BuiltWithNOF

Entstehung der Rassen 

Um das Wesen der Herdenschutzhunderassen besser verstehen  zu können, möchte ich in diesem Kapitel einen kurzen geschichtlichen Werdegang der Hunde vom Wolf zum Haushunde als solches skizzieren.

Vor mindestens zehn Jahrtausenden, eher jedoch zwanzig, begann ein Prozess der Domestikation, welcher heute in der Ausbildung von derzeit über 400 durch die FCI anerkannten Hunderassen seinen vorläufigen Abschluss gefunden hat. Möglicherweise sind bereits schon viel früher Wölfe von Menschen aufgezogen und gehalten worden, jedoch ist das für uns in der Retrospektive nicht mehr festzustellen, da sich die Überreste dieser Tiere ganz einfach nicht von denen wild lebender Wölfe unterscheiden lassen. Somit müssen wir uns auf Funde beschränken, welche sich bereits von den Relikten der Wölfe unterscheiden lassen.

In Mitteleuropa sind durch archäologische Ausgrabungen zum Beispiel Funde aus der Epoche der Hallstattkultur vorhanden, welche die Existenz von domestizierten Hunden beweisen. Auch in Oberkassel wurde im Jahre 1919 ein Grab entdeckt, in welchem auch ein Hundeskelett zu finden war, dessen Alter mit ungefähr 14 000 Jahren angegeben wird. Somit lassen sich Haushunde bereits in der frühen Bronzezeit nachweisen. Das genaue Aussehen dieser Tiere bleibt uns neuzeitlichen Kynologen natürlich verborgen, jedoch kann man anhand der gefundenen Knochen verbindlich sagen, dass diese Hunde etwa mittelgroß waren und dem Typ des heutigen Spitzes recht ähnlich gewesen sein müssen. Wegen dieser Ähnlichkeit hat sich für diese ursprüngliche Hunderasse auch der Name Torfspitz eingebürgert. Von dieser Rasse lässt sich jedoch keine seriöse Verbindung zu unseren Herdenschutzhunden herstellen.

In Südeuropa sind eindeutige Belege über die Hundezucht aus dem klassischen Griechenland und aus dem Römischen Imperium bekannt. Der Molosser ist ursprünglich ein Hund aus dem südlichen Balkangebiet und die Römer, welche sich auch mit Tierkämpfen unterhielten, importierten neben verschieden wehrhaften Wildtieren auch unterschiedliche, zum Kampf geeignete Hunde. Besonders beliebt waren dabei die Mastiffs von den britischen Inseln, welche in verschiedenen Schriften erwähnt werden. Durch die Ansammlung und Vermischung eines so großen Genpools sind geradezu zwangsläufig eine Vielzahl von Rassen entstanden. Viele der kompakten Hunderassen Kontinentaleuropas lassen sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf diese durch das Römische Imperium importierten Hunde zurückführen.

Aus Klein- und Vorderasien sind Dokumente überliefert, vorwiegend Reliefs aus dem Zweistromland und Ägypten, welche bereits lange vor der Zeitenwende die Existenz verschiedener Rassen beweisen. Auf ägyptischen Darstellungen sind vor allem vielfältige Jagdhundetypen zu erkennen, besonders auffällig eine Windhundrasse mit Ringelschwanz und etwas Dackelartiges mit Stehohren. Man kann daraus klar erkennen, dass diese schon sehr stark differenzierten Typen der Beleg für eine bereits lange geübte Zuchtauswahl sind. Bedeutungsvoll für die Entstehung der für uns interessanten Rassen sind jedoch massige Hunde, oft mit breiten Halsbändern dargestellt. Diese Halsbänder sind ganz offenkundig der Beginn einer langen Tradition, Hunde welche Kämpfe zu bestehen haben, durch Halsbänder, oft mit Spitzen und Stacheln bewehrt, vor ihren Gegnern zu schützen. Diese kräftigen Hunde welche auf den Reliefs zu sehen sind, können vom Typ her sehr gut Ahnen diverser Molosser und vermutlich auch so mancher der in den südlichen Regionen verbreiteten Herdenschutzhundrasse sein.

Ostasien, vorzüglich China erzüchtete schon sehr früh unterschiedliche Rassen, deren Existenz auch für einige tausend Jahre sehr gut belegbar ist. Diese Hundetypen sind für unsere Überlegungen jedoch nur von zweitrangiger Bedeutung, da diese Tiere entweder als winzige Schoßhunde wie der Pekingpalasthund oder als Mastvieh wie der ChowChow gehalten wurden. Gebrauchshunderassen sind aus dieser Region nicht historisch belegbar.

Aus Zentralasien ist leider so gut wie kein historisches Material zu finden, auf welchem Hunde dargestellt sind. Jedoch haben verschieden Funde aus der mittleren Steinzeit, also etwa 6000 Jahre vor der Zeitenwende, Beweise für das Entstehen einer Ackerbau und Viehzüchterkultur erbracht. Somit dürfen wir guten Rechtes auch die Behauptung aufstellen, dass bereits zu dieser zeit Herdenschutzhunde in Gebrauch waren. Anhand dieser Funde stelle ich nun die Behauptung auf, unsere Zentralasiaten sind als Population gut und gerne seit acht Jahrtausenden mit dem Schutz der Herden betraut. Über andere Rassen lässt sich nur wenig sagen, Hütehunde sind in dieser Gegend bis heute kaum in Verwendung, wohl aber Jagd- und vor Allem Windhunde. Auf einigen wenigen Jagdszenen sind solche Windhunde zu erkennen, die Gebrauchshunderassen wie der ZO waren jedoch der Abbildung nicht Wert. Und wegen der vorwiegend nomadischen Lebensweise unserer Herdenbesitzer sind auch praktisch keine Artefakte zu finden. Zu allem Überfluss hat das Sowjetregime sehr gründlich die uralte Nomadenkultur unterdrückt, so dass über eine nicht unerhebliche Zeitspanne alle Dokumente verloren gegangen sind oder diese im Sinne der offiziellen Ideologie interpretiert wurden.

Der amerikanische Kontinent hat eine durchaus bemerkenswerte Entwicklung der Hunde zu verzeichnen, diese Tiere sind für uns jedoch überhaupt nicht von Interesse. Sieht man von der vagen Möglichkeit eines Gentausches über die zugefrorene Beringstraße während der Eiszeit einmal ab, hat es definitiv keinen Kontakt zwischen asiatischen und amerikanischen Hunden gegeben.

Fassen wir unsere Einsichten einmal ganz grob zusammen, so lässt sich letztendlich mit gut gesicherter Wahrscheinlichkeit behaupten, dass Haushunde schon seit mehreren tausend Jahren planmäßig und mit züchterischem Fachwissen selektiert und für verschiedene Funktionen typische Rassen gezüchtet werden

Versuchen wir nun diese vielschichtige und zugegebenermaßen etwas weitläufige Geschichte auf Grund der vorhandenen und gesicherten historischen Fakten zu betrachten und in eine zusammenhängende Entwicklungsgeschichte zu fassen.

1. Die Domestikation und planvolle Zucht erfolgte bereits lange vor Beginn der Geschichtsschreibung und zwar in verschiedenen Gegenden der damals bewohnten Welt. Als wahrscheinlichen Zeitrahmen möchte ich frühestens 30 000 J.v.Ch. bis spätestens 10 000 J.v.Ch. annehmen. Unterscheidbare Rassen sind wohl erst 7000 bis 5000 Jahre vor der Zeitenwende zu verzeichnen.

2. Alle heute bekannten Rassen stammen von regionalen Wolfsrassen ab und sind ursprünglich Funktionsrassen, also Jagdhunde und Wachhunde gewesen. Und wenn man den Genetikern Glauben schenken darf, ist aufgrund genetischer Fingerprints bewiesen, dass diese Domestikation nur einige wenige Male gelungen ist. Konrad Lorenz unterschied ursprünglich zwischen lupus- und aureus-blütigen Rassen, korrigierte aber im Zuge seiner Erkenntnisse diese Unterteilung, der Goldschakal ist definitiv kein Vorfahre unserer Hunde. Das bedeutet, dass Hunde trotz gleicher genetischer Veranlagungen, durch den züchterischen Selektionsdruck der Arbeitsanforderungen entsprechende Körpermerkmale herausgebildet haben.

3. Zuallererst gab es wohl nur Jagdhunde, welche als direkte Wolfsnachfahren sowohl in ihrem Aussehen als auch in ihrem Verhalten auch absolut wolfsähnlich waren. Erst durch die vorhin erwähnte Spezialisierung entstanden unterschiedliche Schläge. So waren massive Packer für wehrhaftes Großwild, schnelle, leichte Windhunde für die Hetzjagd und kleine, bewegliche Hunde für die Niederwild und Baujagd das Ziel der Zuchtauslese. Überlegungen bezüglich der Fellfarbe und anderer Äußerlichkeiten wurden mit Sicherheit nicht angestellt. Diese Entwicklung hat zu Beginn der Geschichtsschreibung eingesetzt, vielleicht knapp davor, also je nach Region etwa 5 000 J.v.Ch.

4. Mit dem Wandel des Menschen vom Jäger zum Viehzüchter entstand der Bedarf an Herdenschutzhunderassen und Hütehunden. Die Hunde mit massivem Körperbau wurden zum Schutz der Herdentiere weiter gezüchtet, die leichten, beweglichen übernahmen das Zusammenhalten und Treiben der Herden. In dieser Phase der Zucht wurden sicher schon, wenn auch erst in zweiter Linie, Überlegungen bezüglich des Aussehens angestellt. Als Kriterium zur Zucht wurde ganz sicher zum Beispiel die Fellfarbe herangezogen. Herdenschutzhunde sind oft auffällig gefärbt, meist mit viel weiß oder gar ganz weiß, um die Unterscheidung mit angreifenden Raubtieren zu erleichtern.

5. Mit der Bebauung des Bodens und der dadurch notwendigen Niederlassung an festen Wohnsitzen wurden die Schutzhunderassen auch zu Wächtern der Liegenschaft, die Bewachung der Herden verlor mit zunehmender Kulturierung an Bedeutung. Man konnte es sich jetzt auch schon leisten auf einige Merkmale weniger Wert zu legen. Unbedingte Widerstandskraft gegen die Widrigkeiten der Witterung waren nun nicht mehr so unbedingt notwendig, die Hunde konnten kurzhaarig oder glatthaarig werden. Auf Darstellung des Europäischen Mittelalters sind solche unterschiedlichen Rassen vielfältig abgebildet.

6. In der heutigen, modernen Zeit werden Anforderungen an den Hund gestellt, welche ein grundlegendes Umdenken sowohl bei Züchtern wie auch bei Richtern und Besitzern erfordert. Zunehmend ist ein intaktes Wesen und ein ausgeglichener Charakter gefordert, denn durch eine immer größere Bevölkerungsdichte nimmt der Freiraum jedes Einzelnen dramatisch ab. Wobei jedoch durch eine ständig zunehmende Kriminalisierung unserer Umwelt und eine erschreckend steigende Gewaltbereitschaft nach wie vor auch eine gewisse Schutzfunktion des Hundes von Bedeutung ist. Diese Charaktermerkmale in einer Rasse zu vereinen sollte das Ziel sein, und gerade beim Zentralasiatischen Ovtcharka stehen die Chancen dafür besonders gut.

7. Die Zucht auf rein äußere Merkmale ist ein Produkt der Neuzeit. Das Streben nach Schönheit oder Extravaganz ist nur dann zu erwarten, wenn der Hunger gestillt, der Körper bekleidet und die essentiellen, lebenserhaltenden Bedürfnisse zuverlässig befriedigt sind. Somit konnten gerade in der jüngsten Vergangenheit vielfältige Hundetypen erzüchtet werden, manche davon nicht wirklich funktionell. Diese Entwicklung ist ein Produkt der letzten zweihundert Jahre. Und der Zentralasiat ist von dieser Entwicklung bislang verschont geblieben.

Über die Sinnhaftigkeit der Zucht mancher dieser Rassen kann man natürlich geteilter Meinung sein. In der letzten Zeit sind durch dramatische und grausame Vorfälle manche Rassen durch das Verschulden einzelner Hundebesitzer in ein denkbar schlechtes Licht gerückt worden. Unabhängig von wesenmäßigen und charakterlichen Missbildungen werden dann auch körperliche Eigenschaften erzüchtet, welche unfunktionell, ja teilweise geradezu grotesk sind. Von manchen durchaus verantwortungsbewussten Tierschützern und Sachverständigen wird in diesem Zusammenhang das Wort Qualzucht im Zusammenhang mit gar nicht so wenigen Rassen immer häufiger gebraucht.

Zurück in die Vergangenheit, zu den ersten züchterischen Versuchen. Besonders interessiert uns in diesem Zusammenhang natürlich die Entstehung und die Erzüchtung der Hirtenhunderassen. Mit dem Übergang von einer Jägerkultur zu einer Viehzüchterkultur mussten auch die Hunde umlernen. Zu diesem Zeitpunkt war man noch weit davon entfernt, sich den Luxus leisten zu können, auf die Funktion der Hunde verzichten zu können. Zu dieser Zeit wäre es uns heutigen Hundebesitzern wohl nur schwer möglich gewesen, Hunde und Wölfe an ihrem Aussehen zu unterscheiden. Die ersten Domestikationsmerkmale sind Ringelschwanz und Kipp- oder Hängeohr, die hoch getragene Rute ist in vielen Skeletten zu rekonstruieren, die Ohrenstellung bleibt uns leider verborgen.

Völlig unabhängig davon, wo auf der Welt dieser Vorgang stattfand, überall bildeten sich erst durch viele Jahre der Funktionszucht erstaunlich ähnliche Hunderassen aus. Wenn diese Rassen dann auch noch in geographisch benachbarten Gebieten erzüchtet wurden, ist es für den Laien fast unmöglich die einzelnen Rassen auseinander zu halten, da es in den Grenzgebieten der Verbreitung zu einem unvermeidlichen Genaustausch kommen musste. Man betrachte zum Beispiel die Rassen des Polski Ovtcharek Podalanski, des Slovenski Cuvac, des Kuvacs und des Maremanno Abruzzese. Lauter große, weiße Hunde von ähnlichem Charakter, die sich nur durch geringfügige Details in Größe, Schädelform und Fellstruktur unterscheiden lassen. Hier hat ganz offenkundig der Nationalstolz der letzten Jahrhunderte und Jahrzehnte über die Logik gesiegt. Vor knapp fünfhundert Jahren war man da noch deutlich pragmatischer, der gelehrte Conrad Geßner, den wir heute wohl Naturwissenschafter und Biologe nennen würden,  beschrieb :”......Der vieh- und schafhundt, Canis pastoralis, soll stark, mächtigen Leibes, mutig und fraech sein, ein scheußlich geschrey oder bellen haben, an der farb gantz weiß und haarecht gleich den schaafen, danmit sollych vych nit ein abschrecken ab ihm habe......” . Mit so einer Rassebeschreibung muß jedem völlig klar sein, dass hier ganz einfach Funktion vor Aussehen gestellt wurde.

 Innerhalb von reinen Funktionsrassen wie es der Zentralasiatische Ovtcharka ist, muss naturgegeben die Streuung körperlicher Eigenschaften viel größer sein als die Unterschiede zwischen diesen vier genannten Rassen es sind. Darüber hinaus ist noch zu bedenken, dass das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Zentralasiatischen Ovtcharka ungefähr so groß ist wie ganz Europa. Durch die Aufteilung seiner Heimat in mehre Staaten und auch durch das unterschiedliche Erscheinungsbild der Hunde ist es verständlich, dass in den Ursprungsländern heftige Diskussionen abgehalten werden, ob die Rasse des  Zentralasiatischer Ovtcharka nicht in Wirklichkeit mit Gewalt aus verschiedenen Rassen zusammengestoppelt wurde. So wird zum Beispiel der cremefarbige Alabaj von manchen lokalen Kapazitäten als eigenständige Rasse betrachtet. In diesem Zusammenhang muss man sich im Klaren sein, dass Russland als zuchtbuchführende Nation tatsächlich mit einem gewissen Maß an Willkür agiert und auf lokale Interessen nur wenig Rücksicht genommen hat und auch weiterhin nimmt.

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte gelangten immer wieder einzelne Hunde, welche als Zentralasiatische Ovtcharka bezeichnet wurden in den europäischen Raum. Ihre Herkunft ist in vielen Fällen unklar, ihre genetische Qualität ebenso. Erst vor wenigen Jahren war es in Europa möglich, einen ordentlichen Zuchtbetrieb zu gewährleisten. Im Jahre 1989 anerkannte die FCI als internationaler Dachverband den von Russland eingereichten Standard und in den östlichen, teilweise von Russland beeinflussten Staaten Europas (dem früheren Ostblock) entstanden die ersten Zuchten. Von diesem Moment an war es nur mehr eine Frage der Zeit, bis diese Rasse auch in Mittel- und Westeuropa bekannt wurde und sich etablieren kann.

Auf Ausstellungen und Zuchtschauen erfreuen sich diese Hunde eines bereits sehr regen Zuspruches, das Interesse nimmt ständig zu. In diesem Zusammenhang muss ich eine absolut ernst gemeinte Warnung aussprechen.

Einerseits besteht die Gefahr, dass unverantwortliche Hundehalter und Züchter, welche das Verteidigungspotential dieser Rasse erkannt haben, echte Bestien züchten.

 Wenn der Zentralasiatischer Ovtcharka darauf trainiert wird Menschen oder Tiere zu attackieren, wird dieses Training im Verein mit seiner natürlichen, angeborenen Verteidigungsbereitschaft und seiner außerordentlichen Härte eine Kreatur entstehen lassen, gegen die alle Pitbulls, Rottweiler und Mastinos dieser Welt wie harmlose Schoßhunde wirken. Anhand verschiedener Videos, teilweise direkt aus Zentralasien, teilweise aus der Ukraine und Russland konnte ich mich von der unüberwindbaren Kraft und dem unbeugsamen Mut des Zentralasiaten überzeugen. Während die klassischen Hundekämpfe im Inneren Asiens echte Kommentkämpfe sind und effektiv unblutig verlaufen, müssen sich ZO in Russland den unterschiedlichsten Gegnern stellen. Und hat sich ein grundsätzlich fair kämpfender Herdenschutzhund einmal gegen einen blindwütigen und hemmungslosen Pitbullterrier durchsetzen müssen, wird dadurch auch das Verhalten des friedfertigsten Hundes verdorben.

Die zweite Risikosituation kann dadurch entstehen, dass diese Hunde wegen ihrer scheinbaren Ruhe unterschätzt werden. Ein Hundehalter, der nicht im Stande ist, seinen Hund mit liebevoller, aber wirklich eiserner Hand zu führen und dabei Nerven für zwei vorweisen kann wird unter Umständen überfordert sein. In Grenzsituationen reagiert der Zentralasiatische Ovtcharka nach jahrtausendealten, an asiatische Umstände angepassten Verhaltensmustern eher kompromisslos. Im Rassestandard steht dazu ganz harmlos geschrieben: “Die vorherrschende Reaktion ist die einer aktiven Verteidigung“.

Emotional sieht der Zentralasiatische Ovtcharka, so wie das alle selbständigen Herdenschutzrassen tun, die Welt grundsätzlich schwarz - weiß, es gibt “seine“ Leute, denen er liebevoll zugetan ist und es gibt “Fremde“ welche er mehr oder weniger deutlich ablehnt. Im täglichen Leben eines hundebesitzenden Mitteleuropäers kann das zu einer erheblichen Belastung werden, wenn der Mensch seinen Hund nicht in jeder Situation kontrollieren kann. Nur ein sehr sorgfältig und einfühlsam sozialisierter ZO wird unbekannten Personen gegenüber freundlich oder zumindest unvoreingenommen agieren. Umgekehrt gibt es jedoch keinen zuverlässigeren Beschützer für die Familie und das Heim, keinen geduldigeren und vorsichtigeren Spielkameraden für die Kinder als einen Zentralasiatischen Ovtcharka. So abweisen und hart der Zentralasiat gegen Außenstehende vorgeht, so umgänglich, geduldig und liebevoll, ja geradezu zärtlich geht er mit seiner Familie um. Wer diese Eigenschaften akzeptieren kann und mit dem Wesen dieses Hundes umgehen kann, wird sicherlich keine Enttäuschung erleben.