkmen Kala O’AKDEMBER, ein in Russland oftmals weitergezüchteter Rüde. Also begannen wir, alle unsere sachkundigen Freunde für unser Unternehmen einzuspannen, und Eva Meyerova gelang es, über ihre schon seit langer Zeit bestehenden Kontakte nach Russland einige interessante Würfe zu finden. Verschiedenste Möglichkeiten wurden erwogen, aber schon bald kam ein Wurf in die engste Wahl. Der Vater dieses Wurfes, ALAR ist schon mächtig beeindruckend und die Mutter der Kleinen, PERI entstammt ebenfalls einer Linie welche das Beste erwarten lässt. Ihr Großvater ist der legendäre, einäugige AKGUS, ein wahrer Maßstab der Zentralasiatenzucht. Nach einer weiteren Woche kamen die ersten brauchbaren Welpenfotos, darunter das bekannte Babybild, die Entscheidung war gefallen! NAZIM wurde definitiv bestellt und wenige Wochen später kam er selber. Der kleine NAZIM würde als Diplomatengepäck von Moskva nach Warszawa reisen, wo wir ihn dann übernehmen würden. Dabei war der Familie Zhodzishskaya, das sind NAZIM’s Züchter, mein Wort Sicherheit genug, völlig ohne jede Anzahlung oder einen Vorvertrag setzten die sich mit den Welpen in den Zug. So war der Plan, die Modalitäten ausgehandelt, der Preis und der Termin fixiert.

Endlich konnten wir aktiv werden, das lange Warten hatte ein Ende. Wir packten schon am Freitag das Gepäck und  am Samstag, den 13. September uns und unsere Hunde  in den Fiat Doblo und machten uns nach Ostrava auf den Weg. Der Weg dorthin ist uns allen inzwischen wohlvertraut, wir kamen auch gut dort an, nur Martinas Grippe nahm epochale Dimensionen an. Aber das Treffen mit Eva und den Hunden ließ alles nicht so schlimm aussehen. Dieser Nachmittag war, abgesehen vom Schnupfen wirklich voll schöner Eindrücke. AISHA und BARTANG schienen die Verwandtschaft zu fühlen, und für jeden deutlich ist die geradezu unglaubliche Ähnlichkeit zwischen diesen beiden zu sehen. Diesen Abend gingen wir besonders zeitig zu Bett, der Aufbruch am Sonntag war für 3:00 geplant, somit mussten wir um so gegen 2:00 aus den Federn. Der Begriff Morgengrauen erhält auf diese Weise eine völlig neue und reale Bedeutung. Pünktlich um drei traf dann Eva ein, wir bestiegen zu dritt gemeinsam mit unseren Hunden den orangen Doblo und brachen völlig ohne Kaffe Richtung Polen auf. Erst so gegen 4:30 erhielt ich meinen Morgenkaffee und wer mich kennt, kann sich vorstellen wie ich mich bis dahin gefühlt hatte. Die polnischen Autobahnen sind noch dazu ein wahrer Prüfstein für Fahrzeug und Lenker. Jeder fährt prinzipiell Vollgas, die bunten Lampen oberhalb der Fahrbahn, die Striche auf dem Asphalt oder die lackierten Blechtafeln am Strassenrand haben absolut keine Auswirkung auf das Verkehrsgeschehen. Besonders überraschend sind die vielen Kreuzungen auf der Autobahn, dort kann auch ganz locker links abgebogen werden. Aber trotzdem gelangten wir wohlbehalten nach Warszawa und fanden das Domizil von Krysztina Babyrecka fast auf Anhieb. Dort konnten wir erst einmal ein wenig die Füße ausstrecken, zum Hundeschauen blieb uns erstmal kaum Zeit, Krysztina und ich brachen Richtung Bahnhof auf. Wichtig ist es, sich auf dem Parkplatz der Dienste eines Aufpassers zu sichern. Das sind stämmige Burschen, welche das Auto zuverlässig  vor Übergriffen Dritter schützen, ein geringes Trinkgeld nach dem Parken ist ihr Lohn. Der Zug mit den Welpen als Gepäck des Kulturattachee kam halbwegs pünktlich, alles klappte bestens. Mit dem Bus der russischen Botschaft schafften wir die Welpen direkt aus dem Bahnhofsgebäude auf den Parkplatz, so ein Diplomatenkennzeichen ist schon was Feines. Vier so kleine Tierchen hatte ich jetzt im Auto und die nutzten die Gelegenheit mir den ganze Wagen so richtig vollzukacken. So ist das eben im wirklichen Leben, günstiger Weise hatte auch mein Schnupfen schon eine ordentliche Qualität und so störte mich der Geruch nicht so sehr. Nach einem kurzen Aufenthalt in dem Zwinger Kawalkada, wo die Hunde Gelegenheit erhielten einander kennen zu lernen und wir Menschen reichlich bewirtet wurden brachen wir ordentlich gereinigt wieder Richtung Süden auf. Krysztina Babirecka und ihrem originellen Faktotum Thereza sei hier ausdrücklich gedankt. Wir waren in diesem Fall Martina und ich mit unseren vier Mädels und NAZIM sowie Eva mit seiner Schwester NOKTA, das Auto war wirklich bummvoll! Die Grippe war inzwischen bei allen voll ausgebrochen, wir rotzten und schnäuzten aus Leibeskräften, möge diese Fahrt dem Vergessen anheim fallen. Um 22:30 trafen wir, nach gut 900 Kilometern und vierzehn Stunden netto Fahrzeit völlig erledigt in Ostrava ein, Hundepippi auf der Wiese und eine Art Bewusstlosigkeit prägten die restliche Nacht. Der Montag begann dann mit einem fürstlichen Frühstück, Hamandeggs und Toast, viel Kaffee und Gebäck, Fruchtsaft und Müsli, ich holte einfach alles nach. Nachdem wir noch in der Apotheke jede nur erhältliche Schnupfenmedizin eingekauft und reichlich angewendet hatten, konnte die Heimfahrt unter halbwegs menschenwürdigen Bedingungen fortgesetzt werden. Ein kurzer Zwischenstopp wurde in Hustopece eingelegt um den kleinen Burzibuam vom Tierarzt checken zu lassen, aber das liegt ja auf dem Weg. Die gesamte Importaktion nahm somit drei Tage in Anspruch, eine Fahrtstrecke von runde 1700 km wurde bewältigt und 348 Papiertaschentücher verschneuzt. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Grippe eine arge Belastung dargestellt hat, ohne Krankheit hätten wir die ganze Unternehmung mehr genießen können - so war die schiere Anstrengung weiter zu machen das prägende Element. Die Landschaft Polens, sowohl geographisch wie auch kulturell, hat auf alle Fälle viel mehr zu bieten als dieser Bericht wohl vermuten lässt. So halbwegs zwischen der Grenze und Warschau durchfuhren wir eine ganz eigenartige Waldlandschaft welche einen weiteren Besuch wert ist. Und von Warschau haben wir eigentlich genau nix gesehen, das sollte auch nachgeholt werden.