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Anatomie des Hundes, speziell des ZO 

 Um die körperlichen Eigenschaften und Bedürfnisse unserer Hunde besser verstehen zu können und dadurch auch besser auf seine Erfordernisse eingehen und zu können sind einige anatomische Grundkenntnisse notwendig. Der Körperbau der domestizierten Hunde ist, und zwar weitgehend unabhängig von der Rasse, mit dem der Wölfe in den Grundzügen prinzipiell identisch. Durch die Zucht von Rassen unterschiedlichster Erscheinungsbilder, Funktionsziele und Grössen haben sich zwar die Proportionen verschoben und es sind einige degenerative Merkmale aufgetreten. Solche, durch züchterischen Übereifer entstandenen Deformationen führen zu manchmal extremen Behinderungen, welch leider die Lebensqualität mancher besonders überzüchteten Rassen erheblich mindern können. Einige besonders extravagante Zuchtprodukte sind letztendlich nicht einmal mehr zu einer selbständigen Lebensführung oder Fortpflanzung fähig. In Fachkreisen wird in diesem Zusammenhang immer öfter das Wort Qualzucht gebraucht.

Im Gegensatz zu solchen, in ihren ursprünglichen Funktion erheblich eingeschränkten Luxusgeschöpfen ist der Zentralasiatische Ovtcharka aber bis auf den doch deutlich massiveren Aufbau seines Körpers dem ursprünglichen Körperbau der Wölfe sehr ähnlich geblieben. Das bedeutet in weiterer Folge, dass der Organismus des Hundes sich in einigen bedeutenden Details von dem des Menschen unterscheidet. Dadurch sind seine Bedürfnisse notwendiger Massen auch von denen des Menschen unterschiedlich, was sich in der gesamten Haltung und Ernährung des Hundes niederschlagen muss. Diese organischen Unterschiede liegen vorwiegend im Bereich des Verdauungstraktes und in der Empfindlichkeit der Sinnesorgane.

Die körperlichen Eigenschaften unserer Hunde sind ganz auf das Leben eines im Rudel jagenden Fleischfressers eingerichtet, welcher sich von grossen Beutetieren ernährt. Durch die Domestikation haben sich die Ernährungsgewohnheiten jedoch ein wenig vom Fleischeiweiß zum Getreidekohlehydrat verschoben. Weitgehend unverändert zu den Verhaltensmustern der Wölfe ist das stark ausgeprägte Bewegungsbedürfnis und das Sozialverhalten, wobei auch hier die mehrere Jahrtausende lange Haltung durch den Menschen das Verhalten geprägt hat. Hunde sind prinzipiell in ihrem gesamten Wesen im Vergleich zu Wölfen kindlicher und fügsamer. Man darf dabei aber nie vergessen, dass gerade so ursprüngliche Rassen wie es die Asiatischen Herdenschutzhunde sind, noch sehr viel unverfälschte, natürliche Eigenschaften in sich tragen.

Skelett : Die Knochen sind der tragende Teil des Körpers und somit der eigentlich formbestimmende Teil. Dabei sind sie auch der Ansatzpunkt der Muskeln und ermöglichen die Bewegung erst. Das Material aus dem die Knochen bestehen ist hauptsächlich Kalk ( Calciumcarbonat und Calciumphosphat) und zum geringeren Teil lebende Substanz (Beinhaut, Knorpel und Knochenmark). Die Knochen des neugeborenen Hundes sind noch sehr weich und elastisch, erst durch die Einlagerung von Kalk werden die Knochen mit zunehmendem Alter härter. Deshalb ist die Zufuhr von genügend Mineralien und Vitaminen in der Wachstumsphase von Bedeutung. Erst mit dem Abschluss des Größenwachstums, also etwa mit zwei Jahren, ist die Entwicklung des Skelettes abgeschlossen, die Knochen haben ihre endgültige Grösse und Qualität erreicht. Von diesem Zeitpunkt an setzt wieder ein Abbau der Skelettqualität, vor Allem der Knorpelsubstanz innerhalb der Gelenke ein. Im hohen Alter werden diese Abnützungserscheinungen noch durch Verkalkungen im Bereich der Gelenke und Sehnen (Arthrosen) und Knochenentkalkung vor allem im Bereich der grossen Röhrenknochen (Ostheoporose) in ihrer Auswirkung verstärkt. Die Verkalkungen und Abnützungen in den Gelenksbereichen sind es, welche dem Tier die Bewegungsfähigkeit durch teilweise recht heftige Schmerzen einschränken. Die Verminderung der Knochendichte ist hingegen völlig schmerzlos, jedoch besteht eine gesteigerte Gefahr einer Fraktur, welche unglücklicherweise zusätzlich auch noch schlecht verheilt. Durch gezielte Fütterung und richtiges Training kann man als Hundebesitzer aber diese Beeinträchtigungen sehr lange Zeit in einem für den seneszenten Hund erträglichen Bereich halten. Selbst sehr alte Hunde können mit zum Teil erheblichen Arthrosen ein unbeschwertes Leben führen, wenn man die verminderte Leistungsfähigkeit und die erhöhte Verletzungsgefahr berücksichtigt. Wenn es gelingt, durch entsprechende, teilweise medikamentöse Therapien die Schmerzempfindung auszuschalten oder zumindest in für den Hund erträglichen Grenzen zu halten, hat man sein Möglichstes getan, um seinem Hund einen angenehmen Lebensabend zu bereiten. Von aufwendigen, oft teuren Operationen wie Gelenksimplantaten rate ich aus persönlicher Erfahrung eher ab. Der Aufwand der Operationen, die Schmerzen und das Risiko stehen oft in keinem Verhältnis zu der erreichten Verbesserung der Lebensqualität. Darüber hinaus ist gerade für einen alten Hund die Belastung durch die Operation unter Umständen zu gross, die Gelenke sind dann vielleicht saniert, der Hund aber an einem postnarkotischen Schock verstorben. Letztendlich kann hier nur der Tierarzt des Vertrauens einen endgültigen Rat erteilen, die Entscheidung ist dann vom Besitzer im Einklang mit seinen moralischen Prinzipien und seinem Gewissen zu fällen.

Muskulatur : Die Muskeln sind der Motor des Lebens. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Arten der Muskulatur, willentlich beeinflussbare und willentlich unbeeinflussbare. Die willentlich nicht beeinflussbaren (quergestreiften, vegetative) Muskeln sind für die Verdauung, die Peristaltik und Blutdruckregelung, kurz und einfach ausgedrückt für alle automatisch ablaufenden Lebensfunktionen zuständig. Die willentlich beeinflussten (längsgestreiften, motorischen) Muskelfasern sind jene, welche für die eigentliche Bewegung zuständig sind. Dieser Teil der Muskulatur macht das Erscheinungsbild der Bewegung aus und kann auch ganz gezielt trainiert werden. Motorische Muskeln sind immer mit beiden Enden an jeweils einem Knochen mittels jeweils einer oder mehrerer Sehnen befestigt und können ausschliesslich Kontraktionen ausführen. Somit sind für jede Bewegung innerhalb einer Bewegungsebene mindestens ein Muskelpaar zuständig. Ein Muskel für das Beugen und einer für das Strecken. Dabei sind aber oft die Bewegungsabläufe zu kompliziert als das sie von nur zwei Muskeln bewältigt werden könnten. Somit ist es dann in der Regel so, dass ganze Muskelgruppen für die Durchführung einzelner Bewegungsabläufe zuständig sind. Die Muskeln bestehen aus einzelnen Fasern, deren Anzahl pro Muskel im Moment der Zeugung genetisch festgelegt wird. Somit kann die Qualität der Muskulatur nur innerhalb des Rahmens der ererbten Vorgaben entwickelt werden. Dieser Rahmen ist aber unglaublich weit gesteckt, und Zentralasiaten zeigen ganz prinzipiell gute Anlagen zur Ausbildung einer ausgeprägten Muskulatur. Da der Welpe bei der Geburt winzig klein und noch recht wenig entwickelt ist und auch noch schwache Knochen hat, sind auch seine Muskeln und seine Kontrolle über die motorischen Nerven noch wenig ausgeprägt, seine Bewegungen sind unkoordiniert und unbeholfen. In dem Masse, in dem sich die Knochensubstanz ausbildet und die Muskelmasse zunimmt, gewinnt der Hund an Beweglichkeit. Bereits mit acht Wochen ist dem Junghund das gesamte grundlegende Bewegungsrepertoir möglich, jedoch erst mit Erreichen der endgültigen Grösse, teilweise sogar noch später, werden die Bewegungsabläufe harmonisch. Erst im Alter von ungefähr drei bis vier Jahren ist das Muskelwachstum endgültig abgeschlossen, das Tier hat nun auch sein endgültiges Gewicht erreicht. Durch möglichst vielseitige Bewegung muss man dem Hund von frühester Jugend an Gelegenheit geben, seinen natürlichen Bewegungsdrang zu befriedigen und seine Muskeln zu trainieren. Viele Forderungen des Standards und der Ästhetik sind nur mit einer gesunden und schön entwickelten Muskulatur zu erfüllen. Besonders Rüden, welche ein doch beträchtliches Körpergewicht aufbringen, wirken schlaff und unbeweglich, wenn die Muskulatur nicht genügend ausgebildet ist. Hängerücken und durchgetretene Gelenke, unruhige Bewegungsabläufe und schwerfällige Gänge sind in der Regel auf eine zu schwach entwickelte, weil untrainierte Muskelsubstanz zurückzuführen. Stark vereinfacht  „verbrennen“ die Muskelzellen Zucker, wobei das Blut den Brennstoff sowie den zur Oxidation nötigen Sauerstoff heranschafft. Aber genauso wichtig ist es die Stoffwechselprodukte aus dem Muskelgewebe abzuführen. Dieser Transport von Brennstoff in den Muskel und Abfallprodukten aus dem Muskel ist ebenfalls vom Trainingszustand abhängig. Der uns Menschen allgemein bekannte Muskelkater ist eine Erscheinung, welche für untrainierte und überlastete Muskeln typisch ist, das Abfallprodukt Milchsäure wird nicht restlos aus den Muskelzellen entfernt und dieses Stoffwechselprodukt führt dann zu den leidigen Schmerzen. Und so kann man die Behauptung aufstellen, nur ein trainierter Körper ist auch ein gesunder Körper.

Gebiss : Die Zähne sind das primäre Werkzeug des Hundes. Ohne funktionierendes Gebiss ist für einen Wolf das Überleben einfach nicht möglich und auch ein domestizierter Hund kann ohne ordentliche Zähne seine ursprünglichen Aufgaben nicht wirklich wahrnehmen. Wie soll sich ein Herdenschutzhund gegen teilweise mächtige und kampfstarke Gegner durchsetzen, wenn seine wirkungsvollste Waffe nicht brauchbar ist? Deshalb wird auch so grosser Wert auf ein vollständiges und intaktes Gebiss gelegt. Die Zahnsubstanz des Zentralasiatischen Ovtcharka hat immer komplett zu sein und ist auch sehr stark entwickelt. Die Zahnformel des erwachsenen Hundes wird in den Lehrbüchern folgendermassen dargestellt:

3  1 2  2

3  1 2  3

Dabei bedeuten die Zahlen oberhalb des Striches die Zähne im Oberkiefer, die unterhalb des Striches stellen den Unterkiefer dar. Und zwar wird immer nur eine Gebisshälfte beschrieben, man beginnt vorne in der Mitte zu zählen und zählt von vorne nach hinten in Richtung Kiefergelenk. Von links nach rechts geben die Zahlen die Zahl der Dentes Incisivi, Dentes Canini, Dentes Prämolari und der Dentes Molari an. Die Incisivi sind die kleinen Schneidezähne, die Canini die mächtigen Eckzähne, die Prämolari die Vormahlzähne mit zwei Wurzeln und die Molari diejenigen Mahlzähne mit drei Wurzeln. Fehlen Zähne wegen einer fehlerhaften Vererbung ist das ein schwerer Fehler, sind die Zähne durch einen Unfall beschädigt oder ausgebrochen, beziehungsweise chirurgisch entfernt worden ist ein Tierärztlicher Befund über das ursprünglich komplette Gebiss zur Erlangung einer einwandfreien Bewertung notwendig. Der Standard bemängelt auch zu starke Abnützungserscheinungen, welche zu vermeiden aber kein wirkliches Problem darstellen dürfte. Wenn man dem Hund keine übermässig harten Gegenstände als Spielzeug überlässt, dabei denke ich an Steine oder Metallteile, wird der Verschleiss des Gebisses nie ein ernsthaftes Problem darstellen. Im Zusammenhang mit der Entwicklung eines korrekten Gebisses ist eine ausreichende Versorgung mit Vitalstoffen in der Wachstumsphase unbedingt notwendig. Fehlen diese Aufbaustoffe kommt es unter Umständen zu einer Verfärbung des Zahnschmelzes, dem sogenannten Staupegebiss. An diesen verfärbten Stellen ist die Oberfläche des Zahnes nicht nur unschön gelb bis braun, sondern auch nicht besonders widerstandsfähig. Manchmal kann es auch im Zuge der Gebißentwicklung geschehen, dass beim jungen Hund der Zahnwechsel nicht reibungslos vonstatten geht. Meistens der Caninus des Milchgebisses neigt zum Persistieren. Das bedeutet, dass obwohl schon der Zahn des Zweiten Gebisses aus dem Zahnfleisch hervorbricht, der Zahn des Milchgebisses noch immer fest an seinem Platz sitzt und dem neuen Zahn den Platz streitig macht. So ein persistierender Milchzahn muss so rasch wie möglich entfernt werden, um spätere Zahnfehlstellungen zu verhindern. Die Junghunde der Zentralasiatischen Ovtcharki sorgen aber durch ihre Neigung zu wilden Zerr- und Raufspielen in der Regel immer selber für eine tadellose Entfernung dieser unnötig gewordenen Milchzähne. Mit zunehmendem Alter lagert sich auch auf ordentlich benutzten Zähnen Zahnstein ab. Das ist nicht nur unschön, sondern ist auch eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens. Massnahmen dagegen sind im Kapitel Pflege erläutert. Für die Ernährung des Wolfes und natürlich auch des Hundes ist das korrekte Gebiss von grosser Bedeutung, mit ihnen wird die Nahrung erbeutet, festgehalten und grob zerkleinert. Somit ist das Gebiss die allererste Station zur Verdauung.

Verdauungsorgane: Die Zähne des Hundes taugen zwar ganz hervorragend zum Zupacken und Zerreissen, zum Zerkleinern und Zerkauen einzelner Bissen ist das Hundegebiß aber weniger geeignet. Dazu ist der Unterkiefer des Hundes auch noch so im Kiefergelenk gelagert, dass zwar gewaltige Kräfte übertragen werden können, aber eine seitliche Bewegung des Unterkiefers zum Oberkiefer unmöglich ist. Somit gelangt die Nahrung durch die Speiseröhre meist in Form von grossen Brocken und Fetzen in den Magen. Leer ist der Magen eines mittelgrossen Hundes (wie unsere Zentralasiatischen Ovtcharki es sind) ein kompakter Muskel etwa von der Grösse zweier geballter Fäuste, welcher mit Bändern im Unterbauch gehalten wird. Beginnt der Hund zu fressen, dehnt sich der Magen ganz gewaltig, in kürzester Zeit kann er dabei ein Volumen von mehreren Litern aufnehmen. Die Innenseite des Magens ist mit Drüsen welche Magensäure ausscheiden ausgestattet und mit einer Schleimhaut ausgekleidet welche die Magenwände selber vor der Säure schützt. Durch die Bewegungen welche der Magen ausführt entsteht in Verbindung mit der Magensäure ein Speisebrei, welcher nach und nach in den Dünndarm gepresst wird. Dort werden noch weitere Fermente und Enzyme beigemengt, welche für die Aufschliessung der Nährstoffe notwendig sind. Die meisten dieser Wirkstoffe werden von der Leber produziert und als Gallenflüssigkeit über die Gallenblase zugeführt. Durch die ständige Bewegungen der Darmmuskulatur, der Peristaltik, wird der Nahrungsbrei langsam durch den gesamten Darm bewegt, wobei ihm die Nährstoffe durch Blutgefässe in der Darmwand entzogen werden. Da Hunde als Fleischfresser hochwertige Nährstoffe zu sich nehmen, ist ihr Darm vergleichsweise kurz. Die gesamte Länge eines Hundedarmes beträgt etwa das fünffache der Körperlänge, bei einem Menschen, als typischen Allesfresser ist der Darm relativ zu der Körpergrösse ungefähr dreimal länger. Nach dem Passieren des Dünndarmes gelangt der nun bereits weitgehend von den Nährstoffen befreite Speisebrei in den Dickdarm. Dort wird dem Brei wieder ein Teil des Wassers entzogen, und was sich jetzt noch im Hundedarm befindet ist uns allen wohlbekannt. Diese ganze Prozedur, von der Futterschüssel bis in den Rinnsal, nimmt etwa vierundzwanzig Stunden in Anspruch.

Fell : Die Haut des Hundes ist zum grössten Teil mit Haaren bedeckt und stellt den einzigen Schutz gegen die Unbille der Witterung und die Beeinträchtigungen durch die Umgebung dar. Nur einige wenige exotische Rassen weisen kein zusammenhängendes Haarkleid auf. Dieses, Alopezie genannte Erbmerkmal ist bei den sogenannten Nackthunderassen ein erstrebenswertes Zuchtziel, jedoch für einen Gebrauchshund, welcher jeder Witterung trotzen muss natürlich nicht tragbar. Der Zentralasiatische Ovtcharka weist deshalb ein Vollständiges Haarkleid auf. Vollständig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Fell grob gesagt aus zwei Arten von Haaren besteht. Die äussere Struktur wird von harten, geraden Haaren, den Grannen gebildet und unter diesen liegen feinere und kürzere Haare, die Unterwolle. Diese zweilagige Struktur bildet wie bei Dachziegeln eine ideale Isolation gegen Feuchtigkeit und Schmutz, gegen Wind und Kälte. Die harschen Grannenhaare weisen die Feuchtigkeit ab und die flauschige Unterwolle hält schön warm. Jedes Haar entspringt einer eigenen Pore in der Haut, in der die Haarwurzel liegt. Die Haare werden ein ganzes Hundeleben lang immer wieder abgestossen und wachsen aus der Haarzwiebel immer wieder neu nach. Im Frühjahr und im Herbst erfolgt dieser Haarwechsel verstärkt, da sich unsere Hunde vor dem kalten Winter durch verstärktes Haarwachstum einen warmen Winterpelz zulegen und bevor es im Sommer richtig heiss wird, diesen wieder abstossen. Beachtenswert in diesem Zusammenhang ist auch noch, dass die meisten Schweissdrüsen der Hunde weitgehend verkümmert sind. Aus diesem Grund ist das Fell zwar meist trocken und wenig fett, jedoch müssen die Hunde den Temperaturhaushalt ihres Körpers durch Hecheln regulieren und nicht durch die Verdunstung von Feuchtigkeit auf der Körperoberfläche.

Sinnesorgane : Obwohl ein Hund grundsätzlich die selben Sinnesorgane wie ein Mensch besitzt, sind seine Sinneseindrücke von denen eines Menschen weitgehend verschieden. Menschen sind vorwiegend auf ihren Gesichtssinn angewiesen, das Gehör ist zur Kommunikation notwendig, die Bedeutung der anderen Sinne ist aber nicht so ausgeprägt. Bei Hunden sind die Sinne anders gewichtet, der Geruchssinn und das Gehör sind ungemein stark entwickelt, dem Gesichtssinn kommt eine weniger grosse Bedeutung zu. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass Hunde schlecht sehen, sie können nur sehr viel besser Hören und Riechen als wir Menschen. Der Geruchssinn des Hundes ist hundertmal empfindlicher als der des Menschen. Die Oberfläche der Riechschleimhaut in den Nasenhöhlen ist etwa dreihundert mal grösser als die eines Menschen, auch jener Teil der Großhirnrinde welcher für die Riechsensorik zuständig ist, ist ungemein stark entwickelt. In unserer technisierten Umwelt kann das oft zu einer Belästigung des Tieres führen, noch dazu wo sich die Hundenase viel näher am Boden befindet als unsere eigene und somit zum Beispiel den Auspuffen der Autos viel näher ist. Der Gehörsinn des Hundes ist sowohl von der Empfindlichkeit gegenüber dem Schalldruck als auch von der Empfänglichkeit für Frequenzen dem des Menschen weit überlegen. Die Empfindlichkeit für die Lautstärke ist um das zehn- bis hundertfache grösser, der für den Hund wahrnehmbare Frequenzbereich ist zwei bis dreimal grösser als der des Menschen. „Unhörbare“ Hundepfeifen nutzen diesen Effekt aus, dass das menschliche Hörvermögen bei 15 bis maximal 25 kHz endet, Hunde jedoch Ultraschall von 40 kHz ohne Schwierigkeiten wahrnehmen können. Der Gesichtssinn ist dem des Menschen teilweise unterlegen, in manchen Belangen jedoch überlegen. Durch die mehr seitliche Anordnung der Augen beträgt das Gesichtsfeld des Hundes etwa zweihundertfünfzig Grad, das des Menschen jedoch nur etwa hundertsechzig Grad. Dadurch hat der Hund einen besseren Überblick, jedoch auf Kosten des dioptischen Sehens. Das bedeutet, dass Hunde Bewegungen schneller und besser wahrnehmen können als Menschen, das Gesichtsfeld welches mit beiden Augen erfasst werden kann, was zum räumlichen Sehen notwendig ist, jedoch schmäler ist. Dadurch kommt dem Fixieren mit beiden Augen bei Hunden eine erhöhte Bedeutung zu, der direkte Blickkontakt bedeutet immer eine unmittelbare Kontaktaufnahme. Aufgrund der Struktur der Netzhaut kann man auch mit Sicherheit behaupten, dass das Farbsehen der Hunde eher schlecht entwickelt ist, jedoch hat sich gezeigt, dass dafür das Dämmerungssehen sehr stark ausgebildet ist. Das ist dadurch zu erklären, dass die Farbrezeptoren (Zapfen) weniger lichtempfindlich sind als die Helligkeitsrezeptoren (Stäbchen). Es ist oft erstaunlich wie gut Hunde selbst kleine und gut getarnte Tiere aufgrund ihrer Bewegungen und wegen des Helligkeitsunterschiedes gegenüber des Hintergrundes optisch ausmachen können. Der Geschmacksinn ist ähnlich dem Geruchssinn stark entwickelt, über diese Sinnesleistung lassen sich aber nur schwer Vergleiche oder Messungen anstellen, da der Gusto von Hunden sich von dem des Menschen teilweise krass unterscheidet. Fauliges Fleisch erscheint den menschlichen Sinnen ekelerregend, ist für Hunde aber durchaus appetitanregend. Die Hautsinne für Wärme und für Berührung sind voll entwickelt, durch die Behaarung der Haut teilweise sehr sensibel, teilweise jedoch ziemlich unempfindlich. Manche Hunde können neben einem Ofen oder Heizkörper bei bestem Wohlbefinden liegen bis ihr Haarkleid so heiss ist, dass eine menschliche Hand diese Temperatur bereits als Schmerz empfindet. Andererseits werden leichteste Berührungen durch die Haare übertragen und äusserst empfindlich wahrgenommen. Einige Körperteile, wie zum Beispiel die Nase und die Lefzen sind allgemein empfindlicher, andere Körperteile wie die Fußballen sind weitgehend unsensibel.

Sexualorgane : Die Organe zur Fortpflanzung entsprechen dem, was uns von den Säugetieren und somit auch Menschen gut bekannt ist. Die Eierstöcke der Hündin produzieren ab dem Alter von etwa einem dreiviertel Jahr in regelmässigen Abständen Eier. Diese Intervall beträgt meist sechs Monate, und falls diese Eier befruchtet werden, nisten sich diese in der Gebärmutterschleimhaut ein. Nach zwei Monaten gebiert die Hündin dann, wobei unabhängig von der Anzahl der Welpen eineiige Zwillinge praktisch nicht vorkommen. Diese periodisch auftretende Fruchtbarkeit, auch saisonale Brunst genannt, ist für Hunde typisch. Aber nicht immer wird dieser Halbjahresrythmus eingehalten, manche Hündinnen werden nur einmal im Jahr läufig. Die Läufigkeit ist eine Phase welche etwa drei Wochen dauert und mit einem hellroten Scheidenausfluß beginnt, welcher im Zuge der Läufigkeit immer dunkler, cremefarben bis braun wird. Etwa zehn Tage nach Beginn der Läufigkeit ist die Hündin zum Deckakt bereit und wird sich den Avancen der Rüden nicht mehr entziehen. Diese Phase dauert etwa eine Woche, während der auch die Befruchtung der noch im Eileiter befindlichen Eier möglich ist. Wenn die Blutungen viel länger andauern oder deutlich öfter als zweimal im Jahr auftreten, muss man von einer Hormonstörung ausgehen und den Tierarzt konsultieren. Die Milchdrüsen der Hündin befinden sich in zwei Reihen, den sogenannten Milchleisten, vom Unterbauch bis hinauf zum Brustkorb. Die Anzahl der Milchdrüsen kann erheblich schwanken, jede Zahl zwischen sechs und zwölf ist als normal anzusehen, auch ungerade Zahlen sind nicht ungewöhnlich. In der Natur wird die Wurfstärke letztendlich durch die Anzahl der Zitzen begrenzt, der Welpe der an keine ergiebige Milchquelle gelangen kann, wird nicht gedeihen. Somit bringen Wölfe selbst unter günstigen Umständen kaum mehr als sechs Welpen durch, da die am höchsten an der Brust gelegenen Milchdrüsen meist nicht sehr ergiebig sind. In menschlicher Obhut wird das durch eine entsprechende Zufütterung ausgeglichen. Die Hoden des Rüden werden paarweise im  Hodensack, ständig ausserhalb des Leistenkanales getragen. Ab einem Alter von fünf bis sechs Wochen sind beide Hoden vom Unterbauch in den Hodensack gewandert, sollte das nicht geschehen sein, ist unbedingt der Tierarzt zu konsultieren, da das Fehlen beider Hoden (Kryptorchismus) oder eines Hoden (Monorchismus) erstens die Zeugungsfähigkeit vermindert oder gar unfruchtbar macht und auch als schwerer, zuchtausschließender Fehler gewertet wird. Der Grund für diese Anordnung der Testis praktisch ausserhalb des Leibes liegt in der Notwendigkeit begründet, dass Spermien eine eher niedrigere Temperatur zur Entwicklung bedürfen als dieses normalerweise innerhalb des Körpers gegeben ist. Im Gegensatz zu Hündinnen sind Rüden ständig bereit und fähig ihre Gene weiterzugeben, jedoch wird die zulässige Anzahl der Deckakte durch die Zuchtordnung limitiert. In der freien Wildbahn betreiben Wölfe eine äusserst effektive Geburtenregulation, nur der dominierende Rüde deckt. Und nur die dominierende Wölfin wird gedeckt, das geht so weit, dass stark unterdrückte weibliche Wölfe überhaupt nicht läufig werden, männliche Wölfe nicht imstande sind, einen Deckakt zu vollziehen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer sogenannten psychischen Kastration. Da bei Haushunden niemals so extreme Verhaltensmuster beobachtet werden können, ist selbst bei ursprünglichen Rassen eine Empfängnis bei praktisch jeder Verpaarung möglich. Für Hündinnenbesitzer ist deshalb jede Läufigkeit ein konkreter Anlass zu besonderer Aufmerksamkeit und Sorgfalt, selbst kleinste Nachlässigkeiten haben schon zu den wirklich unglaublichsten Zuchtprodukten geführt. Die in diesem Zusammenhang oft kolportierte Meinung, eine auf diese Weise von einem rassefremden Rüden belegte Hündin sei dadurch „verunreinigt“ und zu einer weiteren Zucht nicht zu gebrauchen, ist schlichtweg blanker Unsinn.