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Der Name des Zentralasiatischen Ovtcharka führt uns tatsächlich direkt zu seinem wahren Ursprungsgebiet, nämlich Zentralasien. Um den Werdegang dieser Hundeschläge verstehen zu können, ist es doch sicherlich zielführend sich mit der Geschichte und Geographie ihrer ursprünglichen Heimat zu beschäftigen.
Schlägt man nun in einem Lexikon nach, findet man etwa bei G.Bowitz / Stuttgart, folgenden Eintrag :
Zentralasien, Mittelasien, Innerasien, zusammenfassender Name der abflußlosen Hochländer im Inneren Asiens zwischen Himalaja im S und den südl. Randgebirgen Sibiriens im N, Chingangebirge im O und Pamir im W.
Mit solchen, noch dazu teilweise nicht ganz richtigen Angaben ist natürlich nicht viel anzufangen, also will ich versuchen die Lage und die Situation des Ursprungsgebietes unserer Hunde etwas detaillierter und vor allem anschaulicher zu schildern.
Topologisch ist die Vielfalt dieser Landschaft genau so gros wie es seine geographische Ausdehnung ist. Im Südosten wird Zentralasien durch den Hindukusch, im Osten das Pamirgebirge mit Gipfeln bis zu 7459 Metern Höhe begrenzt, im Nordosten liegen die ähnlich gewaltigen Bergketten des Tienschan und des Altai mit bis 4506 Metern. Diese Gebirge sind die westlichen Ausläufer des Himalaja. Noch weiter nördlich liegen die Steppen und Sümpfe West- und Südsibiriens, im Nordwesten reicht Zentralasien bis an das Uralgebirge und im Westen liegen die Salzwüsten am Ufer des Kaspischen Meeres. Und dort gehen die Berge des Elbrus in das karge Hochland der Berge des Iran und Afghanistans im Süden über.
So gewaltig und ausgedehnt wie die Gebirgsketten ist hier die gesamte Landschaft. Und trotz ihrer beeindruckenden Größe leidet die Vegetation an den Hängen dieser Berge unter der Überweidung durch die Herden. Wegen dieser Schädigung des dort schon kärglichen Pflanzenbewuchses fließt das Regenwasser zu schnell ab, Erosion der ohnehin dünnen Humusschichte und Verkarstung sind die traurige Folge. Immer mehr landwirtschasftliche Nutzfläche geht so verloren, und die Versuche diese Entwicklung zu hemmen stecken noch in den frühesten Anfängen. Die Natur ist in diesem Gebiet auch ohne den zerstörerischen Einfluss des Menschen schon karg genug. Allein die beiden großen Wüsten des Flachlandes, die Karakum – die Schwarze Wüste mit 350 000 km² und die Kisilkum, die Rote Wüste mit 300 000 km² sind miteinander fast acht mal so groß wie Österreich, welches immerhin eine Gesamtfläche von 83 858 km² vorweisen kann. Eine genaue Größenangabe ist für die Wüsten nicht möglich, obwohl diese asiatischen Wüsten vorwiegend Geröllwüsten sind verändert sich ihre Ausdehnung ständig. Der Aralsee, zwar nur knapp hundert Meter tief und mit vielen Inseln begabt, ist mit einer Oberfläche von 68 700 km² von solch beeindruckenden Ausmaßen, dass man ihn mit Fug und Recht ein Süßwassermeer nennen kann. Mit dieser Fläche ist er immerhin fast so groß wie ganz Österreich. Da er keinen nennenswerten Abfluss hat, ist er schwach salzhaltig und war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor wegen des dort betriebenen Fischfanges . Durch die ständige Klimaveränderung und die Bewässerung der Baumwollfelder mit dem Wasser seiner beiden hauptsächlichen Zuflüsse, dem nördliche Syr-Darja und dem südlichen Amu-Darja nimmt einerseits seine Größe ab und andererseits der Salzgehalt zu. Dadurch sind bereits weite Küstenstreifen verlandet und zu unfruchtbaren Salzsteppen geworden und die Befischung ist weitgehend unrentabel geworden.
Jede nur denkbare Klimasituation ist in diesem Gebiet zu finden, von subpolaren Hochgebirgsklimata über salzige Trockenwüsten bis zu subtropischen Meeresstränden. Die unterschiedlichsten Arten von Tieren sind hier heimisch und auch heute noch zumindestens in den unberührten Schutzgebieten, welche in den letzten Jahren eingerichtet wurden noch immer vertreten.
Und die Natur blieb tatsächlich von vielen Versuchen sie zu beherrschen glücklicherweise verschont. Anders als in Europa hat sich der Ackerbau nicht so durchgesetzt, sieht man einmal von den verhängnisvollen Versuchen der Baumwollkultur ab. Dadurch ist eine Vielzahl an Wildtieren völlig unbeeinflusst erhalten geblieben. Jetzt droht ihnen jedoch zweierlei Gefahr. Erstens hat in allen Gebieten Zentralasiens die Bevölkerung stark zugenommen, viele hungrige Kinder sind zu ernähren. Wildbret ist leicht zu beschaffendes Fleisch, die Wilderei hat ganz erstaunliche Ausmaße angenommen, Schießereien mit Wildhütern sind überall an der Tagesordnung. Und die Herden müssen immer größer werden um alle satt zu bekommen, und diese überweiden dann das ganze Land mit allen dadurch hervorgerufenen Problemen. Eine Prognose für die fernere Zukunft ist noch nicht zu erstellen, es bleibt zu hoffen, dass die Vielfalt dieser grandiosen Natur erhalten werden kann.
Un d noch vielfältiger als die Tier – und Pflanzenwelt der Region ist die menschliche Bevölkerung welche über Jahrtausende hinweg in Zentralasien ihre Heimat gefunden hat. Vor allem wegen dieser kulturellen Vielfalt und auch durch den politischen Zerfall der Sowjetrepubliken und das dadurch entstandene Machtvakuum ist der zentralasiatische Raum auch heute noch ein Brennpunkt politischer, wirtschaftlicher und kultureller Umwälzungen. Besonders sei in diesem Zusammenhang die Radikalisierung der Muslime zu erwähnen.
Die Hoheitsgebiet von fünf unabhängigen Staaten, allesamt Nachfolgestaaten der Sowjetrepublik Rus slands, erstrecken sich über ein Gebiet welches ungefähr so groß wie ganz Europa ist. Einige ganz trockene Zahlen sollen ein besseres Verständnis für die besonderen Größenverhältnisse ermöglichen. Die Zentralasiatischen Republiken, nach ihrer flächenmäßigen Ausdehnung gereiht, sind erstens Kasachstan (2 717 300 km² / 15 801 000 Einwohner), dann Turkmenistan (488 100 km² / 4 658 000 Einwohner), gefolgt von Usbekistan (447 400 km² / 23 667 000 Einwohner) und Kirgisistan oder Kirgistan (198 500 km² / 4 635 000 Einwohner) und als kleinstes Land Tadschikistan (143 100 km² / 6 017 000 Einwohner) bilden das Gebiet das wir als Zentralasien kennen.
Gemeinsam umfassen diese genannten fünf Nationen eine Gesamtfläche von über 4 Millionen km². Und in diesem riesigen Gebiet leben nach letzten Zählungen etwa 55 Millionen Menschen, das sind weniger Menschen als zum Beispiel Frankreich Einwohner hat. ( Frankreich hat eine Fläche von nur 543 965 Quadratkilometern ). Diese Zahlen zeigen uns doch recht deutlich, wie menschenleer selbst heute im beginnenden einundzwanzigsten Jahrhundert, diese Region ist. Vielleicht noch eine anschauliche Vergleichszahl. Österreich mit seinem Anteil an den Alpen und all seinen schönen Seen wird von cirka 97 Personen pro Quadratkilometer bewohnt, Zentralasien dagegen bringt es da gerade einmal auf knapp 14 menschliche Einwohner pro Quadratkilometer. Die ZO hat leider noch keiner gezählt.
Jedoch die Entstehung der Herdenschutzhunderassen erfolgte schon viel früher, Belege für die Besiedelung lassen sich so an die zwölftausend Jahre bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Vor schätzungsweise achttausend Jahren, in der mittleren Steinzeit begann nachweislich die Viehzucht in diesem Gebiet. Und etwa tausend Jahre vor der Zeitenwende wurde der Zentralasiatische Raum sowohl von Ackerbauern als auch von nomadisierenden, primitiven Viehhaltern bewohnt. Sie zogen mit ihren Herden aus Schafen, Pferden, Ziegen und Kamelen mit den Jahreszeiten zwischen den Steppen des Tieflandes und den Weiden des Hochgebirges hin und her. Somit besiedelten nomadisierende Viehzüchter zu einer Zeit, wo Grenzen und Einflüsse ständig wechselten, die weiten Flächen welche sie zu ihrer extensiven Viehzucht benötigten. Aus dem Osten und Norden drängten in ständig wechselnder Reihenfolge Mongolen, Chinesen und Turkstämme in diesen nur dünn besiedelten Raum, aus dem Süden und Westen gab es erst einen persischen, dann einen hellenischen und später einen ungemein starken islamischen Einfluss. Und noch heute ist die große Mehrheit der zentralasiatischen Bevölkerung, trotz der starken antireligiösen Tendenz der Sowjetunion, gläubige Anhänger des Islam. Das ist schon deswegen für die Tierhaltung von besonderem Interesse, weil der Moslem für gewöhnlich Tieren gegenüber eine recht gleichgültige, man möchte fast sagen gefühlskalte Haltung einnimmt. Wäre Zentralasien längere Zeit und nachhaltiger durch den Buddhistischen oder Hinduistischen Kulturkreis geprägt worden, wäre auch das Verhalten der Bevölkerung den Haustieren gegenüber ein anderes, nämlich ein freundlicheres. Unter diesem Aspekt sind auch die dort so beliebten Tierkämpfe zu verstehen. Jedes dazu geeignete Tier wird dazu herangezogen, jedoch sind es vorzüglich Kämpfe zwischen Hunden, diese bilden sozusagen das Sonntagsvergnügen der Bevölkerung. Für uns Europäer besonders erstaunlich und für Markttage und Feiertage reserviert sind die Kämpfe zwischen Kamelhengsten ( welche meiner Meinung nach so ziemlich die bösartigsten Viecher unter der Sonne sind ).
Durch die Seidenstraße, welche einer der wichtigsten Handelswege seiner Zeit war, waren manche Teile dieses Gebietes geradezu mit Reichtum gesegnet. Die Zeugnisse ehemaliger Hochkulturen sind noch immer, zwar teilweise im Wüstensand verborgen, jedoch teilweise auch liebevoll restauriert vorhanden. Manche dieser Städte waren von solcher Bedeutung und von solchem Reichtum, dass ihr Name bis heute als Synonym für Wohlstand in aller Munde sind, ich denke da zum Beispiel an die Städte Balkh, Merw, Buchara oder Samarkand.
Nur wenige Tagesritte weiter kämpften nomadisierende, viehzüchtende Nomadenstämme jeden Tag aufs Neue um das nackte Überleben. Und jede Nacht kämpften deren Hunde mutig gegen jede nur mögliche Bedrohung der ihnen anvertrauten Herden.
Wie man jedoch leicht einsehen kann, sind es nicht die reichen Handelsstädte, die gewinnbringenden Karawanen oder die hohe Kultur der Region sondern gerade diese armen Viehhirten nun diejenigen, welche für die Entwicklung der asiatischen Herdenschutzhunde verantwortlich zeichnen. Unter Bedingungen welche einem Mitteleuropäer nahezu unerträglich erscheinen müssen, entstand eine Kulturform, welche über Jahrtausende hinweg Bestand hatte. Erst durch die Einverleibung in den sowjetrussischen Großstaat worden die Nomaden, in der Regel gegen ihren Willen, sesshaft gemacht. Doch auch das Sowjetrussische Regime war nur von relativ kurzer Dauer, die Nomaden ziehen jetzt, nach dem Zerfall der Sowjetrepubliken, ganz genau so wie vor mehreren tausend Jahren wieder mit den Vieherden ihren Weges.
Das Leben dieser Leute spielt sich einerseits auf dem Rücken ihrer Pferde ab, andererseits innerhalb ihrer Jurten. Diese Jurten sind rund und erstaunlich geräumig, von ihrer Konstruktion her mehr als ein Zelt, aber weniger als eine Hütte. Beweglichkeit ist oberstes Gebot, und eine Jurte kann binnen weniger Stunden zerlegt und auf Tragtiere verladen werden. Wie gut dieses System funktioniert ist daran erkenntlich, dass es sich seit mehreren tausend Jahren nicht grundlegend geändert hat.
Wenn man sich nun in Erinnerung ruft, dass ein Generationswechsel bei Hunden nur ein Zehntel der Zeit wie bei Menschen benötigt, also nehmen wir etwa drei bis vier Jahre an, kann man sich leicht vorstellen, welch konsequente Zuchtauslese in den zwei- oder dreitausend Jahren erfolgen musste, welche diese Nomadenkultur bis jetzt unverändert Bestand hatte.
Die Viehherden, welche die ausschließliche Existenzgrundlage der zentralasiatischen Nomaden bilden, waren und sind noch immer vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Die in diesen Gegenden heimischen gilt es genauso abzuwehren, wie die Überfälle menschlicher Diebe und Räuber. Und Raubtiere gibt es durch die Vielfalt der Landschaft und die geringe Bevölkerungsdichte genug, Wölfe und Luchse, Bären und Schneeleoparden sind ständig bereit sich ihren Lebensunterhalt aus der Herde zu sichern. Da diese Übergriffe in der Regel des Nachts erfolgen, sind menschliche Hirten, welche sich auf ihre Augen verlassen müssen, naturgemäß überfordert, und so war es nur logisch, den Schutz der Herden geeigneten Hunden zu überantworten.
Diese Schutzaufgaben teilen sich immer mehrere Hunde. Die massigeren Rüden oder noch wuchtigere kastrierte Rüden haben die Aufgabe die Herden zu bewachen. Tagsüber sind die Hunde angebunden, die Menschen sorgen für ihr Vieh, jedoch am Abend werden die Rüden von der Leine gelassen. Die ganze Nacht müssen die Hunde nun völlig selbständig über die Sicherheit der ihnen anvertrauten Herde wachen. Dabei ist einerseits ein ruhiges, abwartendes Verhalten und andererseits eine perfekte Zusammenarbeit der Hunde unbedingt notwendig. Selbst der stärkste und wildeste Zentralasiatische Ovtcharka hat im Kampf alleine gegen einen Bären oder Leoparden keine reelle Chance. Drei Rüden hingegen werden jedem Bären Herr und auch gut bewaffnete Menschen sind dem entschlossenen Angriff von zwei oder mehr Hunden nicht gewachsen. Dazu kommt noch die Eigenschaft des Zentralasiatischen Ovtcharka ohne große oder lautstarke Vorwarnung den als solchen erkannten Feind anzugreifen.
Im Kampf gegen Widersacher, welche selber kein Pardon kennen gibt es keinen Platz und keine Zeit für Formalitäten oder Rituale. Dadurch ist auch zu erklären, dass die Warnung eines ZO vor dem Angriff nur wenig aufsehenerregend ist und nur sehr unspektakulär erfolgt. Übertriebene Gebärden und wütendes Bellen sind ein Luxus, den sich der Zentralasiat im Lauf seiner Entwicklung einfach nie hat leisten können.
Die etwas kleineren und viel leichteren Hündinnen bewachen die Jurten oder Zelte welche das Lager der Menschen bilden. Unauffällig streichen die Hündinnen zwischen den Bauten umher. Für mich ist ihre Fähigkeit zu völlig lautloser Bewegung, sowohl draußen in der freien Natur wie auch in einer dunklen, möblierten Wohnung jedesmal au das Neue verblüffend. Der Schutzinstinkt der Hündinnen, vor Allem wenn Welpen vorhanden sind, ist ganz außerordentlich stark ausgeprägt. Durch ihre Mutterinstinkte ist ihre Verteidigungsbereitschaft ständig angefacht und ihre Reizschwelle einfach niedriger als das sonst der Fall ist. Im Ernstfall wird dann auch jeder Eindringling wild und rücksichtslos angegriffen und erbarmungslos niedergemacht.
Wir können selber beobachten, wie unsere Hunde mit dem Einbrechen der Dämmerung immer aufmerksamer und misstrauischer werden, und wie besonders die Hündinnen ihre Leute konsequent und vorbehaltlos beschützen. Eine erstaunliche Randerscheinung ist es auch, dass ich bei Campingurlauben erleben konnte, dass direkte Nachbarn sehr schnell innerhalb ihrer Grenzen bis zu einem gewissen Grad akzeptiert wurden, die Leute von dem übernächsten Stellplatz waren aber schon wieder Fremde. Das territoriale Empfinden ist ganz offenkundig ein ganz fein entwickelter Charakterzug.
Dieser Zwang, einerseits eng zusammenarbeiten zu müssen ohne aggressiv gegen seine direkte Umgebung zu sein und dabei Anvertrautes wild entschlossen und ohne Rücksicht auf eigenen Schaden zu verteidigen, formte über tausende Generationen den Charakter dieser Rassen. Ein Störenfried im Rudel oder ein seinem Besitzer gegenüber unduldsamer oder gar bissiger Hund hatte ganz einfach keine große Lebenserwartung. Den harten und ungeschriebenen Gesetzen dieses Landstriches gehorchend, wurde ein dermaßen unbrauchbarer Hund sofort und endgültig entfernt. Ebenso wurden Hunde welche feige oder schreckhaft waren gnadenlos ausgemerzt, noch ehe sie Gelegenheit hatten diese Wesenszüge weiterzuvererben.
Und nicht nur das Wesen ist somit einer gnadenlosen Auslese unterworfen worden, auch die körperliche Entwicklung ist nach mindestens genauso harten Kriterien geprüft worden. Wurde einer der Hund krank oder erlitt eine Verletzung, war eine tierärztliche Behandlung natürlich nicht möglich, weil eine solche ganz einfach nicht vorhanden war. Nur einfache Naturheilmittel und die ausgeprägte Selbstheilungskraft der Hunde mussten zur Genesung genügen. Der Wert eines Hundes wurde ganz einfach an seinen Leistungen und Erfolgen gemessen. Ein Hund der seine Aufgabe nicht erfüllen konnte war wertlos.
Im Zweifelsfall ließen und lassen die jeweiligen Besitzer die Hunde im direkten Vergleich ihren Wert, sprich ihre Kampfkraft beweisen. Diese Hundekämpfe werden nach wie vor auch noch heute ausgetragen und verlaufen dabei im Gegensatz zu modernen Hundekämpfen mit speziell darauf trainierten und gezüchteten Kampfhunderassen weitgehend unblutig. Normalerweise wird der Verlierer nur in seiner Reputation, nicht aber an seinem Leben geschädigt. Der Besitzer des Siegers hat beträchtliche wirtschaftliche Vorteile, alleine durch die Steigerung des Wertes seines Hundes mit jedem Sieg.
Auch wenn wir europäischen Tierfreunde diese Art der Kämpfe strikt ablehnen, für unsere Moralbegriffe ist diese Art des “Tiersportes” ganz einfach nicht akzeptabel, muss man die lokale und historische Situation berücksichtigen bevor man sich erlaubt ein Urteil zu fällen. Tierkämpfe sind schon immer in allen Kulturen vorgekommen, manchmal als Teil religiöser Praktiken, teils zur Unterhaltung der Massen und andererseits auch als Mittel der Bereicherung von Besitzern und Wettenden. Und schlussendlich darf man nicht vergessen, selbst in der so zivilisierten Europäischen Union werden immer wieder Schaukämpfe mit Tieren, zum Teil mit tödlichem Ausgang völlig legal abgehalten. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an die spanischen Stierkämpfe, einem Relikt aus vorchristlicher Zeit oder die Volksbelustigung des Widderstoßens im Alpenraum. Auch die Schweiz, direkt im Herzen Europas hat ihre völlig unnötigen Eringer Kuhkämpfe, bei denen immer wieder Tiere, zum Teil sogar schwer verletzt werden.
Zurück nach Zentralasien, wir werden die dortige Kultur sicher nicht beeinflussen oder gar ändern können, aber wir können davon lernen. Wenn es uns gelingt, für die dortige Lebenssituation und die dort Lebenden Verständnis zu erlangen, werden wir auch unsere Hunde und ihren Charakter besser verstehen.
Und dieses Verstehen sollte auch eine Akzeptanz für fremde Kulturen nach sich ziehen. Sollte es mir gelungen sein, das Interesse an dem Asiatischen Kulturkreis zu wecken, freut mich das sehr. Und wenn es mir gelungen ist, ein wenig Verständnis nicht nur für Kasachen, Kirgisen, Tadschiken, Turkmenen und Usbeken zu bewirken sondern auch für andere, so genannte Ausländer, ist unsere Welt auf dem Umweg über unsere Hunde wieder ein wenig menschlicher geworden.
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